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pavor - furioso


Erscheinungsjahr: 2003
Tracks: 8
Spielzeit: 51:59
Genre: Metal
Subgenre: Death Metal
pavor.jpg
Bewertung: 8/10

rating

Pavor sind sich ihrer Selbst bewusst. Quasi das Gegenteil von Bands wie Tocotronic (oder sind das gar alle Death Metal Bands?). Eine Band, für die Kunst offenbar von Können stammt.
Wahrscheinlich hat der Vierer aus dem Bonner Raum im Laufe ihrer etwa 15-jährigen Bestehensgeschichte und besonders in den 10 Jahren nach dem Debüt "a pale debilitating autumn" so viel Selbstbewusstsein angesammelt, dass es nicht mehr in die Köpfe der Musiker passte. Es musste hinaus - und "Furioso" ist das lange gereifte Produkt. Leider ist es nicht dabei geblieben. Auf jegliches charmante Understatement wurde gepfiffen und ein unsäglicher Spruch ins Booklet gedruckt, der jedem Verstand (solange des logischen und moralischen Denkens mächtig) zuwider laufen dürfte. Quasi wird dort, ganz ohne Augenzwinkern, sämtlichen - wenn nicht gar allen - Bands, weiterer Aufenthalt im Proberaum empfohlen. Interpretationsspielraum bleibt da wenig.
Aber so ganz unbegründet ist der Ausrutscher (hoffentlich war's nur das) der musikalischen Oberlehrer nicht. Bis auf das wirklich dilettantische Artwork und so manchen Texten wird diese CD in der Tat höchsten Qualitätsansprüchen gerecht. Songwriterisch und instrumental ist "Furioso", um es kurz zu fassen, Death Metal mit Niveau auf Gipfelhöhe. The next level sozusagen.
Alleine der Tatsache, die CD mit dem 10-minütigen "Inflictor of Grimness" zu eröffnen, gebührt Respekt. Bereits hier wird klar, was die Band auszeichnet. Extrem komplexe Songstrukturen bilden eine große Spielwiese für die sich darin austobenden, mitunter unglaublichen Tonfolgen der Instrumente. Insbesondere das Bassspiel Rainer Landfermanns sprengt alle Grenzen und dürfte selbst Musiker wie Tony Choy oder Les Claypool inspirieren.
Dabei bleibt die Musik aber stets am oberen Härtelevel. Frühneunziger Techno Death Metal Helden wie Cynic und Atheist werden zumindest in diesem Bereich geflissentlich ignoriert: Ruhigere Passagen oder andere Reminiszenzen an Musikstile abseits des Death Metals bleiben auf die Rhythmussektion begrenzt und Puristen werden insbesondere die Abstinenz von jeglichen Keyboardparts begrüßen. Hier wird also eher die Tradition von Bands wie Cryptopsy oder Vader fortgeführt. Freilich auf höherem technischem Niveau.
Immer noch bin ich erstaunt, was mit der Minimalbesetzung Gitarre (die zweite wurde nach dem Debüt entlassen), Bass, Drums und Gesang in einem eigentlich relativ limitierten Genre wie dem Death Metal alles angestellt werden kann. Die vorhandenen Möglichkeiten - Tempowechsel, Breaks, Soli, vertrackte Takte und versteckte Melodien - werden voll ausgeschöpft.
Insbesondere die Melodien werden derart subtil in die Songs verwoben, dass man auch nach dem 20ten Hördurchlauf immer wieder neues entdeckt. Neben Highspeedknüppeleien wie "Perplexer: Perdition Projectile" (auch sonst wird in den Titeln und Texten viel mit Alliterationen und sonstigen Wortspielereien jongliert) wird auch groovigeren Parts wie in "Crucified Hopes" eine Daseinsberechtigung gewährt und auch langsamen Brechern ist man, wie in "Inconsistent ClayBlood Totemist" abgeneigt. Wäre es nicht so abwegig, würde man bei vorletzterem fast an Bolt Thrower denken. Und stets grunzt Sänger Claudius Schwartz verschleimt unverständlich und meist in tieferen Tonlagen, aber stets mit dem nötigen Aggressionslevel vor sich her. Keine wirklich herausragende Leistung, aber wenigstens ist man hier sicher, die Galle ohne krebserregende technische Nachbearbeitung auf den Teller zu bekommen.
Verpackt in eine moderne Produktion, die jedem Instrument den benötigten Raum lässt, ohne diesen jedoch überkandidelten Bombast aufdrücken zu wollen, ist bei "Furioso" auf der technischen Seite wirklich alles im grünen Bereich - und darüber hinaus.

Bei all dem technischen Schnickschnack sind Pavor aber dankenswerterweise bemüht, die Instrumentenwichserei (oh, pardon!) songdienlich einzubauen. Nicht immer gelingt das freilich perfekt, aber im Vergleich zu anderen Frickelbands steht man am Ende der etwa 50 Minuten in einem besseren Licht da. Bis auf ein paar Ausfälle, in denen besonders der Bass etwas zu selbstverliebt nebenher spielt, sind Einzelausflüge, die höchstens Musikern etwas bringen, untersagt. Was dazu führt, dass selbst die meisten normalsterblichen Death Metal Hörer Zugang zu "Furioso" (arroganter Titel? Vielleicht... aber gerechtfertigt) finden. Auch, wenn es etwas länger dauern sollte. Die 10 Euro ist die CD trotz eher unansehnlichem Artwork auf jeden Fall wert. Und aller Wahrscheinlichkeit nach ist ein Weg zur Plattenfirma (die ja bekanntlich alles Gute abseits des Mainstreams ignorieren) - leider - noch lang...
Wer Interesse hat: www.pavor.de


Ähnlich:
Cryptopsy, Vader, Atheist, Pestilence, Cynic, Necrophagist, Death, Bolt Thrower

13.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!