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kind im magen? & stake out - berlin, acud, am 29.10.2005


Sexy Rock Revue Show erwartete also. Hmja - man wusste nicht, was darunter vorzustellen war, ehe man es nicht selbst gesehen hatte. Und zum alternativ-abgewrackten Kulturzentrum Acud passt Musik wie die von Kind im Magen? sowieso ganz gut. Energiereicher Deutschpunkrock im korrekten Ambiente. Leider schienen noch nicht mal 30 Leute ähnlich zu denken - oder die starke Konkurrenz an dem Abend war zu groß, denn nicht nur Lotto King Karl und die bolschewistische Kurkapelle Schwarz Rot gastierten an dem Abend in Berlin, sondern auch New Model Army.

Als Vorband war eigentlich Parsimmon geplant, die konnten aber offensichtlich nicht und spielten aber dafür am Tag danach mit Kind im Magen? im Jugendhaus Audio in Köpenick. Merkwürdiges Booking aber auch.
Als Ersatz kamen Stake Out als Vorband auf die Bühne, die sich in Berlin schon einen kleinen Namen in der Pop/Punk-Szene erspielen konnten. Gleich zu Beginn verblüffte der auf der Internetpräsenz der Band als Gröler gelistete Daniel Ludewig mit einem in den besten Momenten an Tiger Armys Nick 13 erinnernden Gesang im melodisch punkigen Opener (der wahrscheinlich sogar ein nicht erkanntes Cover darstellte). Danach konnte leider kein Song mehr so ganz daran heranreichen, aber besonders die Ska-lastigen Songs sorgten im Publikum trotz der wenigen Anwesenden (anscheinend war der Stake Out eigene Fanclub vor der Bühne) für ausgelassene Stimmung und das Set war bis auf ein paar Verspieler solide und mit ordentlichen Pop/Punk-Songs zwischen den Ärzten, NoFX und den Mad Caddies angereichert. An erste gemahnte auch der nicht immer geistreiche, aber unterhaltsame Witz in den Ansagen zwischen den Songs. Ebenfalls Ärzte-ähnlich natürlich die deutschen Texte, die mal mehr, mal weniger politisch oder gleich ganz nihilistisch waren. Ein paar bekannte Coversongs gab's auch noch, wobei die Hives dank eines Spielfehlers nur zu einem Viertel gewürdigt wurden. Von den Eels gab es den Hit "Souljacker" in gitarrenrifforientierterem Gewand. Nett. Zugaben gab es auch ("Wir spielen unser Set, egal ob ihr wollt oder nicht") und mit "die goldene Fontäne" eine leckere Pipi-Ballade. Das hier (im Grunde nur die Seite der Band) anklicken lohnt sich in diesem Zusammenhang auch wegen Witzigkeit.

Nach recht langer Umbaupause kamen Kind im Magen? auf die mit drehendem Rotlicht geschmückte Bühne - dummerweise war's das schon mit "Sexy Revue Show". Es gab kaum nackte Haut, es gab keine hüftschwingenden Jungs oder Mädels und es gab weder Glitzer noch Glimmer. Aber es wurde immerhin gerockt: Die Posen haben sie sich offenbar von den Backyard Babies und Verwandten abgeguckt (die sie ihrerseits natürlich auch schon beim 80er Glamrock abgeguckt haben), aber das altbekannte Gitarre hochhalten wirkt immer noch verdammt cool. Und die Riffs wurden mit genügend Hingabe gespielt, dass es bei Kind im Magen? nicht peinlich wirken konnte. Peinlich allerdings waren die mehr verlegen als verwegen wirkenden Ansagen zwischen den Songs, wobei sich die Pausen dummerweise noch verlängerten, weil Drummer Benny von Schaumschlag zwischen den ersten drei Songs offenbar sein Schlagzeug noch ergänzen musste. Jedenfalls war weder die Berlin-Lobhudelei, noch das Rumreiten auf der eigenen Rockattitüde sonderlich unterhaltsam, vielmehr auf Dauer penetrierend. Nach den ersten drei Songs passte dann aber pünktlich zu "Stadt der Winde" alles und da schon "Then you're right" und "Zurück nach SoHo City" einigermaßen einheizen konnten, war das Gelaber bald vergessen und die neue Single blies standesgemäß ganz gut durch die Gegend. Der Sound war für eine kleine Punkband erstaunlich fett und drückend, nur das Publikum wusste nicht so recht mitzugehen. In Berlin sind Kind im Magen? - ganz aus dem Süden - wohl doch noch eher Unbekannte, trotz des hier gegründeten Fanclubs.
Die Setlist bestand aus einem ordentlichen Querschnitt durch das Kind im Magen?-Repertoire, etwas böse war ich nur, weil mit "Anruf" einer der besten Songs von "Die kinder von Bahnhof SoHo" fehlte. Dafür gab es einige ganz neue Songs vom kommenden Album, die die einmal eingeschlagene Linie (sprich fetten deutschen Punkrock mit Melodie und Seele) weiter verfolgten.
In die Mitte der Show schlichen sich ein paar ruhigere Songs wie "Cindy & Jane", "Regen", "Ein Schritt zuviel" und "Geben & Nehmen" ein, die so geballt platziert wurden, dass die Spannungskurve - ungeachtet der Livetauglichkeit der Songs - etwas abfiel, bevor sie mit "She's got balls" und den als Zugabe gegebenen "Auf wiedersehen Liebling" und "Alles oder nichts" wieder nach oben getrieben wurde. Ein musikalisch gelungener Auftritt mit ein paar nervenden Ansagen, gutem Sound, schwachem Publikum und nicht ganz erfüllten Erwartungen. Das war jedenfalls weder sexy, noch revue - ein wenig Etikettenschwindel kann man Kind im Magen? sicher vorwerfen. Böse sein kann man ihnen aber angesichts der geballten Ladung rübergebrachter PunkRock-Energie und der großen Anzahl an Hits (und das trotz des geringen Alters der Band) sicher nicht. www.kindimmagen.de

Fotos vom Konzert gibt es hier.

stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!