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zeromancer - clone your lover


Erscheinungsjahr: 2000
Label: eastwest
Tracks: 10
Spielzeit: 37:28
Genre: Metal
Subgenre: Industrial Metal
zeromancer.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Sex, drugs & technology.
Genauso wie in der Überschrift hieß es im Intro der (übrigens klasse gestalteten) Website der 5 schwarzgekleideten Herren aus Norwegen.
Also die Verbindung von Sterilität, Sinnlichkeit und Beeinflussung, die die formerly known artists as Seigmen mit ihrer Musik und ihren Auftritten verfolgen.

Dieses Album also ist das Erste nach dem traurigen Split von Seigmen im Jahre 1999, sozusagen Ende Neu, allerdings bleiben die Ähnlichkeiten mit dem Sound der vorherigen Band auf den Einsatz ähnlicher Stilmittel und den hervorragenden klaren und melancholischen Gesang Alex Moklebusts beschränkt.
Aufgenommen wurde dieses Quasi-Debut 1999, verstreut über den ganzen Erdball (Norwegen, London, Amerika, Hamburg und Belgien) insofern kann man guten Gewissens von einem kosmopolitischen Album sprechen.

Ursprünglich wollte die Band zusammen mit Sylvia Massy produzieren, mit der die Band auch als Seigmen zusammengearbeitet hat und die manchen Lesern als Producer der Tool-Alben bekannt sein sollte. Die fand jedoch kurzfristig keine Zeit und empfahl James Saez. Mit ihm also verbrachte die Band die meiste Zeit des Jahres damit, in diversen Studios zu hocken und Songs aufzunehmen, was sich aber lohnen sollte, denn Anfang des Jahres 2000 erschien "Clone Your Lover" auf dem Major eastwest.

Hierzulande stand das Album dann auch wenig später in den Läden, im schicken Digipack und mit leider etwas knappen 40 Minuten Spielzeit, verteilt auf die 10 selbstgeschriebenen Songs.
Das Design ist Genretypisch futuristisch, aber düster. Erstmals posiert auch die Band - komplett schwarzgekleidet - für das Cover, die Zielgruppenabgrenzung erfolgte also schon durch die Präsentation.

Die Fans von Seigmen werden hier sowieso blind zugreifen, sollten sich allerdings wie anfangs erwähnt als langjährige Fans der melancholischen Gothic-Rocker auf anderen Sound und andere Songs einstellen.
Zeromancer gehen nicht ganz so episch vor wie ehedem Seigmen, die Stücke sind wesentlich greifbarer, waren sie zuvor eher schwebend, so packen sie dich jetzt (oder auch nicht) und laden zum Tanzen ein. Eher urban denn metaphyisch.

Das fängt schon beim Opener und gleichzeitig Titeltrack an. "Clone your lover" fängt kraftvoll direkt mit dem Refrain an, harte Gitarren und ein technoider Rhytmus weisen den Weg für Alex´ kraftvollen Gesang, der den Lover-Klon propagiert. Eine Satire auf den heutigen Umgang mit Liebe und der Verbindung mit neuen Technologien; dass alles immer kurzlebiger wird und bei Bedarf eben ein (Wunsch-)Partner geklont wird.
Musikalisch springt die Band zwischen dem hart instrumentierten Refrain und der mit melodischen Synthesizern und melancholischerem Gesang ausgestatteten Strophe hin und her, ein schöner dynamischer Song, dessen lyrisches Konzept man in den meisten Liedern wieder findet, was einen textlichen Schwachpunkt des Albums offenbart: Die Texte sind zu eindimensional.

In "Flirt (with me)" ist ein anzügliches Duett von Moklebust mit Free Dominguez in den Refrain eingebunden, dass den Titel gleichzeitig auf die Musik überträgt. Unterkühlte Erotik. Durch die Samples und Beats entsteht gleichzeitig eine bedrückende Atmosphäre, so dass man hin und her gerissen ist. Musikalisch alles schön ausgearbeitet! Textlich befasst man sich kritisch mit dem Thema lieblos schauende Augen und eindimensionales Denken beim Flirt an sich.

"Something for the pain" ist insofern erwähnenswert, als dass es am ehesten noch an diverse Songs des letzten Seigmen-Albums erinnert, mit seinem pathetischen und mitreißenden Chorus und eher in den Hintergrund gemischten Gitarren. Einer meiner persönlichen Favoriten. Hier verschwindet der Schmerz von ganz allein!

Ein weiteres Highlight ist "God bless the models", nach den beiden eher gewöhnlichen und faden "split seconds" und "fade to black" wieder ein astreiner Hit. Erinnert mich ein wenig die synthetische anzügliche Atmosphäre mancher Depeche Mode-Tracks. Grandios programmiert und produziert. Mit dem schönen Schlusssatz "God bless the Slave to fashion" auch textlich halbwegs interessant gestaltet.

Bei "Opelwerk" fragt sich jeder Deutsche, was es mit dem Titel auf sich hat. Laut Moklebust fand die Band nur den Klang des Wortes schön... Auch hier das bewährte Rezept "nur Songdienliche Spielereien", die Gesangsmelodie bleibt sofort im Kopf hängen, nur leider nicht so lange, wie man das vielleicht gerne hätte.

Bis zum letzten Song hat man sich also durch 9 mittelprächtige bis annehmbare "Industrialrock mit Melodie und melancholischem Gesang"-Songs getanzt. Die Belohnung erfolgt in der abschließenden grandiosen, ebenfalls ein wenig an Seigmen erinnernden Ballade "Houses of Cards". Zu pluckernden, langsamen Grooves und schwebenden Keyboard-Teppichen wird abermals die sexy Stimme von Dominguez strapaziert, später dann fühlt man sich völlig in die Seigmenwelt zurückversetzt: Die Synthesizer klingen zum ersten Mal wieder nach "Radiowaves" fast klassisch und Alex´ Gesang bietet fast wieder so schön langgezogene Vokale wie anno 1998. Schwelgen in höheren Sphären, die dann allerdings nach bescheidenen knappen 5 Minuten wie im Text "like Houses of Cards" zusammenbrechen. Alles nur Schein in dieser virtuellen Welt?


Alles in allem ein gutes organisches Industrial Metal-Album, was in dieser Qualität hinter Nine Inch Nails und Stabbing Westward leider nicht allzu oft antrifft, bei sämtlichen Konkurrenten wird vor lauter Härte oft der Song vergessen.
Nicht so versponnen wie NIN und nicht so wechselhaft wie Stabbing Westward erscheint diese Scheibe, hier liegt der Wert auf den Songs und auf der Clubtauglichkeit. Man sieht sich also im nächsten Düsterschuppen oder auf einem der zahlreichen Konzerte der in Amerika residierenden dunklen Norweger.


Ähnlich:
seigmen, Blind Passengers, Orgy, Oomph!, Stabbing Westward, Project Pitchfork, econoline crush, Depeche Mode, Filter, Think about mutation, rammstein, nine inch nails, marilyn manson

22.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!