swimming with god - reptoids, gods and mean machinesErscheinungsjahr: 2010 Tracks: 7 Spielzeit: 29:15 Genre: alternative Subgenre: progreisse/alternative pop | ![]() |
| Bewertung: 6/10 |
Das erste an was man sich bei "reptoids, gods and mean machines" gewöhnen muss ist eine Weltverbesserungsattitüde, die einem zumindest beim Öffnen des Promopäckchens direkt in Form eines Flyers von "Musik für Menschenrechte" entgegen fällt. Auch im mehr schlecht als recht gestalteten Artwork der CD wird die Organisation dick erwähnt. Wem schon das Gutmenschentum eines Bonos von U2 auf die Nüsse geht, wird mit Swimming with god nie warm werden.
Auf seinem ebenfalls in Eigenregie veröffentlichten Erstling "Mea minima culpa" gab es noch eine wilde Mischung aus Musikstilen von hartem Rock und Prog bis hin zu Pop, Jazz und wenig Funk. Das ist auf "reptoids, gods and mean machines" passé. Ebenso wie die Tatsache, dass swimming with god ein Ein-Mann-Projekt war: Auf der neuen CD musiziert Björn Göran Detjen mit einer sechsköpfigen Band im Hintergrund. Das tut dem neuen Material hörbar gut. Erstaunlich gereift präsentiert sich Swimming with god, um dem Hörer hier eine Art Progressive Pop mit etwas verstecktem Jazz und Funk zu präsentieren. Gewöhnen muss man sich an Björns Gesang, der sich besonders am Anfang ein wenig froschig-kehlig präsentiert, was stellenweise gezwungen klingt. Das tritt nach mehrmaligem Hören in den Hintergrund, wobei die sorgfältig komponierte Musik nach vorne rückt. Experiment und Eingängigkeit werden gut verbunden, allerdings hat man stellenweise doch das Gefühl, dass Swimming with god lediglich eine Provinzversion seiner drei prägendsten Vorbilder, Frank Zappa, Tom Waits und Gil Scott-Heron darstellt. So ist Swimming with god in den ungewöhnlichsten Momenten der CD am schönsten. So im kurzen "Interlude", dessen kontemplative Art mit Mönchschören nicht unähnlichem Gesang gänzlich aus dem umgebenden Material herausfällt. Auch eindringlich, wenngleich etwas in seiner Formelhaftigkeit gefangen, ist das hauptsächlich von Bass und Schlagzeug getragene "Eye on china" in dem in emotionslosem Sprechgesang gängige Foltermethoden in China aufgezählt werden und so textlich am wirkungsvollsten bleibt, während der Rest der Songs lyrisch auch mal die typischen Phrasen über die schlimme Welt durchkaut ("no soul", der Titeltrack).
"Interlude" und "Eye on china" bleiben die einzigen Songs, die aus dem Rahmen fallen. Die anderen fünf Stücke sind ein Stückchen zu zahm um mitreißen zu können, der Titeltrack ist mit seinen an Chumbawamba-Balladen erinnernden Trötensounds und Backing Vocals noch am dichtesten dran, genau wie das abschließende, diesmal an Fiath No More-Balladen erinnernde "Back home" auch sehr ordentlich da steht. "no soul" repräsentiert mehr die funkige, soulige Seite von Björn Göran Detjen, was aber hier zu aufgesetzt klingt, was durchaus zum Text passt, aber davon abgesehen kein Kompliment sein kann. Dennoch ist "reptoids, gods and mean machines" ein fast schon erstaunlich gut gemachtes Album, das erfolgreich zeigt, dass Swimming with god, vielleicht mit ein wenig mehr Experimentierfreude und Schmiss, mehr als nur ein kleines Ein-Mann-Projekt sind. Horrend angesichts des amateurhaften Artworks und der kurzen Spielzeit allerdings der Preis der CD von 12,50 Euro zuzüglich Versand im Shop von swimming with god. Ich empfinde das nahezu als Frechheit wenn ich sehe, dass andere kleine Bands ihre Alben mit durchaus professionellerer Aufmachung (und genauso viel musikalischer Arbeit dahinter) für die Hälfte verkaufen - selbst wenn da noch Spenden (worüber auf der Internetseite nicht informiert wird) abgehen sollten.
Frank Zappa, Faith No More, Gil Scott-Heron, Tom waits, Chumbawamba, Jane´s Addiction...
Mai. 2010
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Letzte Kommentare
- kasse4: pflichte bei - sehr, sehr schönes Album und dass Elephant nach Pearl Jam klingt: Na und :) Es gibt schlimmeres, zum Beispiel nach Staind klingen :)
- toastn: Immer noch eines meiner liebsten Alben. Sehr viele Sounds und Ideen verarbeitet. Nicht zuletzt Erinnerungen an die Heimat und die Neunziger in HB. Big up Saprize. Danke für die schöne Zeit...
- lwith: einfach nur kult ein album für die ewigkeit
- Jens Schröder: Die schlechteste Kritik über die Lebenstrip-CD, die ich je gelesen habe. Dem Rezensenten fehlt jegliches Gespür für Musik. Das ist pseudo-elitärer Dünnschiss!!
- Torn Fan: Die Musik ist gut... nicht nur gut sie ist richtig geil! Diese Kurzkritik hat nichts mit Musikverstand sondern eher mit Geschmack zu tun.

