. .

muddy world - finery of the storm


Erscheinungsjahr: 2006
Label: tzadik
Tracks: 10
Spielzeit: 45:46
Genre: alternative
Subgenre: post/jazz rock
muddy_world_storm.jpg
Bewertung: 8/10

rating

Pure Eleganz. Dieses Cover. Bewegung, Sex, Geheimnis, Düsternis.
Pure Eleganz. Diese Musik. Dynamisch, aufregend, enigmatisch.

Muddy World kommen aus Japan. Und von japanischer Musik hat man stets einiges zu erwarten - außer vielleicht Normalität. Man kann von Muddy World allerdings wirklich nicht behaupten, dass sie weit jenseits aller Normen agieren würden. Im Grunde genommen ist "finery of the storm" für eine japanische Band auf dem John Zorn Label Tzadik fast schon erstaunlich leicht verdaulich. Klar: Sie schlagen musikalische Haken, die gestandene Instrumentalisten blass werden lassen. Aber anhören kann man sich das Album eigentlich immer, dafür sorgt die überwiegend relaxte Atmosphäre und die ornamentalen Melodien der Gitarre.

"Finery of the storm" ist aber alles andere als Mainstream. Wer Postrock und Jazz paart und das ab und an mit den filigranen Gitarrenmustern des Flamenco (weit weniger offensichtlich hörbar, als Tzadik uns das mit der Labelinformation glauben machen will) mischt, kann ja noch nichtmal im Traum daran denken, irgendwo auf der Welt in irgendwelchen Charts zu landen. Mich würde es aber nicht wundern, wenn Radiomusikhörer stumm mit dem Kopf nicken würden, wenn etwa die sanften "Dewfall" und "cut" (übrigens zwei der raren Songs mit Gesang und damit so etwas wie die "Hits" der CD) auf dem Lokalsender zu hören wären. Aber sie können auch anders. Schon der Opener "Iron Ant" verbreitet, Nomen est Omen, nicht nur mehr Druck, sondern auch eine betriebsame Hektik, die von vielen Breaks, Fill-Ins und Melodie- und Rhythmuswechseln geprägt ist. Durch immer wiederkehrende Parts und nachvollziehbare Melodien aber auch für Nichtmusiker interessant. Nur sich nebenbei zu konzentrieren fällt schwer. Wie bei weiten Teilen der CD.

Muddy World scheinen, wie auch viele Instrumentalbands, eine Vorliebe für kurze, prägnante und assoziationsreiche Titel zu haben. "Fever" hört sich auch tatsächlich nach gemäßigtem Schüttelfieber an, "Duel" verbreitet anfangs High Noon-Atmosphäre und wird nach hintenraus immer dichter und spannender, bis es schließlich implodiert. Überhaupt haben Muddy World ein exzellentes Gespür für zeitliche Bezüge und Gegensätze. Verdichtung und Auflockerung, Beschleunigung und jähe Abbremsung, schroffes Geschrammel gegen zartes Gezupfe, das obligatorische Laut/Leise-Spiel: All das beherrscht das japanische Trio aus dem Eff-Eff. Und wendet es dementsprechend gekonnt an. Dafür brauchen sie nur Gitarre, Bass und Schlagzeug. Und den japanischen Gesang auf drei (bzw. vier - auf "Lilac" wird allerdings nur ge-"ahaah"t) Liedern. Der ist übrigens sehr konform ausgefallen. Postrocktypisch ist es kein begnadeter Sänger, aber dessen Organ ist letztendlich doch sehr ohrenschmeichelnd, fast wohltuend und setzt mit einem sehr entspannten, fast schon meditativen Gesäusel einen Kontrapunkt, wenn es mal komplexer und schneller in der Musik zugeht.
Trotz der vielen Wendungen und Gegensätze ist "Finery of the storm" ein sehr homogenes Album geworden, was die Qualität der Kompositionen, aber auch der nahezu perfekten und kristallklaren Produktion unterstreicht. Highlights herauszuheben fällt dementsprechend schwer; diese sind am ehesten am Gesamtsongaufbau und an den fein ausschmückenden Gitarrenmelodien zu erkennen. Ein Beispiel für Ersteres ist das oben genannte "Duel", aber auch "Granada" mit vielen, perfekt gesetzten dynamischen Steilkurven. Die lebhaften Gitarrenornamente sind hingegen in "Muddy Floor" und "Lilac" am Deutlichsten. Alle vier übertreffen aber die übrigen sechs Tracks nur um Nuancen.

Das einzige, was man vermisst, ist eine deutliche Abgrenzung gegenüber ähnlichen, vom Jazz beeinflussten Postrock-Bands. Und vielleicht irgendetwas Spektakuläres - aber gerade hier liegt auch die Stärke der Japaner: Keine Gimmicks nur um den eigenen Spieltrieb zu befriedigen und keine aufsehenerregenden Kapriolen.


Ähnlich:
This Heat, Sonic Youth, Tortoise, Massacre, AMM, Tied & Tickled Trio, Thela, Starfuckers, Family Fodder, Turing Machine, Ether Frolics, Can, Fugo, Sonic Youth, The sea and cake, Trans Am, Mogwai, Jim O'Rourke

04.03.2006
stativision (Tobias Goris)


:: Comments ::


Comment
Name:

Comment:

Security question, please solve:

U3K         SIK      
5      9      M   2R7
TE5   WWL     1      
  A    A      W   YL6
KFX           T      



Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!