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ion javelin - time for change


Erscheinungsjahr: 2011
Tracks: 10
Spielzeit: 55:35
Genre: pop
Subgenre: electro/synthie pop
IonJavelin-TimeForChange20111.jpg
Bewertung: 6.5/10

rating

Ion Javelin soll in den 80ern Kopf und Sänger von Moskwa TV gewesen sein. Vermutlich bin ich nicht der Einzige, dem das Nichts sagt, aber offenbar war die Band in Untergrundkreisen nicht wenig einflussreich auf die deutsche Electroszene. Jedenfalls klang Moskwa TV, um mal einen bekannten Vergleich zu machen, natürlich hie und da nach Depeche Mode. Ion Javelin solo wiederum bewegt sich ebenfalls im Rahmen von elektronische Popmusik, ist aber nicht so düster und eckig wie seine alte Band. Songs wie "The Ability to Change" könnten aber sicherlich mit anderer Produktion auch von Moskwa TV stammen, obwohl die elektronische Arrangments vielschichtiger und auch mit analogen Elementen angereichert sind. Später gibt es dann mit "Generator X.O.7/8" tatsächlich noch eine neue Version eines Moskwa TV-Klassikers.
Alles in allem ist "Time for change" ist recht textlastig gehalten, was damit zu erklären ist, dass Ion Javelin eine Botschaft hat - nicht umsonst ist seine Mitgliedschaft in Greenpeace und bei den Johannitern im Booklet abgedruckt. Die Themen sind weitreichend und schwanken zwischen persönlichem, gesellschaftlichen Phänomenen und Sozialkritik. In "take a chance" kommt religiöser Fanatismus zur Sprache, und "lose myself" sowie "paranoia" beschäftigen sich auf ihre Weise mit dem titelgebenden Thema von letzterem Song - Verfolgungswahn. Am schönsten sind jedoch die Momente, wo Ion Javelin weniger greifbaren Gedanken nachhängt: "there is somethin" und Walking through the rain" oder "a place in the city", die /(Gedanken-)Ausschnitte aus vielleicht gelebten Leben sind, dem Moment nachhängend, den Kulturschock verarbeitend und sogar lose miteinander verbunden: Sehnsucht, verpasste Chancen, der Genuss des Moments, aber unterschwellig, nie anprangernd, stets die Gefahr von Hedonismus, Lethargie et cetera mit sich tragend.
Musikalisch ist Ion Javelin natürlich Einbahnstraße. Alles auskostend, aber stets in logischen Gefilden wuchernd. Es ist Pop mit überwiegend elektronischen Mitteln und auch wenn es mal komplexer wird, bringt das Strophe/Refrain-Schema Ordnung. Das ist nicht ohne Langeweile, insbesondere wenn man kein Electropop-Afficiando ist. Auf Dauer hilft dann auch nicht die charismatische Stimme des Sängers, dessen Gesangslinien sich irgendwann auch zu sehr wiederholen. Interessanterweise bringt der Moskwa TV-Klassiker "Generator X.O.7/8", deutlich verändert, mit am meisten Treibstoff für die zweite Hälfte des Albums mit. Vielleicht weil es der treibendste Track des Albums ist, vielleicht weil Ion Javelins Stimme verzerrt ist. Als schönen Abschluss gibt es das jazzige, ausufernde, hypnotische "a place in the city", für mich neben der Moskwa TV und dem melodischen "Walking through the rain" (mit weiblichem Gastgesang) die beste Nummer des Albums.
Im Booklet steht, fast entschuldigend, dass dies ein weniger kohäsives, denn offenes Album sei. Es klingt nicht so, sondern, im Gegenteil, überraschend aus einem Guss. Was "time for change" nicht immer zum Vorteil gereicht, so manches schwimmt ohne bleibenden Eindruck vorüber, aber alles in allem und dafür, dass ich nicht gerade ein potentieller Fan bin, ist das eine überraschend starke Rückmeldung eines Szene-Vorreiters. Willkommen zurück.


Ähnlich:
Moskwa TV, Chandeen, in strict confidence, duran duran, Depeche Mode, DAF, IAMX, De/Vision, etc.

02.03.2014
stativision (T. Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!