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valborg - songs for a year


Erscheinungsjahr: 2005
Tracks: 13
Spielzeit: 77:23
Genre: metal
Subgenre: dark psycho metal
valborg-cover.jpg
Bewertung: 5.5/10

rating

Valborg haben sich nach einem der hiesigen Walpurgisnacht nicht unähnlichen Volksfest in Finnland und Schweden benannt. Das einzige, was aber das Bandkonzept mit dem Valborgfest verbindet ist das Archaische, Naturverbundene. Das Bonner Trio entwickelt aus nordischem Blackmetal und psychotisch-hypnotisierendem progressiven Noisemetal wie Isis oder Neurosis eine ganz eigene Ästhetik, die auf eine ausgewogene Mischung aus Agressivität, Melancholie und Finsternis beruht. Ein Strudel, der mit aller Macht anzieht und gleichzeitig abstoßend ist. Ein Musik gewordenes Paradoxon, vermittelt durch manisches Schlagzeugspiel, hypnotisierende Gitarrenriffs und entweder hysterisch gebrülltem oder mit stoischer Ruhe vorgetragenem klaren Gesang, der an Viking Black Metal erinnert.

13 Songs haben Valborg innerhalb eines Jahres aufgenommen und der komplette Zyklus ist hier vertreten. "Songs for a year" ist insofern weniger ein in sich geschlossenes Album (obwohl alle Kompositionen zueinander passen), sondern eine lose Ansammlung von gesammelten Werken. Unglücklicherweise merkt man das besonders am zerrissenen Klangbild. Während "Cornelius", "Salamander" und "Verhalten ist Choreographie" in Studios aufgenommen wurden, sind die restlichen Stücke Rehearsal-Aufnahmen und klingen zumindest teilweise dementsprechend bescheiden. Das äußert sich in Rauschen oder im schlimmsten Fall in dumpfen Drums ("Latit", "Ufer") und auch wenn "Druide" plötzlich merklich lauter ist, als die übrigen Songs macht sich Stirnrunzeln breit.

Die Qualität der Stücke schwankt hingegen nicht ganz so bedeutend. Zwar sind viele Exemplare vertreten, die eine Überarbeitung bedürften (besonders einige holprige Übergänge passen gar nicht gut zum Konzept) und den neunminütigen "Salamander" und "Ufer" hätte eine Schere gut getan, wobei die Atmosphäre nicht gelitten hätte. Alles in allem jedoch bewegen sich die 13 vertretenen Tracks in einem ordentlichen Rahmen.
Von seiner Überlänge abgesehen ist "Salamander" sicherlich der beste Song des Albums. Valborg nutzen hier geschickt einen industrialartigen Basseffekt und leicht melodische Gitarrenriffs, die eine Form von Weite vermitteln - ebenso wie der nicht ganz so gelungene (weil undynamische und ausdrucksschwache) Gesang. Abwechslung bietet ein psychotisch-hysterischer Part, der durch die melancholische Gitarrenarbeit aber stets Bezug zum Gesamtstück zeigt.

Diese Art von Gegenüberstellungen nutzen Valborg immer wieder, was das Album durch die schiere Länge nicht unbedingt interessanter macht. Langsame, melancholische Stimmung wechselt mit kranker Raserei ab, wobei zum Glück nicht die gängigen (Melodic) Black Metal Muster kopiert werden. Eine Ausnahme dieser janusköpfigen Songstrukturen ist das widerspenstige "Vurm bleibt Vurm", das eine durchgehend morbide Death/Black Metal-Atmosphäre bietet, die nur durch einen brachial-doomenden Part (nicht weniger böse) unterbrochen wird. Auch dieser doomige Black Metal wird immer wieder aufgegriffen, besonders interessant dabei die SloMo-Riffe über Blast Beat in "Latit".
Die Überraschungen sind mehr im Detail zu suchen, wie die eigenartigen Synthfanfaren im mächtigen "Krill", der plötzliche Desert Rock-Teil in "Ufer" oder das verstörende Ende vom rasselnden Black Metal-Song "Valpurgis".

Gegen Ende offenbaren Valborg in "Castle" noch ein besinnliches Stück, das fast ausschließlich vom hier gelungeneren klaren Gesang (der hier so klingt, als wäre Steve von Till von Neurosis in eine Viking Metal Band eingestiegen) und dem ungewöhnlich eingesetzten Keyboard und Windgeräuschen lebt, bevor eine bedächtig gezupfte Akustikgitarre einsteigt. Der homogenste Song der CD.

Das jüngste Stück auf der chronologisch geordneten CD schließt diese ab. "Verhalten ist Choreographie" könnte auch ein geradlinigeres Stück von einer deutschsprachigen progressiven Black Metal Combo (Dornenreich kommt mir in den Sinn) stammen. Und offenbart die gleiche Schwäche: Sobald man Satzfetzen wie das gekreischte "Kotze und Gift" versteht, weicht die Atmosphäre einer unfreiwilligen Komik und Fremdscham. Schade für den eigentlich gelungenen Abschluss.

"Songs for a year" bleibt eine zwiespältige CD. Ein Editor hätte hier wahrscheinlich die Hälfte der Spielzeit weg gekürzt und anschließend das Gesamtbild angeglichen - herausgekommen wäre eine fantastische, eigenständige und atmosphärisch düstere CD, die den Ideenreichtum und die Klangmalerei von Valborg gut in Szene gesetzt hätte. So bleibt ein Sammelsurium an Kuriosem, Gelungenem und weniger Gelungenem. Essentielles steht neben Ausschuss (besonders klanglich) und das Auge schweift über eine (nicht nur absichtlich) zerrissene Landschaft. Was für die Zukunft hoffen lässt: Potential ist genügend vorhanden, was sich auch in den bereits auf der Internetpräsenz der Band als .mp3 kostenlos erhältlichten neuen Songs (neben diesen gibt es dort auch noch sieben der "songs for a year" für lau) zeigt.

www.valborg.de


Ähnlich:
Island, Carpathian Forest, Ved Buens Ende, Neurosis, Isis, The Ocean, Thorns, Emperor, Cult of Luna

12.09.2005
stativision (Tobias Goris)


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  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!