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saprize - 28203


Erscheinungsjahr: 1996
Label: Rough Trade
Tracks: 12
Spielzeit: 45:22
Genre: Crossover
Subgenre: crossover
saprize.jpg
Bewertung: 9/10

rating

Drei Jungs aus Bremen (der Albumtitel ist die Postleitzahl) stehen hinter Saprize. Und "28203", ihr mittlerweile drittes Album, enthält alle Zutaten, die ein gelungenes, modernes Crossoveralbum braucht. Pumpender, funky Bass, phatte Beatz, harte Gitarren, zwei ruhigere Songs, den richtigen Flow im Sprechgesang und nicht zuletzt zahlreiche auflockernde Gimmicks wie Hammondorgel und weiblicher Gastgesang.

1996 wurde das Album bei Rough Trade veröffentlicht, nachdem es im Institut für Wohlklangforschung aufgenommen und von Willi Dammeier und der Band abgemischt wurde. Volle 12 Tracks werden geboten und erfrischenderweise mal keine Interludes und ähnliche Mätzchen.

MC Ben ist offensichtlich der kreative Kopf der Band. Er schreibt die Songs und die meisten Texte, bedient Bass und Gitarre, singt und steuert auch noch verschiedenste Samples bei. Dennoch ist "28203" ein offensichtlich demokratisches Album - auch GregCore (Drums und Keyboards) und The Menace (DJ) schreiben die Songs mit und werfen ihre Ideen in die Runde. Als wenn das nicht genug wäre, schauten insgesamt sechs Gastmusiker im Studio vorbei und trugen ihr Scherflein dazu bei.
Das alles wirkt sich natürlich auch auf die Musik der CD aus. Vielfalt wird hier groß geschrieben und dennoch zieht sich ein überraschend dicker roter Faden durch die 12 Songs.

"The Kiss" ist mit wuchtigen Rhythmen, sparsam eingesetzter Gitarre, heiserem Sprechgesang, der eher an Lemmy, denn an gängige MCs erinnert, Trötensamples und dem wohltuenden weiblichen Gesang von Sun-Rah (die später als Sandra Nasic mit den Guano Apes Karriere machte) im Refrain ein zwar düsterer aber mit Hitqualitäten gesegneter Stampfer vor dem Herrn.
Lyrisch zwar über den Klischeetexten einem Großteil der Konkurrenz überlegen, aber dennoch fehlt (wie auch in allen anderen Songs) jegliche lyrische Raffinesse - auch wenn es nur eine Ode an die Freundin ist.

Als nächstes dann die Bandhymne "Element of Saprize", in dem die Band auf die hochgradig merkwürdige, aber interessante Idee kommt, funky Basslinien, merkwürdige Glockenpiepssamples, ultraharte Gitarrenriffs mit einem hoch kreischenden, eher zu Grindcore passendem (Sprech-)Gesang zu verbinden. Zwar nach einer Zeit etwas enervierend, aber extrem originell - und sie beweisen mit Zeilen wie "ich kann das nicht" Humor.

Beim nächsten Song folgt schon die nächste Überraschung. "Our Time will come" ist mit seinen Piano-Samples, den klaren Raps und dem erstaunlich melodischen Gesanglinien ziemlich entspannt geraten. Alleine die Vielfalt von Sänger Ben erstaunt spätestens hier.

In obiger Mischung gehts auch in etwa weiter - zumindest bis "Leslie Crane". Der ist sowohl textlich als auch musikalisch erwähnenswert. Stephen King hat hier mit seinem "Stark - the dark half" Eindruck geschindet. Genau wie im Buch handelt der Text von Schizophrenie bei der lyrisch kreativen Phase. Gar nicht so schlecht umgesetzt, aber naturgemäß klar hinter dem Buch zurückstehend.
Musikalisch setzt die Band das Thema durch eine akustische Lagerfeueratmosphäre um - als Singer/Songwriter macht sich der gute Ben zwar nicht ganz so gut wie sonst, aber in dieser Form auf diesem Album ist der Song eine positive Überraschung und zwischen zwei härtere Tracks perfekt platziert.

Das abschließende, fast siebenminütige "Summary" verbreitet durch die tiefen Scratches und Beats, sowie durch den Vocodergesang und die düsteren Fanfarensamples einen Endzeitflair, wie er finsterer kaum sein könnte. Passend dazu geht es im Text um Abschied und Verlassen - ein melancholischer Rückblick auf schönere Zeiten.
Im Hinblick auf die Auflösung Saprize nach diesem Album fast schon prophetisch und auch für den Zuhörer etwas nachdenklich stimmend. Die Welt ist eben nicht gerecht.

Zwar kann man Saprize nicht auf eine Stufe mit Epigonen wie Rage against the machine und Faith No More stellen, deren Hitpotential sie nur selten erreichen, aber mit 28203 erschuf das Bremer Trio ein in Deutschland einmaliges musikalisches Statement. Anders als zahlreiche deutsche Genregrößen äfften sie nicht nur amerikanischen Vorbildern nach, sondern erschufen ihre ganz eigene Klangwelt - und sei es nur durch die originelle Einbindung von düsteren Samples oder den weitgehenden Verzicht auf die üblichen Gitarrenriffs. Crossover wie er sein sollte.


Ähnlich:
Urban Dance Squad, Boo-Yaa-Tribe, Such A Surge, Faith No More, Rage against the machine, Fun Lovin Criminals, Red Hot Chili Peppers

01.01.2002
stativision (Tobias Goris)


:: Comments ::

user toastn time 07.04.2010 - 12:29
comment Immer noch eines meiner liebsten Alben. Sehr viele Sounds und Ideen verarbeitet. Nicht zuletzt Erinnerungen an die Heimat und die Neunziger in HB. Big up Saprize. Danke für die schöne Zeit...
user lwith time 15.07.2009 - 22:50
comment einfach nur kult ein album für die ewigkeit

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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!