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under byen - live at haldern pop ep


Erscheinungsjahr: 2004
Label: haldern pop
Tracks: 4
Spielzeit: 27:40
Genre: Alternative
Subgenre: Postrock
underbyen.jpg
Bewertung: 7.5/10

rating

Eine Live-EP als erstes Lebenszeichen eines Plattenlabels ist sicher ungewöhnlich; im Falle des kleinen aber - schreiben wir es für die Zukunft ruhig schon mal aus - feinen niederrheinischen Labels Haldern-Pop Recordings jedoch sicher nicht unverständlich. Sind die Macher dieses Unternehmens doch gleichzeitig die Veranstalter des alljährlichen, lange bewährten Haldern-Pop Festivals bei Rees. Abseits von großen Städten spielen dort Bands abseits des Mainstreams ruhigen bis lauten Independent Pop. Die Leute im Hintergrund gehen dabei nie ohne Risiko vor, aber stets mit einem Händchen für junge, kaum bekannte Bands, die einen vergessen lassen, dass man viel zu oft denkt, man kenne alles Gute schon.

Ein paar der Organisatoren kamen dabei auf die ebenso glor- wie risikoreiche Idee, aus dem Wissen von hierzulande unbekannten, aber potentiell beliebten Bands plattentechnisches Kapital zu schlagen. Schwups, war ein neues Label geboren. Und das in Zeiten der Quasi-Unmöglichkeit von Labelneugründungen! Für die erste Veröffentlichung haben sie dabei ein gutes Händchen bewiesen. Die 2003 auf dem Haldern-Pop Festival aufgetretenen Under Byen (sprich Üne Bjün) spielten in einer musikalischen Nische, die hierzulande so gut wie unbekannt war. Zwar erinnerte die Sängerin stimmlich stark an Björk und die Band konnte man grob mit dem was als jazziger Postrock bekannt ist vergleichen, aber das Ganze in Kombination ließ sich dann doch nicht in Schubladen einordnen. Am ehesten beschreibt noch der Name des dänischen Oktetts die Musik: "Under Byen" - "Unter der Stadt" passt hier gut, nicht im Sinne von "unterirdisch", vielmehr als das Bewusstsein, die Stadt weit hinter sich (oder über sich) gelassen zu haben. Nicht ohne das Wissen, dass dort oben noch eine Stadt existiert, die irgendwie immer noch Einfluss auf die Charaktere und damit die Musik zu haben scheint. Eben dies bewahrt die Musik von Under Byen vor einem Abrutsch in kitschige Naturromantik.
Nach den oben gezogenen Vergleichen soll nicht verschwiegen werden, dass die Band nicht so expressiv vorgeht wie beispielsweise Björk und musikalisch nicht so intellektuell wie der Großteil der "Postrock" Bands. Sie stehen dazwischen, mit besonderer Lust an den Zwischentönen und an nicht gespielten Tönen. Und das trotz gleich zwei Menschen, die auf Percussioninstrumenten herumhauen. Oder - besser ausgedrückt - diese zärtlich streicheln. Dazu versprüht der lebhaft warme Bass - wie im amerikanischen Rolling Stone perfekt beschrieben - "Noten (...) wie Kleiderhaken an der Wand", was ebenso vom Klavier oder der Violine gesagt werden könnte. Die Instrumente, ebenso wie die Stimme Henriette Sennenvaldts, sie tupfen eher, als dass sie Klangfarben lang ziehen würden. Die Musik von Under Byen ist in diesem Sinne mit einem Gemälde von Seurat vergleichbar: Erst die Gesamtheit der einzelnen Tupfer ergeben - wunderbare und in ihrer Weite einzigartige - ganze Gemälde.
Die vier auf der Live-EP vertretenen Songs sind mit ihren langen aber nie lang-weiligen sechs bis sieben Minuten sehr organische Gebilde, lebendig und wechselhaft, dabei aber immer eine geschlossene Einheit bildend. Selten ist ein Teil so gebaut, dass er länger im Gedächtnis bleibt, nur beim Hören wird die Schönheit Under Byenscher Klanggemälde greifbar. Dabei einzelne Songs hervorzuheben, wäre unsinnig. Sie sind einander ähnlich, aber nicht in dem Sinne, dass Redundanz auftreten würde, denn durch die kohärente Atmosphäre wird hier ein bemerkenswertes Band um die Lieder geknüpft.
Bei dem letztjährigen Liveauftritt konnte man kritisieren, dass Under Byen zu einer unmöglichen Tageszeit auf die Bühne geschickt wurden, auf Konserve greift dieses Argument natürlich nicht mehr. In der Zeit kurz vor und nach Sonnenuntergang und besonders über Kopfhörer wirkt die EP einfach nur betörend. Die optische (unvergleichbare) Ausstrahlung Henriettes geht zwar verloren, lenkt aber auch nicht mehr ab vom Wesentlichen. Insofern sind Under Byen auf Tonträger eine andere Erfahrung als Under Byen live - aber keine weniger Faszinierende. www.haldern-pop.de


Ähnlich:
Björk, Lampshade, Goldfrapp, Gry, Sigur Ros, Portishead, Fetish, Stina Nordenstam, Lamb, Tortoise, Godspeed you! black emperor, Azure Ray, Album Leaf, Beth Gibbons & Rustin Man, The sea and cake, Trans Am

01.01.2002
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!