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verlen - verlen (limited edition 2-cd)


Erscheinungsjahr: 2009
Label: waggle daggle/broken silence
Tracks: 24
Spielzeit: 104:33
Genre: alternative
Subgenre: alternative rock
verlen.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Nach dem ersten Durchlauf von "verlen" gehen einem nicht nur nette Gedanken über das Album durch den Kopf. Gesichtslosigkeit und "ach, schon wieder eine dieser netten, aber einfallslosen Alternative Rock-Bands" sind zwei davon. Und das nur, weil sie eben diese Sorte von Independent Rock spielen, zu denen die kleinen lippengepiercten Mädchen nachts um eins gerne durch ihre Lieblingsdisko springen. Klar, Smashing Pumpkins, Placebo und Blackmail standen Pate und das hört man auch - nicht nur beim hohen Gesang Christoph Vidakovics. Aber auf "verlen" hört man nicht nur die Vorbilder raus, sondern auch noch viel mehr - und spätestens nach dem dritten Durchlauf sind die eingangs erwähnten negativen Gefühle vergessen. Dann nämlich bemerkt man die Spielfreude des hessischen Quartetts. Den Einfallsreichtum insbesondere der Gitarrenparts. Den unbedingten Willen zum guten Song. Und, natürlich, das Mitreißende und Treibende in sämtlichen Tracks, der Garant für die springende Masse nachts um eins in der örtlichen Indie-Disko. Ausgenommen davon die drei Balladen, geschickt an das Ende jedes Drittels der CD gesetzt. Die sind zwar leicht kitschig und alles andere als unpathetisch (insbesondere "passion"), aber dafür schöne Ruhepole inmitten des rastlosen Albums.


Dass viele CDs an einem Freitag den 13. veröffentlicht werden, darf bezweifelt werden. Hier war es ursprünglich nicht Absicht, "verlen" sollte eigentlich einen halben Monat früher in den Regalen der Händler stehen. Aber gute Promotion will Weile haben. Wie auch immer: Ein markantes Datum steht jedem Album Gut zu Gesicht. Und ein Unglück sollte sich zumindest nicht von der Qualität der CD ableiten lassen. Einen schlechten Song jedenfalls lässt sich auf "verlen" nicht finden. Auch wenn die Balladen weiter oben als leicht kitschig betitelt wurden - gut arrangiert und mit Verve interpretiert sind sie trotzdem. Wie alle Songs auf der CD. Einen Überhit, der auf sämtlichen Veröffentlichungen der meisten Vorbilder der Band enthalten war, sucht man auf "verlen" vielleicht vergeblich. Auch, wenn der Opener "the jaguar conflict" und "the hair song" (und, wegen des Liebeskummers lippengepiercter, junger Mädels das angesprochene "passion") haarscharf dran vorbei schrammen. Dafür zeichnet sich "verlen" durch eine grandiose Homogenität und Durchhörbarkeit aus. Ein klassisches Album im besten Sinne. Sicher nicht der Himalaya, aber die Alpen sind ja auch schön. Und einfacher zu besteigen.
Und so lauschen wir weiterhin dem endlich mal wieder passend verzerrten Gesang in "the jaguar conflict", das ebenso wie "me my maze" mit kleinen Akzenten Orgelsound heraussticht, dem wütenden, an Nirvana erinnernden "reunite the youth", "marry the world" mit seinem leichten Emopunkanstrich und dem abschließenden "become", der besten Ballade des Albums, bei der man sich nur fragt, warum so langweilige elektronische Beats eingesetzt werden mussten (die auch beim sehr poppigen "all of mine" etwas stören).


Das erstaunlichste an "verlen" ist - neben dem durchgängig hohen Niveau der Songs - die Zeitlosigkeit. Anders als Nirvana, die Smashing Pumpkins oder Placebo lässt sich die Band aus Hessen kaum einem Zeitgeist unterordnen. Vor zehn Jahren wäre das Album genauso aktuell wie heute und wahrscheinlich auch noch in zehn Jahren. Schön, wenn man eine Band trifft, die ihren Platz gefunden hat und sich dort auch wohlfühlt. Das hört man "verlen" an und wahrscheinlich wird die Band deswegen auch in der heutigen, kurzlebigen Zeit noch eine ganze Weile existieren und schöne Alben veröffentlichen.

Der limitierten Erstauflage der CD liegt eine knapp einstündige Bonus-CD bei, die aus elektronisch geprägten Remixen und B-Seiten von "verlen" und ein paar älteren, unveröffentlichten/raren Stücken besteht. "the bomb song" wird der Gitarren beraubt und mit einem fetten, aber recht einfältigen Beat unterlegt, der bei Ed Banger nur ein müdes Lächeln ausgelöst hätte; "all of mine" wird recht ordentlich aufgedubbt, "saint-fiction" erinnert ein wenig an Remixe von Popsongs aus den 90er Jahren und für "become" macht Tommy Finke etwas ähnliches wie zuvor bei "the bomb song". Von den unveröffentlichten Stücken der "verlen"-session ragt das balladeske "to beauty, truth and goodness" heraus, dass auf dem Album statt "all of mine" auch eine gute Figur gemacht hätte.

verlen auf myspace


Ähnlich:
Blackmail, Placebo, Nirvana, Bush, Foo Fighters, Smashing Pumpkins, Silverchair, Jane´s Addiction, Ash, zwan

14.02.2009
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!