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Biografie - Samael


Samael waren mir persönlich bis zu ihrer 96er Tour mit Moonspell
(mein erstes Metalkonzert, btw) nur vom Hörensagen her bekannt, ich
wurde lediglich durch ein gut ausgefallenes Reviw im Metal Hammer von
ihrer dritten CD "Ceremony of the Opposites" auf sie
aufmerksam.

Das besagte Konzert fand vor der Veröffentlichung der 96er CD
"Passage" statt, und so wurde auch relativ viel Material dieser
CD gespielt, mir persönlich blieb der Gig hauptsächlich durch
Augenschmerzen in Erinnerung, ausgelöst durch die extremen
Stroboskopattacken, ferner durch eine extreme, basslastige
Lautstärke, was allerdings positiv auffiel, das es die Wuchtigkeit
der Songs verstärkte.

Ein Stein war also bei mir im Brett, da mir auch das Songmaterial,
sowohl hart, als auch majestätisch düster und eine ganz eigene
Dynamik innebehaltend, sehr gut gefiel.



Das war meine erste Begegnung mit Samael, und ich möchte in diesem
und in einigen folgenden Meinungen den Werdegang dieser Band darlegen,
die als eine der wenigen dem Black Metal mit guten Ideen und einer echten
Weiterentwicklung, die nicht dem Kommerz zugezählt werden sollte,
entkommen sind.



Ich beginne mit einer allgemeinen Meinung, die eine Biographie, Samaels
Philosophie und ein paar Sätze zu jeder CD beinhaltet.



Die Band im eigentlichen Sinne besteht seit 1987, in der Schweiz, in
diesem konservativen Staat, der als Flaggensymbol ein Kreuz trägt,
gab es natürlich eine breite Angriffsfläche für junge,
frustrierte Menschen, die sich in ihrer Freiheit beschnitten sahen.

Es machte sich kurzerhand ein Hass auf die Kirche und Katholiken breit,
was dann bei Samael schlussendlich in einer Form des Satanismus
endete.

Vorphalack (Vociferation bezeichnete seinen Gesang, ausserdem Gitarre
etc.) und Xytraguptor (Drums) waren die Pseudonyme der beiden
Gründungsmitglieder, Samael ist einfach ein anderer Name für
Satan; das erste musikalische Lebenszeichen auf CD/Vinyl der beiden hiess
"Medieval Prophecy", erschien 1988 und war der zweite Schritt
an die Öffentlichkeit, nach einem Liveauftritt bei einem Schweizer
Metalfestival im Jahre 1987, gemeinsam mit Living Death und Messiah.



Natürlich waren sie von der Schweizer Kultband
"Hellhammer"beeinflusst, die Anfang der 80er eine der
härtesten Vertreter der Metalszene überhaupt waren und sich
1984 zur Düsteravantgardemetalcombo "Celtic Frost"
neuformierten.



Das äusserte sich auf dieser EP, die drei Tracks beinhaltet und
heute so gut wie gar nicht mehr zu finden ist, in Form eines Covers,
namens "The Third of the Storms", die anderen beiden Tracks
waren das bis heute zweimal neu aufgenommene und heute noch live
gespielte "Into the Pentagram" und "The Dark", der
das Schlusslicht auf der folgenden CD darstellt.



Die Musik war hauptsächlich harter, morbider Death Metal, der durch
die satanischen Texte, das Artwork und den kreischenden Keifgesang einen
Blackmetalanstrich erhielt, wodurch Samael mit zu den Begründern der
mitteleuropäischen Szene gelten, die seit Venom den Namen
"Black Metal" trägt.



Die Band erweiterte ihr Line Up durch den Bassisten Masmiseim, und
spielte bis zur Fertigstellung ihrer ersten Full-Length CD ein rundes
Dutzend Shows im Vorprogramm von anderen Bands.


Worship Him, 1990

1990 war es dann soweit, auf dem Label Century Media (soweit ich weiss,
auch eines der ersten Signings der Plattenfirma überhaupt) erschien
dann die angesprochene CD Worship Him, dessen Titel sich natürlich auf den allmächtigen Herrn
der Finsternis bezieht.

Eine Weiterentwicklung hinsichtlich der musikalischen Fähigkeiten
war natürlich festzustellen, ebenso wie eine im
produktionstechnischen Bereich, der meines Erachtens aber doch zu schwach
ausfiel, für die damalige Zeit sicherlich ok, aber aus heutiger
Sicht fehlt der Tiefgang (sprich Bass) und die Gitarren waren sicherlich
auch nicht so fett, wie sie sein sollten, nichtsdestotrotz Anerkennung
dafür.

Die Songs waren natürlich nicht das Gelbe vom Ei, einzig der
Titeltrack und das neu aufgenommene "into the Pentagram"
konnten durch ihren spannungsgeladenen Songaufbau, teilweise hier schon
mit Keys durchsetzt, und ein paar Abschnitte, die sich im Kopf
festsetzten, überzeugen.

Der Rest des Albums ist in meinen Augen nicht viel mehr als
Kettengerassel, aber die beiden genannten Songs zeigten, das Potential in
der Band steckte, auch das Artwork war mehr schlecht als recht und im
Endeffekt nur billig.



Im Anhang spielte man mehrere Gigs, übrigens viel im östlichen
Europa, unter anderem auch mit den Labelmates Napalm Death, Tiamat und
The Gathering.

In Deutschland hatte man es bis zum Release der nächsten CD namens
"Blood Ritual" auf ganze 5 Gigs gebracht.


Blood Ritual, 1992

Die ganze Tourerei hatte sich gelohnt, "Blood Ritual" wusste
mit durchweg gelungener düsterer Stimmung und einer halbwegs
gelungenen Produktion zu gefallen, auch diese CD bietet einige Klassiker,
wie z.B. "after the sepulture", das später nochmal neu
aufgenommen wurde, oder das mit guten Keyboards unterlegte "Macabre
Operetta", bei dem der Name fast schon Programm ist. Natürlich
war auch diese CD nicht die Offenbarung, aber es zeichnete sich etwas ab,
im Namen Samaels, man war durchaus fähig, genrefremde Elemente mit
einzubauen, und grandiose Songs zu schreiben, auch wenn sie noch
längst nicht das Gross der CD ausmachten.


1987 - 1992, 1995

Beide CDs wurden dann 1995 von Century Media zum Preis von einer
veröffentlicht (inkl. einer kleinen Biographie), leider ohne
remastered zu werden, oder gar mit Bonustracks versehen zu werden, wobei
das wahrscheinlich Methode hatte. Zu dem Preis sollte man auch nicht
meckern, sondern zugreifen, sofern man Schwarzmetallichem, düsterem
Deathmetal nicht abgeneigt ist.

Den neueren Fans der Band würde ich dieses Package jedoch nicht
empfehlen, da es einfach zum Grossteil noch zu unausgereift ist und nicht
die Band so repräsentiert, wie sie heute ist.

Nur als Historie anzusehen, vor allen Dingen, da die Texte noch eher
pubertär und schlecht waren.





Nach diesem Release begann die grosse Tourerei, man spielte den ganzen
Januar über durch und zusätzlich absolvierte man um die 20 Gigs
in der zweiten Hälfte des Jahres, 40 Liveauftritte also, die meisten
davon dieses Mal in Deutschland, wo eine wachsende Fangemeinde befriedigt
werden sollte, aber auch Frankreich (schliesslich waren Samael ja im
französischsprechenden Teil der Schweiz zuhause) und die
Beneluxländer wurden bedacht, die Schweiz verhängte soweit ich
weiss, zwischendurch mal Auftrittsverbot für die Band, da ihnen die
Gesinnung gegen den Strich ging.


Ceremony of the Opposites, 1994

Und abermals bekam man Zuwachs in der Samaelfamilie, Rodolphe bediente
ab sofort die Keyboards und die Samples bediente, wovon auf der 94er
Scheibe "Ceremony of the Opposites" reger Gebrauch gemaht
wurde, Samplecredits wurden vergeben an Mussorgsky und Ravel, sowie
Aleister Crowley dem liberalen "Satanisten" (wie er von einigen
genannt wird), womit man natürlich in der Schweiz überall
aneckte.

Musikalisch war das Album ein Riesenschritt in die richtige Richtung und
heute noch ein Klassiker in der Branche, das ein jeder pflichtbewusste
Blackmetalfan zuhause stehen haben sollte. Die Songs sind kürzer
geworden, aber gleichzeitig dichter und intensiver, sowie auch dunkler,
was sicherlich auf Rodolphe zurückzuführen ist, der
flächige, finstere Keysounds zu den Riffbergen und dem Grabesgesang
von Vorphalack sowie dem mächtigen Rhytmusgerüst von Masmiseim
und Xytras (wie er sich nach dem ersten Album nannte)
hinzufügte.

Sicherlich eine gute Scheibe,"Mask of the red Death" und
insbesondere "Baphomets Throne" sind erstklassige Songs, die
auch bis vor kurzem Bestandteil jeder Samaelshow waren, doch

auch hier fehlt noch was, die Songs sind auf Dauer zu gleichförmig
und nach mehreren Hören macht sich auch teilweise Langeweile breit,
sodass die Skiptaste ruft.



Allerdings war diese Scheibe diejenige, die den Durchbruch von Samael in
greifbare Nähe rückte, voraufhin man natürlich ohne Ende
Liveauftritte absolvierte, fast 100 alleine 1994, 20 hängte man im
Aprli/Mai 1995 noch dran, die Samael für das kommende vorbereiten
sollten.

Man sah sie mit solch illustren Namen, wie Cannibal Corpse, Morbid Angel
und Death, aber auch Bands aus einer anderen musikalischen Ecke, wie z.B.
die Hardcoreler Agnostic Front


Rebellion, 1995

Ende 1995/ Anfang 1996 gönnte man sich eine kreative Pause im Hause
Samael, schon geschriebenes Songmaterial wurde auf der EP
"Rebellion" verwurstet, worunter auch die Neueinspielung von
"after the sepulture" und "into the pentagram"
fielen, wobei besonders letzter ungeahnte Qualitäten aufweist, ein
mächtiger Monolith.

Die neuen Tracks wurden "Rebellion" und "static
journes" betitelt, waren hymnischer denn je, aber auch
elektroniklastiger, bzw. sample- und keyboardlastiger, was sich auch
dadurch äusserte, dass teilweise mit Drumcomputern gearbeitet
wurde.



Die auch dann auf der 96er Tour eingesetzt wurden, Rodolphe wurde
gefeuert, und Xythras übernahm die Keyboards und die Programmierung
und haute nur noch gelegentlich in die Felle, wenn es das Material
erforderte. Das Entsetzen unter den Metalfans war
verständlicherweise gross, wurde doch hier eine Annäherung an
das verhasste elektronische Genre geknüpft, weg vom guten alten
handgespielten Song.

Doch, oh Wunder, es funktionierte, und Samael wurde bei den meisten so
angenommen und gewannen sogar ein paar neue Fans hinzu, wie auch
mich.

Durch die hinzugenommenen elektronischen Elemente wurde mehr denn je
eine dichte Soundwand geknüpft, majestätisch und düster,
monolitihisch und mitreissend, Songs, wie eine Naturgewalt, der keiner
entkommen kann, was der eindrucksvolle Kölner Auftritt im Rahmen der
Popkomm eindrucksvoll belegte.


Passage, 1996

Mit Veröffentlichung des "Passage" Albums Ende des Jahres
begann dann endgültig die neue Ära bei Samael, Musik, so
eindrucksvoll wie der Mount Everest, riesige Klangschichten türmten
sich vor einem auf, bestehend aus den massiven Gitarrenriffs, die jetzt
endlich auch eine Topproduktion bekamen, manischem Drumcomputer und den
sphärischen und hymnischen Keyboardsounds, die nicht selten die
Funktion eines Chors übernehmen!

Kombiniert mit dem immer noch düsterem aber viel
ausdrucksstärkeren Gesang Vorphs (die Pseudonyme nun verkürtzt,
fast verniedlicht, womit man auch die satanischen Wurzeln abgelegt
hat).

Xy war ab sofort nur für die Musik zuständig (auf diesem Album
wurden die Laibacheinflüsse deutlich), Vorph für die Texte, die
auf diesem Album den zuvor gelegten Weg (bis einschliesslich
"Ceremony") verliessen und neue wege beschritten.

Es ist keine Rede mehr, von einem finsteren Herrscher, auf diesem Album
ist eine Philosophie des Wanderns und der Bewegung aufgetreten,
kombiniert mit Individualismus und Liberalität, das von Aleister
Crowley gelegte Konzept wurde mit den Ideen einiger neuerer und
altgriechischer Philosopphen erweitert (der Weg ist das Ziel), kombiniert
mit der Achtung vor der Natur(-gewalten), wie im Lied "jupiterian
vibes" und im dazugehörigen, genialen Video auch eindrucksvoll
belegt.

Dises Lied ist zusammen mit der Beinaheballade "Moonskin" bis
heute mein Favorit tanzbar, mit einem einzigartigen Rhytmus versehen und
einem mitreissenden Gesang, sowie einem fast ruhenden Zwischenpart, viel
besser konnte man diesen Song nicht gestalten!

Allerdings bekam die Band zahlreiche Rüffel von spitzfindigen
Köpfen, die in einigen der Liedern rechtes Gedankengut verbreitet
sahen, obwohl genau das in den Texten ziemlich eindeutig kritisiert
wurde.



Das Album bekam passenderweise viele Lobeskritiken in den
einschlägigen Zeitungen und war sogar kurze Zeit in den deutschen
Charts, leider wurde die 97er Headliner Tour nicht wunderbar besucht, so
dass man sich erstmal rar machte und neues Material einspielte.



Xy nahm in der Zeit unter dem Namen "Xytras" ein Soloalbum
auf, in der er fast alle Songs des Passage Albums unter deutschem Namen
(die alle recht panne klangen) veröffentlichte und in
Neo-Klassikgewand verpackte. Ok, ein Experiment, wodurch er Anerkennung
verdient hat, aber leider ging es für meine Begriffe ziemlich in die
Hose, hatten die Songs trotz aller zusätzlichen Ideen nicht die
Kraft, alleine auf der Symphonik der Keys zu ruhen, das war nix. Für
Liebhaber von dunklen Soundtracks und Neoklassik dennoch ein
Reinhören wert.


Exodus, 1998

Auch die EP "Exodus" wurde im selben Jahr veröffentlicht,
enthielt 5 neue Songs, schreckte aber durch den recht hohen Preis von
20,-DM ab, denn das waren keine Spitzensongs, sondern teilweise noch
älteres Material, nicht durchweg gut und zu empfehlen, es sei denn,
für einen angemessenen Preis.


Eternal, 1998

1999, vor dem Millenniumsübergang, wurde dann das aktuelle Werk
"eternal" veröffentlich, gleich vorweg, mein Favorit von
Samael, erst hier wurde die ganze Dynamik, die auf der
"Passage" teilweise nur angedeutet wurde, vollends
ausgeschöpft, was zwar im Endeffekt dazu führte, dass es sich
teilweise zu überladen anhörte, aber das Problem wurde, wie ich
finde, gut gelöst, da die Songs verschiedene Zugangsebenen haben,
entweder kann man sich einfach tragen und mitreissen lassen, oder man
versucht, hinter die Wänder zu steigen und aufmerksam zu verfolgen,
was da abgeht, beides ist möglich, zusätzlich war es mit
Abstand das abwechslungsreichste Album der Gruppe, sogar Hammondorgel
wurde eningesetzt und Marylin Manson Einflüsse zu hören, das
alles aber immer noch eindeutig Samael.

Songs wie "Supra Karma" und das ruhige, aber hymnische
"us" gehören mit zu den besten Songs, die jemals an der
Grenze von Industrial, Black und Gothicmetal geschrieben wurden und
verdienen ein grösseres Publikum.

Das ist harte, ehrliche, gewaltige Musik für das neue Jahrtausend,
es wäre ein passender Soundtrack zu Matrix gewesen.



Auch live beeindruckte die Band mal wieder, diesmal mit neuem, zweiten
Gitarristen "Kaos" der dem Songmaterial live einige Löcher
klaute und zwei Feuertänzern, die die Musik stellenweise
eindrucksvoll untermalten, die Lightshow war ja schon immer
eindrucksvoll, lediglich die Spielzeit könnte bei Samael immer
länger sein.



Dass das alles schwer zu toppen ist, versteht sich von selbst, gerade,
da Samael einige Probleme mit ihrer Plattenfirma hatten und sich so nicht
gut auf das Schreiben von neuem Material konzentrieren konnte.

Das scheint aber nun bereinigt zu sein, Xy arbeitet an einer neuen
Soloscheibe und ein neues Samael Album erscheint hoffentlich noch Ende
dieses Jahres.

Eine einzigartige Band, die uns hoffentlich noch viele positive
Überraschungen beschert!

stativision (Tobias Goris)


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  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!