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moonspell - of darkness and hope...


Erscheinungsjahr: 2001
Label: century media
Tracks: 11
Spielzeit: 51:37
Genre: metal
Subgenre: gothic metal
moonspell.jpg
Bewertung: 7.5/10

rating

Gespannt durfte man sein. Sehr gespannt. Nach 2-jähriger Auszeit ist es am 27. August 2001 wieder soweit: Moonspell werfen ihre inzwischen fünfte Platte auf den Markt und wer mit ihrer Vergangenheit vertraut ist, der weiß warum gerade dieses Album so wichtig in der Karriere der Portugiesen ist.

Mit dem Überflieger von 1996 "Irreligious" kreierten die 5 Bandmitglieder einen Meilenstein und definierten den Gothic-Metal neu. Nach 2 Jahren Pause und Querelen innerhalb der Band (Der selbsternannte Bandkopf Ares verließ die Band) überzeugten Moonspell abermals, mit einem düsteren, teilweise Depeche Mode-beeinflussten Album, "Sin/Pecado", dass jedoch eher gespalten aufgenommen wurde. Dem Frust nach dem Flop ist es wohl zuzuschreiben, dass der Nachfolger "The Butterfly Effect" noch düsterer, arschhart und vor allem sehr kalt klang. Ihre alten Fans konnten sie jedoch nicht zurückerobern, denn dafür klang das Album einfach ein wenig zu steril und vielleicht hier und da etwas gezwungen nach Manson & Co. Mehr zur Historie der Band in einer älteren Meinung meinerseits zum Thema Moonspell.

Dieses Album warf im Vorfeld viele Fragen auf: Machen Moonspell wieder etwas völlig neues ? Gibt es "Irreligious, Part II" zu bewundern oder verfolgt die Band den anno `99 eingeschlagenen Weg ?
Die Antwort ist einfach, aber nicht eindeutig. Beantworten möchte ich die Fragen nämlich mit einem "Von allem etwas".

"Darkness And Hope" ist wieder Gothic. Eindeutig. Allerdings nicht wie vor 5 Jahren bei "Irreligious" sondern transportiert ins Jahr 2001. Und doch hört man dem Album eindeutig an, dass es nie möglich gewesen wäre, wenn man "Sin/Pecado" oder "The Butterfly Effect" nicht aufgenommen hätte. Weder sind Moonspell zu den neuen Marilyn Manson mutiert, noch gibts pathetischen Vampirkitsch wie früher zu bestaunen. Doch natürlich sind auch neue Elemente dazu gekommen, die man bisher auch noch nicht aus dem Hause Moonspell kannte.

Eine Frage bleibt: Was sagen die Fans ? Wird "Darkness And Hope" angenommen oder abgelehnt ? Ich bin gespannt und kann mir beides sehr gut vorstellen. Persönlich tendiere ich eher dazu das Album anzunehmen. Warum will ich nun anhand der Songs einzeln erklären, da die erwartungsvollen Fans eine ausführliche Analyse verdient haben:

"Darkness And Hope". Der Titeltrack wurde ausgewählt, um die Scheibe zu eröffnen und somit Moonspell ins neue Jahrtausend zu führen. Und was soll man sagen ? Darkness, Hope. Den Song könnte man durchaus als Interpretation dieser 2 Worte bezeichnen. Langsam, schleppend und keyboardlastig geht man zur Sache, quasi so, wie wenn man diesem Lied am liebsten direkt an "Irreligious" anschließen wollte. Doch schon als der Gesang von Fernando Ribeiro einsetzt, weiß man, dass doch alles anderst ist. Nach "Darkness" kommt nun "Hope" zum Zuge. Sprich: Diese liebliche, doch etwas alternative Gitarre representiert "Sin/Pecado". Zusammen wunderschön und mit einer Tiefe, die man nich unbedingt von Moonspell gewöhnt ist. Sicher kein Highlight, aber eine sehr gute Eingewöhnung. Gimme more of this Darkness and Hope.

"Firewalking" macht sich allerdings eher dran, "Opium" vom Thron zu stoßen. Flott und Hart, die Explosion mit extra Double-Bass-Gezocke folgt im Refrain. Fernando grunzt sich die Seele aud dem Leib, "Try Firewalling Inside Of Me". Auf jeden Fall ein Hit, den alte Moonspell-Fans ihren Helden danken werden. Mit seinen knappen 3 Minuten auch nicht viel länger, als der Hit von "Irreligious". Besonders prachtvoll macht sich der verschleppte Mittelpart mit zuckersüßer Keyboard-Untermalung. Auf jeden Fall animiert dieser Song zu einem lauten "Moonspell Are Back!"-Ausruf.

"Nocturna" birgt dann die ersten Neuerungen im Sound in sich. Ein unkomplizierter, teils poppiger Goth-Song mit einem wunderschönen Riff & Refrain, der allerdings weit entfernt von "Quasi-Kindergothic" der Marke HIM oder Entwine ist. Hat man in der Form sicher noch nicht von Moonspell gehört, dürfte allerdings keine Fan ernsthaft vergraulen. Interessant.

"Heartshaped Abyss" ist ein von Loops untermalter typischer Gothic-Rocker aus dem Hause der Portugiesen, der durch seinen Refrain durchaus tagelang fesseln kann. Ich denke, dass die alten Fans so etwas durchaus hören wollen, auch wenn man nicht wirklich behaupten kann, dass dieser Song "Back To The Roots" gehen würde. Vielleicht haben Moonspel jetzt endgültig ihre eigene Nische im Gothic gefunden. Sehr Unterhaltsam.

Mit "Devilred" folgt leider ein etwas schwächerer Song, der mich nicht wirklich überzeugen kann, da er einfach nicht ins Ohr laufen will.
Natürlich ist der Song weit davon entfernt schlecht zu sein, doch die Offenbarung wird sicherlich nicht geboten. Hier stellt erstmals der "Butterfly"-Effekt ein: Ganz nett, aber sonst ? Insgesamt recht düster, dennoch flott und wieder mit Double-Bass unterlegt.

Doch wie so oft, folgt nach dem Tiefpunkt ein Höhepunkt: "Ghostsong" bietet relaxten, melancholischen und unglaublich schönen Rock, der vor Tiefe nur so strotzt und fast ganz ohne Gothic-Touch auskommt. Zeitlos und beeindruckend sind Adjektive, die ich in diesem Fall sehr gerne in Mund nehme. Auch hier merkt man überdeutlich, dass Moonspell ohne die beiden Vorgänger nie fähig gewesen wären, einen solchen Song zu schreiben, jedoch ohne dass das Lied auf jenen Alben hätte bestehen können, rein stilistisch. Weiterer Pluspunkt: Die zuckersüßen Orchester-Parts.

Und es geht im oberen Bereich weiter: "Repaces" zieht den Hörer durch seinen interessanten und ungewöhnlichen Keyboard-Part in den Bann, auf dem der ganze Song basiert. Dieser Song stellt für mich, wie kein anderer "Irreligious 2001" dar, da im im Text sogar wieder Vampire vorkommen und der Refrain doch arg Gothiclastig aus den Boxen brettert. "Irreligious" auf dem nächsten musikalischen Level, aber das sagte ich bereits. Super !

"Made Of Storm" ist ein typischer Luder-Song ("When I´m inside her, it feels like she´s made of storm". Eingänig ist das falsche Wort, denn mit dem komischen Basslauf, dem verqueeren Rhythmus und dem Gegrunze von Fernando wirkt der Song alles andere als kommerziell. Gegen Ende überzeugt die konstante Steigerung zur Raserei, incl. Refrain-Endlosschleife. Gut, aber nicht Genial.

Im Gegensatz zum nächsten Song "How We Became Fire", meinem absoluten Liebling auf "Darkness And Hope". Stilistisch schlägt der Song in eine ähnliche Kerbe wie "Ghostsong", jedoch noch perfekter und vollendeter. Die Bridge animiert fast schon zu Freudentränen und mit dem Refrain (den man seeeeehr lange im Kopf behält) verhält es sich ähnlich. Hier haben Moonspell alles, wirklich alles richtig gemacht. Sergio bringt sich als Bassist perfekt ein, Ricardo überzeugt mit einfühlsamen Licks und Soli, während Pedro (inzwischen kurzhaarig) mit seinem Keyboardkleister für die nötige Atmosphäre sorgt. Über Fernando braucht man glaube ich nicht wirklich auch noch Worte verlieren, oder ? Wenn ihr euch schon nicht die Scheibe zulegt, dann zieht euch wenigstens diesen Song aus dem Netz. Doch Warnung: Hört ihn drei mal an, bevor ihr ihn gleich als Langweilig abstempelt.

"Than The Serpents In My Arms" lehnt wieder an alte Großtaten an, klingt allerdings ´ne ganze Ecke positiver als die ollen Kamellen von früher. Dabei hätten Moonspell eher Grund verärgert zu sein, vorallem über den schleppenden Verlauf ihrer Karriere, den sie sich allerdings selber zuzuschreiben haben.

Der letzte Track "Os Senhores Da Guerra" ist, wie man dem Titel vielleicht entnehmen kann, gänzlich auf Portugiesisch gehalten und mit 6:30 min der längste Song der Platte und sicherlich auf der Außergewöhnlichste. Das Lied hat auf jeden Fall etwas von einem Volkslied (Ist es vielleicht auch ? Mir liegen leider keine Informationen vor...). Voller Pathos und epischen Auswüchsen bringt dieser Track das Ende von "Darkness And Hope". Auch wenn ich den Song persönlich gut finde, hätte ich doch lieber ein atmosphärisches Meisterstück ala "Full Moon Madness", "The Hanged Man" oder "Tired" gehört. Diese Intensität erreicht das Stück leider viel zu selten. Insgesamt sicher ein versöhnlicher Abschluss, wenn auch (oder gerade deshalb) sehr ungewöhnlich.

Die Produktion, die übriges in den Händen von Hilli Hiilesmaa (Sentenced, HIM, Children Of Bodom...) lag, hat den Jungs sicher gut getan, nachdem das letzte Album sehr steril (vorallem das Schlagzeug) klang. Hilli hat den Jungs die nötige Wärme zurückgegeben, ohne die Jungs allerdings in die HIM-Ecke zu drücken. Sicherliche der richtige Produzent für dieses Album.

Was kann man abschließend sagen ? Moonspell können eigentlich nur verlieren. Das ändert allerdings nichts daran, dass "Darkness And Hope" ein starkes Album geworden ist, dass man sicherlich nicht wirklich in dieser Form erwartet hat, seine Sache aber mehr als gut macht. Zwar haben die Portugiesen ihre Außergewöhnlichkeit, die sie mit "Sin/Pecado" aufbauten und mit "The Butterfly Effect" etwas zum negativen ausbauten, verloren, doch eines haben sie wieder gerlernt: Endlich wieder gute Songs zu schreiben, die ohne Umschweife auf den Punkt kommen und zu überzeugen wissen ohne stilistisch wirklich festgelegt zu sein.

Moonspell sind so unberechenbar wie immer. Jetzt jedoch sicherlich mit ein paar alten/neuen Fans mehr...

26.03.2005
kervorkian


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!