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sins of thy beloved, the - perpetual desolation


Erscheinungsjahr: 2000
Label: napalm
Tracks: 9
Spielzeit: 62:13
Genre: metal
Subgenre: dark metal
sinsofthybeloved.jpg
Bewertung: 6/10

rating

Gothic Metal, die 53.829ste.

Mal wieder aus Norwegen.

Halt: Kommen da nicht eher die weiß-schwarzgeschminkten Horden der kirchenverbrennenden Blackmetaller her?

Dann also doch außergewöhnlich...?

Der Rest ist dann allerdings typisch. Der Titel "Perpetual Desolation" ein musterhaftes Beispiel, wie man alles übertreiben kann. "Ewige Trauer" lässt mich doch zumindest ein wenig schmunzeln - sicher nicht beabsichtigt.
Doch es geht noch weiter: Die Band ist zahlenmäßig so besetzt, dass sie eine Volleyballmannschaft inklusive Auswechselspieler stellen könnte. Enthalten zwei hübsche Damen als Augenweide (was man von den männlichen Kollegen nun wirklich nicht behaupten kann). Eine von den Augenweiden musste dann auch für das Artwork herhalten. Leichtbekleidet versteht sich - der Umhang sieht allerdings eher wie eine billige Computergrafik aus. Dabei steht besagte Dame unter einem archaischen Instrument, welches an diverse Folterinstrumente erinnert. Könnte aber genauso gut eine Apparatur zum Herstellen künstlichen Lebens a lá Frankenstein sein.
Schönheit kontra grausige Technik. Insgesamt gar nicht mal unedel aufgemacht, aber mit dem nervenden Pappschuber drumherum dann doch wieder Gothicmetalstandard, gerade seitdem Moonspell gezeigt haben, wie es wirklich gut gemacht wird ("Sin/Pecado" und "the butterfly effect").
Naja, so mancher Mann dürfte angesprochen sein und so manch einer wird sich die CD wohl nur wegen dem netten Cover gekauft haben. Marketingtechnisch immer geschickt.

Der Sex geht auch in den Songs weiter. Gar nicht mal unerotisch, was wir von der werten Anita Augland im ersten Lied "The Flame of Wrath" präsentiert bekommen (oder liegts bloß an meinem frühjährlichen Hormonüberschub?). Neben dem typischen Gothic-Frauen-Singsang sind die Geräusche zwischen Stöhnen, (irrem) Lachen und Weinen gut platziert. Und repräsentieren wohl auch den Text, der das inzwischen platt getretene Niemandsland zwischen Liebe, Sex, Schmerz und Trauer beschreitet. Erinnert an Theatre of Tragedy, sowohl das Thema, als auch die Wortwahl, die etwas nach (schlechtem) Shakespeare-Englisch klingt.

Musikalisch wird frisch gespielter, aber unorigineller Gothic Metal neueren Datums präsentiert. Inklusive aller Klischees, die den Fan glücklich machen dürften. Als passendster Vergleich dienen Tristania.
Neben der Violine, die hier gewohnte Trauermelodien zum Besten gibt, ertönt ein Sänger, der mal dem Kreischen, mal dem Grunzen näher ist. Das Alles im Wechselspiel mit der Sängerin.

Die andere Dame bedient die Keyboards, die hauptsächlich ein barockes Klavier nachahmen. Ein zweites Keyboard wird von Anders Thue mit dem Klang eines Cembalos und einer Orgel gespielt.
Für Abwechslung ist also gesorgt, was aber das Lied teilweise überladen und allzu klischeehaft verkommen lässt. Später wird sich auch noch Samples bedient, was das Ganze noch lächerlicher macht.
Das Grundfundament ist dabei gemäßigter, doomiger Death Metal.
Durch die vielen Breaks, von denen die Hälfte unnötig sind, hört sich das Ganze beim ersten Hören etwas verwirrend an, was sich aber im Endeffekt positiv auswirkt, da so nicht allzuschnell Langeweile aufkommt und das Lied nicht zu lang erscheint - trotz der Länge von fast 10 Minuten.

Die meisten nachfolgenden Tracks unterscheiden sich (abgesehen von ihrer Qualität) nicht sonderlich vom Ersten, der quasi als Blaupause dient. Mal schneller, mal langsamer geistert die Band in düsteren, melancholischen, harten und bösen Szenarien; die Texte drehen sich um Tod, Trauer, Liebe und so fort.
Man weiß trotz der Breaks immer was als nächstes kommt, darüber kann auch die angestrebte Perfektion in den Songarrangements und die gute Produktion nicht hinwegtäuschen, ebensowenig wie die überwiegend guten technischen Fähigkeiten der Gitarristen und des Drummers.
Der Frontgrunzer lässt mich dagegen viel zu schnell ermüden, mehr klarer Gesang wäre nicht schlecht gewesen, die ewig gleichen Zutaten nerven nach einiger Zeit und man wird das Gefühl nicht los, als wenn die Band lieber weniger in ihre Songs eingebaut hätte.
Der fast schon inzestuöse Ideenklau ist ja mittlerweile ein Bestandteil der Szene und kaum mehr anzukreiden, hingegen machen es Bands wie Tristania weitaus origineller, und zudem haben sie die besseren Songs, die KEINE Längen aufweisen und im übrigen mit weniger Klischees auskommen.

Nach den sieben Songs, die sich ungefähr auf dem gleichen mittelmäßigen Niveau bewegen, schließt man mit einer für mich abscheulichen Coverversion von Metallicas "the thing that should not be" ab, was eigentlich nur Liebhabern unnötigen Bombasts gefallen dürfte. Wenigstens werden die Gitarrenriffs ordentlich nachgespielt. Hinzu kommen aber unsägliche Pathoskeyboards und unpassender Gesang, was die Band sich hätte sparen können.

Nach dem für mich eher langweiligen ersten Album zwar eine deutliche Steigerung, besonders die Produktion ist fett und klasse, aber brauchen tu ich das hier nicht, dazu habe ich schon zuviele ähnliche CDs im Regal.

Für alle, die noch immer nicht genug Kitsch und Epos abbekommen haben, können hier herzhaft zugreifen, zumal der Preis für den Gegenwert stimmt, ich hätte das Album wahrscheinlich noch vor einem oder zwei Jahren mit Kusshand genommen, mittlerweile aber ist das ein Terrain auf dem nur noch die Allerbesten ihren Platz finden.

Für Neulinge in der Gothic Metalszene sicher eine Kaufüberlegung wert - dann kann man anstatt 10 Alben der Originale auch erstmal das hier testen. Ist nahezu alles drin - nur leider nicht immer besonders gelungen.


Ähnlich:
Tristania, My Dying Bride, Theatre of Tragedy, Paradise Lost

01.01.2002
stativision (Tobias Goris)


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  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!