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zwan - mary star of the sea


Erscheinungsjahr: 2003
Label: warner
Tracks: 14
Spielzeit: 65:52
Genre: alternative
Subgenre: alternative rock
zwan.jpg
Bewertung: 8/10

rating

Sommer. Ein Phänomen. Sonne. Die Hormone spielen verrückt, man fühlt sich wohl. Lässt die Sau raus. Umarmt fremde Menschen, fühlt sich richtig knorke dabei. Im Sommer ist alles. Doch was wäre der Sommer ohne den passenden Soundtrack?

"Mary Star Of The Sea" ist eine typische Sommerplatte. Und wahrscheinlich gerade so typisch, weil sie relativ untypisch ist. Das ist nämlich für mich das typische an typischen Sommerplatten: Sie müssen untypisch sein. Was ist bei Sommerplatten untypisch? Unter anderem diese grenzenlose Melancholie, die sich in das unbeschwerte Sommerleben mischt - ohne, dass man sie wirklich wahr nimmt. Sie versteckt sich ganz geschickt und dann - wumm - schlägt sie. Völlig unvermittelt. Achterbahn.

"Lyric" ist so ein typischer Jauchzsong mit einem Refrain, der einen sowas von sommerlich zappelig macht, dass man kaum stillhalten kann. Hüpf, Hüpf, Hüpf. Keine Gedanken an irgendwas. Nur Sonne, nur gut. Nur schön. Nur hier und gar nicht da. Einfach irgendwo. Das ist der Sommer. Genauso wie "Honestly". Wie auch "Lyric" als Single ausgekoppelt. Zurecht. Eigentlich relativ zahm und doch so nah am Geschehen. Hat man sofort im Kopf, geht auch nicht mehr raus. Wirklich. Selbst wenn die Scheibe irgendwo überwintert hat. Ein leichtes "Honestly" liegt einem immer wieder auf den Lippen.

Dann kommt sie, die Melancholie. Allerdings erstmal etwas zu offenkundig: "Of A Broken Heart" spielt zu offensichtlich mit dem gescheiterten Liebe. Deshalb: Etwas öde. Man nimmt dem Song auf keinem Fall ab, dass er gerade an einem gebrochenen Herzen gestorben ist. Das Herz ist höchstens geprellt. Sowieso: Mit einem wirklich gebrochenen Herzen wäre man nicht fähig Songs zu schreiben. Unter der Erde vielleicht. Gips?

Die richtige Melancholie überrascht einen erst in "Ride A Black Swan". Das ist sie. Die, die Sommerplatten so untypisch macht. Und doch zu einer anständigen Sommerplatte gehört. Man möchte sich winden, wegsperren und doch sein Schicksal ertragen. Scheiß drauf. Mir geht's dreckig, aber der Sommer wird das schon erledigen. Und doch weiß man: Nichts wird gut. Tragisch, aber verkraftbar. "Endless Summer" macht seinem Namen jedenfalls keine Ehre. Höchstens gegen Ende, aber das macht nix.

Der Abschuss ist jedoch "Jesus, I / Mary Star Of The Sea". Ein 14-Minütiger Koloss, den man a) nicht in dieser Form erwarten konnte und der b) alle Erwartungen, die man nicht hatte, übertrifft. Das ist schwer. Aber bei solch einem Songmolch letztlich kein Problem. Von der ersten Minuten an kribbelt es überall. Die Steigerung. Das, was noch kommen mag. Und diese Stimme. Diese Stimme. Schnoddrig-cool-schön. Der Noise-Anteil wird in die Höhe geschraubt. Mächtig Fuzz. Und irgendwann kommt es wie es kommen muss: Spacefuzz. Das einzige Wort, dass so richtig passen mag. Diese typischen, psychedelischen, orientierungslosen Soloeskapaden, die eine Reise durch die gesamte moderne Musikgeschichte darstellt. Angefangen irgendwo in den Zwanzigern, rüber zu den Fünfzigern, rein in die Siebziger. Die Neunziger hat man schon am Anfang abgehakt. Die Siebziger sind sowieso der wahre Zwan. Irgendwie. Aber irgendwie auch überhaupt nicht. "Mary Star Of The Sea" ist eben eine Sommerplatte. Was erwartet ihr?

Man könnte jetzt sagen: Die CD lohnt sich wegen der tollen Bonus-DVD oder wegen den tollen Aufklebern oder wegen dem Namedropping oder wegen der Musik allgemein oder wegen der Vergangenheit der Bandmitglieder oder wegen irgendwas. Ich sage: Die CD lohnt sich allein wegen diesem einem Track, "Jesus, I / Mary Star Of The Sea". Und wenn die CD nur 14-Minuten lang wäre: Scheiß drauf. Das ist es.

Da macht es nichts, dass der eine oder andere Song nicht unbedingt ganz so toll geworden ist. Bei 14 Songs ist es auch schwer das Niveau über die ganze Distanz zu halten. Macht aber nix. Wozu gibt es die Skip-Taste? Oft muss man die sowieso nicht einsetzen.

Was man noch über Zwan wissen sollte: Dahinter stecken bekannte Köpfe. Billy Corgan und Jimmy Chamberlin von den toten Smashing Pumpkins. Paz Lenchantin (ex-A Perfect Circle) zupfte den Bass. Die beiden anderen Mitglieder David Pajo und Matt Sweeney sind zu vernachlässigen. Interessant ist lediglich, dass Zwan mit drei Gitarristen gearbeitet haben.

Doch der Sommer tat Zwan anscheinend nicht so gut, denn noch im selben Jahr in dem das Debüt "Mary Star Of The Sea" veröffentlicht wurde, strich die Band auch schon wieder die Segel. Tja. Schade eigentlich. Vielleicht wäre das etwas Tolles über die Jahre gewachsen. Aber das werden wir nie erfahren. Komisch, denn Corgan war der alleinige Songwriter und hätte die Band locker mit anderen Leuten fortführen können. Wer kann schon in Gehirne schauen? Du?

Mal schauen, was Billy Corgan in Zukunft für uns bereit hält.


Ähnlich:
Smashing Pumpkins, Motorpsycho, Favez, A perfect circle, Foo Fighters, Mercury Rev

07.03.2005
hlmr


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!