. .

sophia - technology won't save us (ltd. 2 cd digipak)


Erscheinungsjahr: 2006
Label: city slang
Tracks: 16
Spielzeit: 70:07
Genre: alternative
Subgenre: alternative sad pop
sophia_tech.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Pünktlich zum Herbst 2006 ein neues Sophia Album. Das letzte hat das Licht der Welt 2004 ja einige Monate zu spät erst im Januar entdeckt und büßte deswegen eventuell einiges seiner Wirkung ein. Die Zeichen stehen also gut für "Technology won't save us". Und Proper-Sheppard scheint es ernst zu meinen. Die Produktion gilt als die teuerste, die er persönlich erlebt hat, das Album ist nach dem Tod seiner Mutter wieder aus einem inneren Antrieb entstanden, der künstlerische Kreativität freisetzt. Und nach den zahlreichen Touren in den letzten Jahren wähnt man ihn musikalisch und persönlich zusätzlich gereift.

Aber es hilft alles nichts: An die vergangenen Werke (inklusive der Alben von The God Machine) reicht die neue CD nicht heran. Es ist natürlich immer noch Sophia, Melancholie und Traurigkeit bestimmt die Szenerie. Die Ausrichtung des letzten Albums "People are like seasons" wird erneut verfolgt. Poppiger als früher, vielseitiger auch und erneut werden ein paar harte Saiten angeschlagen. Ein Orchester ist omnipräsent und stärker besetzt denn je.
Aber die Produktion ist doch nicht das, was man hätte angesichts der finanziellen Unterstützung erwarten können. Der Drumcomputer klingt zu aufdringlich (wie überhaupt das Schlagzeug) und macht "Pace" (mit einem schönen Refrain) zu einem mindestens zwiespältigen Song, "Where are you now" (einen der zauberhaften Songs des Albums) etwas weniger schön und im kargen "Big City Riot" und im mediokren "weightless" stört er auch.
Das ist aber nach einer Eingewöhnungsphase zu verschmerzen (außer bei "Pace"). Schwerer wiegt, dass viele der Songs einfach nicht gewohntes Sophia-Potential bieten und die Reihenfolge der Titel Sound-Inseln bilden.
Der Titeltrack bietet zwar für sich genommen tolles Kopfkino und ist zweifellos auch für Sophia-Verhältnisse hochklassig. Aber als Opener stört er die Einheit des Albums. Ein zarter Orchesteranfang, der gegen Ende in aufbrausendes, von Gitarren unterstütztes Tutti endet passt nicht zu den darauf folgenden Melancholiepopsongs. Und da "Pace" eher in die Hose geht beginnt das Album erst mit Track 3, "Where are you now", der als leicht kitschiger Sehnsuchts-Pop in Richtung "swept back" geht, so richtig.
Der Anti London Song "Big city riot" hingegen ist fast so karg wie die Songs auf Sophias Debüt. Vermittelt zwar ähnliche Intimität, geht aber längst nicht so nahe wie vor zehn Jahren. Überhaupt geht hier kaum noch etwas so richtig nahe wie bei den alten Sophia. "Birds" eventuell ansatzweise, der in eine ähnliche schwelgerische, süßlich-melancholische Kerbe haut wie "Where are you now". Hit. Knapp daran vorbei schrammt das kraftvolle (aber nicht harte) "Lost (she believed in angels)", das so ähnlich wohl auch von Travis hätte stammen können.

Bemerkenswert, dass Proper-Sheppard sein Heil mittlerweile viel in Instrumentalstücken sucht. Nicht nur der Opener ist eins, auch das soundtrackhafte Orchesterstück "Twilight at the Hotel Moscow" ist eins. Und das abschließende "Theme for the May Queen No. 3". Das klingt wie ein (harter) Ausschnitt eines (guten) God Machine Songs. Nervenzerreibende Riffs, treibend-bollernder Groove. Der Soundtrack zur Zerstörung, die nach der seelischen Zermürbung anläuft. Aber eben auch wie eine vom Rest des Albums abgekoppelte Insel.

Dennoch: Keine Angst, Sophia ist immer noch toll. Nur nicht ganz so toll wie früher eben. (7/10)
Wie das in etwa war, kann man auf der im limitierten Doppeldigipak enthaltenen Bonus-CD "Music for picnics" nachhören. Nur Robin an Gitarre und Mikro. Noch karger als die Stücke teilweise sowieso schon waren. Wobei die hier vertretenen Songs im Original doch etwas üppiger instrumentiert waren. Besonders bei den Songs des letzten Albums "I left you" und "Oh my love" merkt man den Unterschied. Ersteres ist weniger kitschig, aber auch weniger schön und letzteres ist besonders in der ersten Hälfte weniger mitreißend. Toll ist aber die Metamorphose von "Pace" in einen richtig schönen Song. Und auch bei "swept back" ist man mal froh, den Song entkleistert zu hören. Besser als das Album. (7,5/10)


Ähnlich:
Red House Painters, The God Machine, Sun Kil Moon, Kepler, Nick Drake, Savoy Grand, American Music Club, Songs:Ohia, Tom Barman, Low, Codeine, The Kind of Bitter, the Posies, Nicolai Dunger, I am Kloot, Wilco

28.11.2006
stativision (Tobias Goris)


:: Comments ::


Comment
Name:

Comment:

Security question, please solve:

2G9         H4P      
H      N      U   9IB
WFC   OBE     3      
  A    8      9   FGU
8X2           F      



Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!