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scut - never got tatooed


Erscheinungsjahr: 2005
Label: tumble weed/alison
Tracks: 10
Spielzeit: 39:05
Genre: alternative
Subgenre: indiepop
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Bewertung: 7/10

rating

Ich weiß nicht, ob Scut aus Wiesbaden eine Rechtschreibschwäche haben, oder mit ihrem falsch geschriebenen "tattooed" im Titel tatsächlich - warum auch immer - Bezug auf Tatooine, den Planeten aus Krieg der Sterne nehmen. Die Musik zeigt jedenfalls definitiv keine Nähe zu Science-Fiction. Und auch keine zu Tattoos. Die Band kommt bodenständig daher, mit ganz normalen Namen wie Markus Losert, Regine Schröter oder Rainer Stang. Selbst Samel Pschorn lässt nicht wirklich an Sternenstaub denken.

Jedoch: Die Musik hat zeitweise etwas himmlisches.
Wie eine neue Liebe, wie frisch ausgeschlagene Bäume, wie eine Blumenwiese. Und gleichzeitig etwas melancholisches. Wie ein unerwiderter Blick, wie fallende Blätter im Herbst, wie ein verdörrter Wald. Musik zwischen diesen beiden Polen wird für gewöhnlich Emorock genannt. Aber einerlei, ob man Scut nun mit Shoegazer, Indie-Schrammelrock oder Emorock betitelt - schön bleiben die 10 Songs auf "never got tatooed" auf jeden Fall. Zumindest überwiegend.

Mit "never should" eröffnet das Quartett jedenfalls schonmal mit dem perfekten Opener. Einnehmend, druckvoll und melodisch. Und - viel wichtiger - nicht zu schnell abnutzend. Aber auch nicht so gut, dass die folgenden Songs wie heiße Luft erscheinen.
Schrammelnde Gitarrenwände, ein Bass zwischen Pumpen und Grummeln, treibendes Schlagzeug, ein Sänger, der Wert auf langgezogene Silben legt und bezaubernde Duette mit Co-Sängerin Regine abliefert. Die besonders das folgende "undecided" zu meinem persönlichen Frühlingshit machen. Dessen Refrain füllt leere Fantaflaschen, lässt Fliederblüten sprießen und Katzenscheiße besser riechen. Einfach toll.

Von oben genannter Blaupause gibt es mehrere Variationen auf "never got tatooed", so dass nicht schnell Langeweile aufkommt. Neben üblichen Tempoänderungen, unüblich verteilt - in der Mitte des Albums wird es getragener, gegen Ende schneller - sorgen vor allem die Details für so manche Überraschung. Immer wieder sind interessante, aber songdienliche Effekte zu hören, in "elvis died when he joined the army" (ein John Lennon Zitat) taucht eine warme Hammondorgel auf, in "Radarscreen" bilden Streicherklänge die Soße zum musikalischen Gericht und in "teenage bore" übernimmt auch mal eine Flöte die Melodie. Das Hauptaugenmerk liegt aber neben den überlebensgroßen, weichen Gitarrenwänden immer auf den perfekt ausbalancierten zweistimmigen und zweigeschlechtlichen Gesängen. Kaum ein Song, bei dem Frau Schröter im Refrain nicht für das Tüpfelchen auf dem i sorgen würde. So leben die 10 Tracks vom Gitarrenbett, aus dem sich wie durch Zufall immer mal wieder Leadgitarren-Melodien lösen, und von wohligen, bittersüßen Gesangslinien.

Glücklicherweise bieten die Texte nicht immer den üblichen Herzschmerzstandard. Ein wenig selbstironisch wird die Sache hier angegangen und für Zeilen wie "it's always better to be alone, then to wish you were" würden ähnliche Bands wohl auch von der Spex geadelt werden.

Stimmt also alles auf dem Scutschen Debütalbum? Mitnichten, auch wenn es bisher den Anschein haben sollte. Jedoch: Die Mankos sind klein und zu verschmerzen. Mitunter zieht Sänger Markus die Vokale derart näselnd in die Länge, dass man Angst um die Worte bekommt - eine Streckbank ist nichts dagegen. Nachzuhören besonders bei "making friends" und "radarscreen". Besagtes "making friends" wird zudem auch noch musikalisch unnötig in die Länge gezogen, was beim nachfolgenden, fast sechsminütigen "aspirin" durch den gelungenen Refrain weniger auffällt. Und dann wäre da noch dieser zu fleischlose Rattenschwanz von "teenage bore" bis "a.o.k.", der zu sehr nach typisch einfallslosem Ami-Collegerock klingt. "Bad hair day" und "books i never read" retten aber, wenn auch knapp, letztendlich auch noch den Abschluss. Jeder, der mit untenstehenden Referenzen etwas anfangen kann, sollte auch mit "never got tatooed" glücklich werden.

Achja: Alle, die "Slut" statt Scut gelesen haben, sind einem Irrtum aufgesessen. Auch wenn der Bandname mutmaßlich einem ähnlichen Verleser zu verdanken ist.

www.kellerdisco.de


Ähnlich:
lush, slowdive, ride, weezer, pyogenesis, pale, jimmy eat world, slut, liquido, piebald, scumbucket, blackmail, pretty girls make graves, ash, favez, feeder, the promise ring, get up kids, sometree, samiam, cocteau twins, the jesus and the mary chain, my bloody valentine

03.05.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!