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sparta - wiretap scars


Erscheinungsjahr: 2002
Label: motor/universal
Tracks: 12
Spielzeit: 47:45
Genre: Alternative
Subgenre: EmoCore
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Bewertung: 7/10

rating

At the Drive-In ist Vergangenheit, die Zukunft liegt bei den Nachfolgebands Sparta und Mars Volta. Ob diese die alten Fans zufrieden stellen können, ist fraglich, doch die Chancen stehen bei beiden nicht schlecht. Allerdings ist die Vielschichtigkeit von At the Drive-In nun aufgeteilt: Während Sparta eher die melodische, eingängige Seite von den Revoluzzern des alternativen Hardcores repräsentieren, bieten Mars Volta die expressionistischere und kopflastigere Version. Der geneigte Fan wird so letztlich dazu gezwungen sein, den Werdegang beider Bands zu verfolgen.

Tonträgertechnisch liegt mit der Veröffentlichung von "Wiretap Scars" Sparta vorne - Mars Volta haben es bis jetzt nur bis zu einer Mini-CD gebracht, sind aber jetzt immerhin im Vorprogramm von den Chili Peppers zu bewundern.

Gepresst werden dürften Sparta von den meisten Medien wohl in die Emocoreschiene, da sowohl Gefühl, als auch Ausbrüche der härteren Gangart gleichberechtigt im Vordergrund stehen. Ob man ihnen damit Unrecht tut, ist fraglich, da auch meiner Meinung nach sämtliche Anhaltspunke auf dieses Genre hinweisen - nur textlich scheut man es nicht, heiße Eisen anzupacken, wie zum Beispiel die im Artwork und im Titel angedeutete Überwachungsmentalität vieler großer Staatssysteme nach diversen terroristischen Übergriffen. So hebt man sich textlich erfrischend von den bittersüßen Gefühlsduseleien mehrerer anderer vergleichbarer Bands ab und auch musikalisch geht man nicht so aufdringlich vor, wie so manche Konkurrenten.

Jede Melodie hat erkennbare Kanten, jeder Rhythmus ist nicht direkt beim ersten Mal mitwippbar und die Stimme ist nur dann glatt und gefällig, wenn es die Umstände erfordern. Um sich dann später im Chorus in eindringliches Geschrei zu verwandeln - wie auch von At the Drive-In bekannt (womit wir auch schon den naheliegendsten Verbindungspunkt haben). Das mag ein wenig formelhaft klingen und tatsächlich ist ebendas ein Schwachpunkt des Albums: Kaum einer der Songs traut sich aus diesem Schema auszubrechen, zu oft folgen Riffattacken auf Schrammelgitarren, zu oft folgt Gebrüll auf Gesäusel. Dauerhaft interessant bleibt "wiretap scars" damit nicht. Sparta legt es - und daran muss man sich erstmal gewöhnen - nicht darauf an, immer neue Überraschungen und Wendungen in die Songs einzubauen. Sie gehen vielmehr subtiler vor: Hier mal ein vorsichtiges Sample und dort mal ein vertrackter, auflockernder Rhythmus. Im Endeffekt ist das zwar songdienlicher, was sich auch auf die Hit-Dichte der Platte auswirkt, aber weniger langzeittauglich.

Ansonsten lässt sich Sparta wenig vorwerfen. Es wird ein ganzes Arsenal an Stimmungen transportiert, wo man doch anfangs noch ein unabwechslungsreiches Scheibchen vor sich zu glauben sieht. Schon die Songtitel machen Lust auf den Kauf der CD und der eingehenderen Beschäftigung mit selbiger - und auch, beziehungsweise gerade live dürften sich nicht wenige der Titel zu Stimmungskanonen entwickeln, wobei es schwer fällt, eindeutige Peaks oder Abfälle auszumachen. Die 12 Tracks stehen nahezu gleichberechtigt nebeneinander (vorsichtig kann ich dem etwas ruhigeren und mit hervorragenden Melodien ausgestattem "Glasshouse Tarot" eine höhere Stellung bescheinigen). Ein einziger mittelhoher Gebirgszug - das kann man ebenfalls zum Vorwurf erheben, muss man aber nicht. Gerade Sozialismusfans dürfte dieser Tatbestand freuen und in dieser Zeit ist derartiges fast erfreulich unmodern.
Alles in allem eine CD, die sich in jedem alternativen CD-Regal gut macht, wenn auch nicht für Furore sorgen dürfte. Ganz ähnlich der im selben Genre wildernden Rival Schools (deren "United by Fate" aber die zwingenderen Songs enthält).


Ähnlich:
Rival Schools, At the Drive-In, New End Original, Thursday, Glassjaw, Quicksand, The Used, Biff Clyro, Luke, Jimmy eat World

29.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!