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townsend, devin - physicist


Erscheinungsjahr: 2000
Label: spv
Tracks: 10
Spielzeit: 46:45
Genre: metal
Subgenre: industrial metal
townsend,devin.jpg
Bewertung: 9/10

rating

So, jetzt ist es an der Zeit einen meiner Lieblingskünstler vorzustellen: Devin Gerret Townsend. Ein Mann, der zwar den meisten kein Begriff sein wird, aber schon allerhand in seiner Karriere erreicht hat. Vielleicht hat der eine oder andere von euch das Album "Sex & Religion" von Steve Vai daheim. Der einfühlsame Sänger mit der großen Stimme war, ihr ahnt es fast schon, Devin Townsend. Da war er gerade mal 22 Jahre alt. Kurz darauf hatte er auch ein Projekt mit Jason Newsted am Laufen, den einige vielleicht von einer gewissen Band namens Metallica kennen. Wenig später startete er mit seiner ersten Band durch. Die Kiste nannte sich Strapping Young Lad und veröffentlichte 1995 ihr Debüt-Album "Heavy As A Really Heavy Thing". Dieser Titel hielt ausnahmsweise mal, was er versprach, im Gegensatz zu solchen Großmäulern wie Pantera und Co., denn das Album war ein Prügelwerk erster Güte. High-Speed Fear Factory, so könnte man die Scheibe am besten beschreiben (Devin hat auch mal die Gitarren auf einem Album von Front Line Assembly eingepielt, bei den bekanntlich auch mal Fear Factory-Produzent Rhys Fulber gepielt hat...). Derbste Blastbeat-Attacken wechselten sich mit wunderschönen Melodien ab und über allem thronte die wunderschöne Stimme von Devin, der sich aber auch genauso derb die Lungen auskotzen kann. Beim Studieren des Booklets konnte man schon merken, dass der Junge einen ziemlich schrägen Humor hat, z.b. wurde im Booklet haufenweise Scheiße verlost (also menschlicher Kot...) und einen Song, der stilistisch nicht so zum Rest passt einfach mit dem Zusatz "The Filler" zu vermerken ist schon tonnenschwerer Kult. Dann war es lange Still um den kanadischen Choat, bis er 1997 wieder auf der Bildfläche erschien und das zweite SYL-Album ankündigte, dass eigentlich "Heavier Than The Last One" heißen sollte, letztlich aber doch den deutlich kürzeren Titel "City" verpasst bekam. Der neue Titel passte auch besser zum Album, denn es war weitaus softer als das Debüt (aber mindestens genauso extrem !!!) und versprühte einfach den Flair einer hektischen Großstadt. Langsam kristallierste sich auch eine feste Band heraus, zu der mitlerweile auch Kult-Drummer Gene Hoglan (ex- Dark Angel, ex- Death) gehörte. "City" wusste auf jeden Fall durch seine dichte Atmospäre überzeugen, die beim Vorgänger zwar stellenweise auch zu vernehmen war, aber bei "City" dann sozusagen ins Inventar aufgenommen wurde, so dass es auch erstmals ruhigere Songs wie "Spirituality" gab. Dann war es wieder erstaunlich ruhig, bis sich Devin Anfang 1998 mit seinem ersten Solo-Album "Ocean Machine" zurückmeldete. Den Namen trug das Götterwerk völlig zurecht, denn "Ocean Machine" entführte den Hörer in eine andere Welt, die im tiefsten Ozean zu liegen schien. Man hatte das Gefühl, dass man inmitten von riesigen Wassermassen steht, seine Arme ´gen Himmel streckt und sich einfach fallen lässt. Das Album versprühte eine verdammt ruhige und wunderschöne Atmosphäre fernab jeglicher Hektik von Strapping Young Lad. Einfach nur schön. Dieses Album muss man einfach gehört haben. Als Devin dann noch verkündete, dass er das Album mit 19 Jahren komponiert habe und es aber erst 6 Jahre später veröffentlichen konnte, weil er früher schlichtweg nicht in der Lage war, die Instrumente so zu bedienen, wie es das Werk vorschrieb, bzw. er sich das vorstellte, war der Mann für mich zu einem der Interessantesten Musiker geworden. Ich hatte schon so meine Zweifel, ob da nicht alles mit Rechten Dingen zugeht und mein Verdacht sollte sich bald bestätigen: Ende 1998 schob er sein zweites Solo-Album "Infinity" hinterher, nachdem noch Mitte des Jahres das SYL-Live Album "No Sleep ´Till Bedtime" veröffentlicht wurde, und erzählte hinterher seine Geschichte: Devin war mit einem Fehler auf die Welt gekommen, sein Körper produzierte zuviel Adreanlin. Er nahm daher seit seiner Kindheit Medikamente, um gegen dieses überschüssige Adrenalin anzukämpfen, dann allerdings lies er dem Stoff freien Lauf, da er meinte, dass es sich sicher positiv auf seine Platten auswirke. Nun, das tat es auch, wie man an den ganzen Devin-Alben hören kann, doch die Sache hatte einen kleinen Nachteil: Devin stand irgendwannmal schlichtweg vor dem Kollaps wgen dem Stress den er sich da aufhalste. Es kam wie es kommen musste: Devin musste desöfteren in eine geschlossene Nervenheilanstalt. Die erkärte auch, warum man so lang nichts zwischen den Alben von dem Wunderknaben hörte. Laut eigenen Aussagen, war es während der Produktionszeit von "Infinity" am schlimmsten. Doch eigentlich kann man nur froh darüber sein, denn mit "Infinity" hat der qurilige Kerl sein Lebenswerk abgeliefert. Während man sich bei "Ocean Machine" sofort Eintritt zu der Meereswelt verschaffen konnte, so machte es Devin dem Hörer diesmal alles andere als einfach. Dieser wurde im Laufe des Album mit allen Möglichen konfrontiert: Kinderchöre, Saxophone, Ameisen, Orgeln, vertrackten Rhytmen, jazzigen Passagen, Noise-Sequenzen, regelrechte Treibsand Synthie-Teppiche, Soundwände, lauten, pinken Seifenblasen und schlieslich sobald man sich Zugang zu den Album verschafft hat, mit der im Titel bereits erwähnten Unendlichkeit. "Infinity" toppte alles dagewesehne.
"Infinity" war die Offenbarung. Das Alte Testament. Ein nicht enden wollender O(h)rgasmus. Doch leider verstand das Werk kaum jemand, und alle bevorzugten leider die eingänigere "Ocean Machine"-CD, die Devin übrigens selber nicht mehr so mochte, weil sie den Hörer keineswegs forderte. Mit eigenen Worten beschrieb er es so: "Bei "Ocean Machine" konntest Du beim Hören allerlei andere Dinge nebenher machen, z.b. spülen oder kacken, während wenn Du das bei "Infinity" versucht, wirst du emotional vergewaltigt!!!" Und damit hatte der Knabe verdammt recht. Nach "Infinity" war es dann wieder verdächtig still um Devin und ich ahnte schon schlimmes. Als es dann noch hieß, dass Devin´s deutsches Label pleite gegangen wäre, bekam ich regelrecht Angst, doch dann kam Entwarnung: Das neue Album "Physicist" sei schon längst fertiggestellt, Devin suche nur eine geeignete Plattenfirma. Und genau dieses neue Alben würde ich euch gerne näherbringen...

Das Neue Album:

Nun ist es also erhältlich, das wohl letzte große Werk des Jahres 2000, falls Ulver doch noch ihren Arsch hochbekommen sollte und ihr neues Album dieses Jahr noch abliefern. Im Vorfeld kündigte Devin an, dass das Album sich bei der Brutalität und Härte von Strapping Young Lad bedient, und mit der genialen Atmosphäre von der Ocean Machine-Platte versehen ist. Eingspielt wurde das Album eigentlich von der kompletten SYL-Mannschaft: Jed Simon bedient die zweite Gitarre, Byron Stroud zupft den Bass, Gene Hoglan maltretiert die Fälle und Devin bearbeitet mal wieder das Mikro, die meisten Gitarren und das Keyboard, dass natürlich am meisten zu der Atmosphäre beiträgt. Okay, CD eingelegt und schon tönt wieder diese fette, vollgestopte Sound aus den Boxen und legt gleich flott mit dem Opener "Namaste" los. Alle Trademarks werden schon im ersten Song verbraten: sphärische Chöre, fette Double Bass und ultrafette Klampfen, die alle Klingen, wie wenn sie durch die Traumwelt geschickt wurden und dem Hörer etwas verschwommen oder besser dicht-verträumt ins Ohr gelangen. Der Song ist dann ein typischer Devin-Kracher, der zwar fast 90% der Songs andere Künstler ausknockt, aber für den Kanadier höchstens Durchschnitt ist. Mit dem zweiten Song "Victim" verhält es sich dann ähnlich. Und schon hatte ich so meine Bedanken, ob es Devin diesmal überhaupt schafft ein Götterwerk abzuliefern, oder auf einmal gar zum "ganz normalen" Musiker degradiert ist. Aber der dritte Song "Material" brachte mich dann zum Schweigen: Alles wieder beim Alten, der Gottheitsfaktor stimmt hier endlich und die meisten Melodien des Songs sind nicht von der dieser Welt, denn aus dieser bedient sich Devin ja eher selten. Nach "Material" kommt dann kein schwacher Moment mehr. Nur noch Gänsehaut und Freudentränen. Als der 4te Song "Kingdom" anbricht, spielen meine Glückhormone komplett verrückt, ich kann einfach nicht anders als zu jauchzen und frohlocken. Doch zum beruhigen bleibt keine Zeit, denn die 4 Jungs schrauben das eh schon recht flotte Tempo der Songs bisher noch höher und lärmen mit "Death" dann fast schon mit Lichtgeschwindigkeit durch´s Universum. Anhalter haben da keine Chance! Danach beruhigt sich die Lage wieder und die Band driftet nicht mehr in solche Blastbeatigen-Kakaphonien ab, gegen die jede Black-Metal Band wie Schuljungs aussieht. Es wird dann genrell ruhiger beim "Physicist" und mit "Irish Maiden", "Jupiter" und dem 11-Minütigem Abschlussepos "Planet Rain" gibt es wunderschöne "Ocean Machine"-Songs. Bei "Planet Rain" zieht Devin alle Register seines Könnens. Unglaublich. Ich werde nun keine Gotteslästerung betreiben und diesen Song in Worte fassen. Da müsst ihr euch die Platte schon selber kaufen, hehe. Holla, nach Track 10 ist es dann doch noch nicht vorbei, der Player sprigt trotz der "offiziel" nur 10 Songs auf Song 11. Hierbei handelt es sich um das Stück "Forgotten", dass Devin auch schon vor 7 Jahren geschrieben hat und sich mit unserem aller Lieblingsthema "F*cken" beschäftigt. Devin wollte mit dem Song und vorallem mit dem Text mal wieder zeigen, dass er sich alles andere als ernst nimmt. Und natürlich verwundert es auch nicht, dass der Song, obwohl er eigentlich nur als "Witz" gadacht ist die CD mit seinem 6 Minuten unheimlich aufwertet. Doch, halt !!! Nur der Audioteil von "Physicist" ist zuende, aber die fleißigen Kanadier haben sich noch was einfallen lassen: Der PC-Track ist ja wohl mehr als gelungen. Fast so wie eine nicht existente Homepage im Internet. Super Edel gemacht das ganze. Respekt. Wer jetzt noch nichts von Devin Townsend kennt, dem würde ich doch glatt an Herz legen sich "Phyisicst" als erstes zuzulegen, da das Album eine super Mischung aus allen Phasen von Devin´s Schaffen darstellt und der Multimedia-Part Aufschluss über vieles gibt und man sich so schon ein wenig mit der Geschichte von Devin vertaut machen kann. Ich kann nur hoffen, dass sie ein paar Leute aufgrund dieser Meinung mal ´ne CD von dem Wunderknaben leisten und das mich der Wunderknabe im Gegenzug noch möglichst lange mit genialen Werken in CD-Form versorgt... ach ja: The Third Strapping Young Lad-Album is coming soon !!! Yippie !!!

07.03.2005
kervorkian


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!