. .

sioen - ceci n´est pas un film (dvd + cd)


Erscheinungsjahr: 2005
Label: kabron
Tracks: 49
Spielzeit: ~218
Genre: alternative
Subgenre: belgian singer/songwriter
sioen_dvd.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Nun können alle, die Sioen bisher live verpassten, aufatmen. Eine Live-DVD mit Konzertfilm und dazu passender CD mag nach nur zwei Studioalben größenwahnsinnig erscheinen, bei Sioen macht es Sinn, weil seine Liveauftritte schon immer mehr faszinierten als die CDs.

Die beiliegende Audio-CD ist schnell abgehandelt. Dieselbe Aufnahme des Konzerts in der Genter Kopergeiterey am 5. März 2005 liegt auch dem Mitschnitt auf der DVD zugrunde. Die CD ist also lediglich eine nette Dreingabe. Und unterliegt den üblichen Gesetzen eines Sioenkonzerts: Das aktuelle Album wird in der Songauswahl natürlich stärker betont (in der Tat wird "ease your mind" komplett gespielt und nur durch fünf Songs vom Debüt "see you naked" ergänzt); die Lieder entsprechen zum Großteil exakt den Versionen der Studio-CDs (Ausnahmen sind nur "boom!" und "too good to be true"), die Klangqualität ist erste Sahne (höchstens das E-Klavier klirrt beim aufmerksamen Hören etwas zu sehr) und Sioens Sinn für Dramatik lässt seine Songs live emotionaler und wärmer erscheinen. Wer sich also zwischen "ease your mind" und "ceci n'est pas un film" entscheiden muss, der braucht sich nicht lange zu quälen: Hier gibt es für nur etwa fünf Euro mehr gleich eine ganze DVD und fünf der besten Tracks des Debüts dazu. Sioen hält sich mit den auf flämisch gehaltenen Ansagen zurück und auch das Publikum wirkt mit Applaus nur am Ende der Songs nicht störend. Die Songauswahl geht in Ordnung, da aber "ease your mind" nicht über die gesamte Länge begeistern konnte, hätte zum Beispiel gut und gerne auf "who stole my band?" und "who are you driving mad?" verzichtet werden können. Vom Debüt ist schandhafterweise die wundervolle Klavierballade "summertime" nicht vertreten, die "boom!" besser verdrängt hätte.

Wunderbar sind die Gastauftritte: Der Frauenchor in "ease your mind" und ist schöner als der auf den Studioaufnahmen und auch der Flamencogitarrist auf "mi corazon" macht seine Sache exzellent. Ebenso wunderbar ist der obligatorische, einminütige und gänsehautverursachende Violinen-Jam auf "too good to be true", ein Höhepunkt eines jeden Sioen-Auftritts.
Eine solide und gute Live-CD, die den Studioaufnahmen Sioens leicht vorzuziehen ist (nur "in no one's interest" fehlen die gedämpften, kuscheligen Trompeten).


Solide und gut ist auch die DVD. Zwar reicht die Bildqualität nicht ganz an die Produktionen der Großen heran, der Kontrast ist hart, es gibt ein paar Überstrahlungen und in dunkelblauen Bereichen und den schwarz-weißen Szenen (wohl gewollt) ist das Bild etwas grobkörnig, aber das sind Kleinigkeiten, die kaum ins Gewicht fallen. Unangehmer fällt da schon auf, dass viele der Passagen des Konzert(Dokumentar)films denen des Konzertmitschnitts entsprechen, was genauer erklärt werden muss.
Da die Beschriftung der DVD französisch ist (der Titel auf Englisch lautet ("this is not a movie") und mit Informationen geizt, kauft man gewissermaßen die Katze im Sack. Daher hier die Aufklärung: Enthalten ist neben dem genannten, kompletten Mitschnitt des Konzerts in Gent mit 16 Songs der eigentliche Konzert"dokumentarfilm". Film führt allerdings etwas in die Irre. Man hat nichts anderes gemacht, als einen Großteil (11 Songs) des Genter Konzerts zu nehmen und mit insgesamt etwa einer halben Stunde Videoclips, Interviewmitschnitten (deutsche, englische oder französische Untertitel sind anwählbar) und zwei anderen Live-Auftritten anzureichern/zusammenzuschneiden. Das ist nett gemacht, aber zu ungefähr 40 von 69 Minuten doppelt gemoppelt, was dazu führt, dass das komplette Konzert danach etwas langweilig erscheint. Oder umgekehrt.

Gar nicht langweilig sind hingegen die sechs einzeln anwählbaren Videoclips: "Too good to be true" ist ein charmantes, schabernackiges Homevideo in New York, "ease your mind" ein ambitionierter, monochromer Kurzfilm, "boom" ein ironisches Fitnessvideo und "at a glance" als Drama in Comicstyle der vierte Höhepunkt. "cruisin" (dramatische Liebesgeschichte in der U-Bahn) und besonders "another ballad" (Sioen im Park) wirken daneben normal und fast schon bieder.

Der aus Stücken zusammengebastelte Film ist gelungen. Von "at a glance", "ease your mind" und "another ballad" gibt es Videoclipschnipsel (schon wieder doppelt gemoppelt aber passend), zwischen jedem Track gibt es Aufnahmen aus dem Studio, Backstagematerial und/oder Interviews und besondere Highlights sind die Mitschnitte der anderen Livekonzerte während der zweiten Hälfte von "too good to be true" (Werchter) und "cruisin", letzteres gemeinsam mit Toots Thielemans. Auch nett: Die Einforderung der Zugabe auf einem kleinen Festival in Saarbrücken ("stehen bleiben! Bleib hier"). Die Interviews beschränken sich auf die Standardthemen Tour, Aufnahmen und typisches über Texte und Musik, sind aber dennoch oder deswegen und wegen den nicht immer konventionellen Antworten Sioens recht informativ und darüberhinaus kann man durch die Untertitel ein wenig flämisch lernen.
Die Aufnahmen des Konzerts in Gent sind durchweg professionell mit mehreren Kameras und guten, effektvollen Schnitten, die Bühne ist - ganz Theater - in schwarz gehüllt und mit einer Leuchtwand aus 20 mal 10 Glühbirnen ausgestattet, die passenden Fließtext produziert und die übrige Beleuchtung ist dezent aber effektvoll. Nichts spektakuläres, aber anheimelnd und gut gemacht, mit Fokus auf Sioens seelenvolle Performance.

Der Hauch von Größenwahn bleibt, aber die DVD ist gut genug, um eine Daseinsberechtigung zu haben. Alle, die Sioen bisher live verpasst haben können also getrost zugreifen.


Ähnlich:
Franz Kasper, Ben Folds, Absynthe Minded, Zita Swoon, dEUS

13.02.2006
stativision (Tobias Goris)


:: Comments ::


Comment
Name:

Comment:

Security question, please solve:

KJ4         G37      
E      Q    Q Q   O2A
I3W   ENK   T 8      
T C    3    T Q   LO1
O8C         514      



Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!