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untoten - herrschaft der vampire


Erscheinungsjahr: 2004
Label: Sonic Malade
Tracks: 12
Spielzeit: 47:51
Genre: Alternative
Subgenre: Gothic Rock
untoten.jpg
Bewertung: 6/10

rating

Schon seit geraumer Zeit ziehen die Untoten durch den deutschen Gothic-Untergrund, ohne jemals auch nur in annähernd kommerzielle Gefilde abzudriften. Auf der anderen Seite gewinnen sie aber auch stetig an Bekanntheitsgrad und haben es mittlerweile zu einer Art Kultstatus unter den schwarzen Seelen gebracht. Im Prinzip sind sie ein klassischer Fall von lieb' es oder hass' es: Stets hat die Band das theatralische Spiel um Sex, Liebe, Trauer und Tod bis an die äußersten Grenzen gedehnt, nicht selten triefte der typische Gothic-Kitsch schon aus dem Artwork. Und doch war oft ein latenter Humor zu spüren, der das Ganze auch für mich teilweise erträglich machte. Musikalisch ging es ähnlich ambivalent zu: Teils richtig ausgefeilten Kompositionen stand die besonders zu Beginn der Bandkarriere lächerlich schlechte Interpretation und Aufnahmequalität gegenüber.
Die vor kurzem veröffentlichte "Herrschaft der Vampire" ist nun die Fortsetzung (genauer gesagt der zweite Teil) der Grabsteinland-Trilogie, einer Fantasygeschichte, in der es - kurz gefasst - um den Krieg der Vampire gegen die Wölfe geht. Nichts besonderes also, schon tausendmal da gewesen und wohl schon tausendmal von (achtung, Klischee & Vorurteil) pickligen Jünglingen am Rollenspieltisch durchgespielt. Dennoch: Die Lyrik dazu, von David A. Line verfasst und von Greta Csatlos vorgetragen ist über weite Strecken zumindest phonetisch bzw. im Versmaß gut gelungen und auf die Musik abgestimmt - oder umgekehrt. Der Inhalt dagegen ist weitgehend trivial und uninteressant, zumindest für diejenigen, die sich nicht (mehr) gerne dem Eskapismus von Fantasywelten (die übrigens hier ganz nett ausgearbeitet sind) hingeben. Hinzu kommt, dass die Formulierungen in der Regel formelhaft hölzern bleiben und den üblichen Klischees entsprechen. Zielgruppenbedienung par excellence also. Ein zweischneidiges Schwert.
Musikalisch bietet sich neben den üblichen, düsteren Gothic-Klangmalereien ein erstaunlich vielfältiges Bild. Ins Blickfeld rücken deutsche Chansons der 20er Jahre, Schlagermelodien, ein paar avantgardistische Geräuschkulissen, düstere Musicals, Rock- und Metaleinflüsse, die soundtechnisch sehr archaisch daherkommen und oft im Hintergrund bleiben, und auch ein paar Hörspieleinsprengsel. Für die ab und an aufblitzende dekadent melancholische 20er-Jahre Atmosphäre ist alleine Csatlos verantwortlich, die akzentuiert und mit viel Seele die Lyrik von Herrn Line vorträgt. Besonders gelungen sind dabei Songs, die Gothicschmonz und rockiges Gepolter weitgehend außen vor lassen, wie "der kleine Tod", das geflüsterte "Ach du kalter Stern" und das abschließende "Hexenwald", dass auch instrumental eine entrückend finstere Atmosphäre erschafft und sich dabei nie auf übliche Schemata reduzieren lässt.
Aber auch mehr im Genre verwurzelte, etwas kitschigere Songs funktionieren mitunter gut: Der Opener "Unvergessen" wäre ohne Keyboardgeplucker einer der besten Tracks der Band, das rockige "Raben" besticht trotz zu dick aufgetragenem Schnulz im Refrain durch geschickte Verbindung von Text und Musik und auch das nette "Dein Platz" zehrt im wesentlichen von Gretas gelungenem Vortrag, selbst wenn es in manchen Parts an Rosenstolz erinnert. Leider zerstören Untoten die positiven Eindrücke selbst, und zwar immer dann, wenn sie statt den Kurs einer sparsamen Instrumentierung fortzuführen, noch eine Schippe drauflegen. Hier noch ein flächiges Keyboard, dort noch eine Gitarrenspur und ein paar polternde Drums. Insbesondere von den manchmal viel zu penetranten Synthesizern hatte ich schnell genug, da sie die Songs wie in "die Rückkehr der Wölfe", aber auch bei manch erwähnten Beispielen regelrecht zukleistern.
So muss ich denn - um mich am musikalischen Werk der Untoten zu erfreuen - den konzeptuellen Guss auseinander reißen und mir nur etwa die Hälfte der Songs zu Gemüte führen. Immerhin bleiben mir dann noch gut 20 Minuten morbid-faszinierender und in dieser Kombination einzigartiger Musik zu genießen.
Und wenn die Band demnächst ein komplett akustisches Album einspielt - ich will der erste sein, der davon erfährt.


Ähnlich:
Lacrimosa, L'âme Mortelle, Umbra et Imago, Diary of Dreams, Goethes Erben, Soko Friedhof, Marlene Dietrich, Zarah Leander, Rosenstolz, Das Ich, Bauhaus, Erblast, Bram Stoker, Roman Polanski, Vampire Rollenspiel, Cradle of Filth

02.04.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!