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playfellow - penumbra


Erscheinungsjahr: 2008
Label: sweet home records
Tracks: 8
Spielzeit: 46:08
Genre: alternative
Subgenre: indierock
Penumbra.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Vermutlich Sandkastenfreunde. Wie sie da so drollig auf dem Cover spielen, die playfellows. Vor sonnigem Himmel, im Wald, am Seil. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man: Der eine muss ja fürchterliche Kopfschmerzen haben. Und der Baum hat kaum Blätter. Und der da unten rechts, in der Hocke, der leidet doch bestimmt seelisch. Und spielen die nicht eigentlich mit einer Stromleitung?

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Metalbands nennen sich gerne Penumbra (was aber bitte nicht zu Verwirrungen führe), Playfellow nennen ihren Erstling Penumbra. Der nicht ganz dunkle Rand eines Sonnenfleckens heißt so. Halbschatten. Und so klingt auch die Musik von playfellow. Nicht düster, aber deswegen noch lange nicht sonnig. Was man schon an Songtiteln wie „wolves“ und „pale halo“ ablesen kann. Die Gitarren flirren, der Gesang steigt sehnsuchtsvoll in Höhen, fängt aber an zu zittern bevor er ganz oben ankommt. Der Rhythmus stolpert selbstbewusst, bevor sich alles kurz in einer Ahnung einer Hymne entlädt. So starten playfellow in „penumbra”. “Wolves” ist ein fantastischer Opener, der in dreieinhalb Minuten eigentlich schon alles enthält was die Band ausmacht. Sehnsucht, melancholische Melodien, fragile Momente, (nicht zu aufdringliche) Hymnik. Das wird in den sieben folgenden Songs verfeinert, ausgedehnt, anders arrangiert dargeboten, aber so schön auf den Punkt kommt die Band nicht mehr. Hinzugefügt wird lediglich Klavierballadeskes („what was that again“) und Psychedelik (im Verveschen Sinn), besonders bei „[ampli]fire“.

Trotzdem lohnt es sich, das Album aufmerksam in aller Gänze zu verfolgen. Zwar sind Playfellow kaum wirklich eigenständig, ständig fliegen einem Namen wie Belasco, Coldplay oder (frühe) Radiohead im Kopf herum, aber man merkt, dass die junge Band tolle Songschreiber hat. Langeweile kommt selten auf und vom Radioformat haben sich playfellow offensichtlich verabschiedet um auch mal längere instrumentale Passagen einfließen zu lassen und nicht das Strophe-Refrain-Schema zu überstrapazieren. Hervorstechend ist insbesondere und stets die Gitarrenarbeit, die zwar nicht besonders komplexe Muster ausarbeitet, aber immer zur rechten Zeit interveniert und den Song in einer andere Richtung lenkt (wie bei „singing low“ von Düsterpop zum schiebendem Rockfinale) oder ein nötiges Ornament zu setzen. Neben dem Gesang sind es die Gitarrenmelodien, die „penumbra“ eine Seele und Identität verleihen. Durch sie wird der lange Abschlusstrack „red“ zu einem hypnotischen, verlorenen, aber warmen Song, durch sie kann man sich selbst in den drei Minuten von „Wolves“ ordentlich verlieren und sie verliehen „saigon“ die Schönheit, die der (etwas zu lange) Track braucht um nicht belanglos zu wirken.

„what was that again“ emanzipiert sich mit ausgiebigem Klaviergebrauch ein wenig von den Gitarren (wodurch der Anfang stark an Nick Caves „Henry Lee“ erinnert) und auch hier machen playfellow eine ordentliche Figur, auch wenn Sänger Toni Niemaier ein wenig mit seiner auch sonst latent vorhandenen Weinerlichkeit übertreibt und manche Songpassagen zu langgezogen sind.

Die Mankos auf „penumbra“ bleiben aber Kleinigkeiten, besonders wenn man das Alter der Band berücksichtigt. Für eine deutsche Indierock Debüt-CD ist das Werk jedenfalls bemerkenswert ausgereift und hochwertig. Fans der gelisteten Bands müssen reinhören.


playfellow website
playfellow auf myspace


Ähnlich:
belasco, kashmir, the verve, coldplay, the veils, radiohead, richard ashcroft, arid, zornik, muse, embrace, gammalapagos, starsailor, vega 4, mansun, saybia, snow patrol

16.03.2008
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!