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tomahawk - tomahawk


Erscheinungsjahr: 2001
Label: Ipecac
Tracks: 13
Spielzeit: 42:19
Genre: Alternative
Subgenre: noiserock
tomahawk.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Lange vor Veröffentlichung eines Lebenszeichens hat man Gerüchte über dieses fabulöse neue Mike Patton Projekt im Blätterwald rauschen gehört. Mehr Rock, zugänglicher, grooviger als die bisherigen Auswüchse Pattons sollte es werden.
Nun sollte man diese Worte in Relation betrachten: Die anderen Projekte des Ex-Faith no More Sängers waren ja bekanntlich nicht gerade leichtverdaulich, und so ist auch hier jeder fehl am Platze, der Mainstreamrock erwartete. Zusammen mit drei anderen durchgeknallten Gleichgesinnten (man sollte erwähnen, dass es Jesus Lizards Duane Denison war, der die Band aus der Taufe hob) ging's ins Studio um die Tomahawksche Version von Rock einzuspielen.

Das erste was mir beim Durchhören der CD in den Kopf kam war Paranoia. Die Band schafft es, den Rezipienten beim Hören automatisch alle 3 Minuten den Kopf umdrehen zu lassen.

Das Grundgerüst bildet sehr dynamischer und gut anhörbarer Noiserock, den man von Jesus Lizard auch geboten bekam. Garniert wird dieser mit einigen kruden Samples und wirren Passagen und gekrönt wird das Ganze natürlich von der Stimme Pattons, der hier nach seinen Fantomas-Gebrabbeleskapaden mal wieder richtig singen darf. Wenn auch nicht so pathetisch wie einst bei FNM.
Und genau das ist es, was für Tomahawk spricht: Wo Faith No More stadionrocktechnisch loslegten, bringt diese Band das ganze in einen kleinen muffigen Kontext, der jeden falsch zu verstehenden Pathos außen vor lässt. Stattdessen regiert Minimalismus.
Hier gibt es keine schwelgerischen Keyboardmelodien oder allzu weit ausschweifenden Epos: Irgendwo zwischen einer minimalistischen Ausgabe des "Album of the year" und Jesus Lizard mit besserem Gesang befindet sich das Debütalbum Tomahawks. Lediglich textlich gibt es Unterschiede: Wo FNM noch recht gesittet daherkamen und Jesus Lizard ziemlich unverständliche Storys verbreiteten, kommen hier Gewalt-, Sex- und diverse andere Fantasien aus den Untiefen des Pattonschen Gehirns zu Papier - was durch die comichafte Überzeichnung jedoch wieder relativiert wird. Er sagte ja selber einmal, das für ihn die Phonetik eines Textes wichtiger sei, als der Inhalt.

Hört sich alles sehr gut an, doch mit fortschreitender Spielzeit wird die Schwäche des an sich guten Albums offenbar: Spätestens nach dem 8. Track, "Jockstrap" bemerkt man die Gleichförmigkeit der einzelnen Tracks und die Tatsache, dass kaum ein Stück wirklich zwingend ist. Bis auf den Opener "Flashback", "God hates a coward", das mit einem genialen Textstück ausgestattete "Pop 1" und eben "Jockstrap" gibt es zwar immer wieder überzeugende Passagen, aber selten hat man das Verlangen, den Songs wirklich auf den Grund zu gehen, wie das bei den anderen Patton-Projekten oft der Fall ist. Zudem gibt es mit der Countrypersiflage "Cul de Sac" und dem instrumentellen Outro "Narcosis" zwei wirklich schwache Stücke, die nicht hätten sein müssen und als Füller rüberkommen - selbst wenn sie ins Konzept passen.
So hat man insbesondere über Kopfhörer zwar Freude an dem Werk, die aber nicht an jene nach Genuss von Fantomas oder Mr. Bungle herankommt.
Bleibt das Staunen darüber, dass selbst eins der schwächsten Projekte mit Patton als Sänger aus der Masse herausragen.


Ähnlich:
Jesus Lizard, Faith no More, Ampersand, Breach, God Fashion Disco, Helmet, Killing Joke, Les Hommes Qui Wear Espandrillos, Melvins, McLusky, Urlaub in Polen, The Butthole Surfers, Ministry, Quicksand, Mr. Bungle, Fantomas, Cop Shoot Cop, Nine Inch Nails, ULme, Shellac

03.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!