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ministry - houses of the mole


Erscheinungsjahr: 2004
Label: sanctuary/rough trade
Tracks: 9
Spielzeit: 58:19
Genre: metal
Subgenre: industrial metal
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Bewertung: 8/10

rating

Die Neunziger waren definitiv das Jahrzehnt des Ministeriums. Drei Überalben, drei Perlen, drei Wegweiser - und drei kranke Statements, was Musik angeht. "Psalm 69", "Filth Pig", "Dark Side Of The Spoon". Das sind Namen, die man sich auf der Zunge zergehen lässt. Das sind vor allem auch die Alben, die Ministry ausmachen, egal was andere behaupten. "The Land Of Rape And Honey" und "The Mind Is A Terrible Thing To Taste" gelten zwar gemeinhin als die großen Klassiker in der langjährigen Geschichte (wenn man natürlich von dem Megaseller "Psalm 69" absieht), aber ganz so kann ich das trotz der Qualität der beiden Alben nicht stehen lassen. Ins neue Jahrtausend starteten Ministry allerdings weniger gelungen: "Animositisomina" war der Versuch eines Kompromisses, der gnadenlos in die Hose ging. Zu einem neuerlichen "Psalm 69" konnte sich das Duo Jourgensen/Barker 2003 nicht durchringen, also gab es irgendwas liebloses zwischen "The Land Of Rape And Honey" und "Dark Side Of The Spoon" - das konnte nicht gut gehen.

"Houses Of The Molé" kommt ziemlich unerwartet und überrollt den Hörer förmlich. Der Vier-Jahres-Trott, in den Ministry seit 1992 verfallen waren, ist jedenfalls Geschichte. Zumal eigentlich alles gegen ein neuerliches Aufbäumen des Ministeriums sprach: Paul Barker, seit den späten Achtzigern zusammen mit Al Jourgensen die Konstante im Line-Up (und heimlicher Kopf), strich die Segel. Al Jourgensen ohne Paul Barker? Geht eigentlich gar nicht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Al gute 20 Jahre an der Nadel hing und nicht nur einmal dem Tod gerade noch von der Schippe gesprungen ist. Schön, dass das alles bei Al eine "Jetzt-Erst-Recht"-Stimmung ausgelöst hat.

Unverfroren kündigte er "Houses Of The Molé" als "Psalm 70" an, wetterte gegen George W. Bush (der auch das zentrale Feindbild auf diesem Album darstellt - nicht umsonst beinhaltet jeder Songtitel ein großes W) und macht seiner Wut mit einer tollen Platte Luft. "Psalm 69" richtete sich damals gegen George Bush sen., der damals ebenfalls im Golf wütete - von daher ist die Behauptung "Houses Of The Molé" wäre der legitime Nachfolger des Wunderalbums nicht aus der Luft gegriffen. Auch musikalisch gibt es so viele Parallelen, wie schon lange nicht mehr - selbst das Cover erinnert an 1992.

Der Opener "No W.", der sich zur Zeit anschickt ein kleiner Hit zu werden, bzw. in gewissen Kreisen schon einer ist, ist jedenfalls einer der besten Ministry-Songs seit seligen Stücken wie "Jesus Built My Hotrod" oder "Lava" und die haben immerhin 12, bzw. 8 Jahre auf dem Buckel. Aggressiv, wütend, verzerrt, rotzig wie Motörhead, treffsicher wie Ministry. Und sogar ein Gänsehautkandidat, wenn man sich den Schluss so anhört. "Schuld" daran sind die göttlichen Samples aus Orff´s "Carmina Burana", die dem Ganzen einen höllisch geilen "Kashmir"-Effekt verleihen. Dazu: Auszüge aus idiotischen Bush-Reden, die in dem Inferno wie Schlangenbeschwörungen klingen. Jougensen hat gar nichts verlernt, im Gegenteil: Was das Songwriting angeht, erlebt der bald Fünfzigjährige Jourgensen seinen zweiten Frühling. Wunderbar. Nicht nur, um beim Autofahren kräftig abzumoshen.

Sein Pulver hat das Album allerdings mit "No W." noch nicht verschossen: "Worthless" entwickelt sich durch sein treibendes Arrangement und den oft wiederholten, eigentlich völlig unspektakulären Refrain zu einem absoluten Ohrwurm, der sich eigentlich auf jeder Ministry-Scheibe ganz gut gemacht hätte. "Wrong" ist neben "No W." mein absoluter Lieblingssong auf "Houses Of The Molé". Dieses Riff ist fast genauso geil, wie das von "Dead Guy" damals auf "Filth Pig" - auch wenn der Song auf jeden Fall den Spirit von "Psalm 69" atmet. "WTV" ist die Fortsetzung des "TV II"-Massakers vom Vorbild: abgehakte Stakkato-Drums, rasende Gitarren und Samples aus dem Fernsehen. Hauptsächlich natürlich wieder Fehltritte von George W. Bush, von denen man kaum glauben mag, dass er solches Zeug wirklich verzapfen konnte, ohne dass ihm die Amis an die Gurgel gesprungen sind. Spricht nicht fürs Volk. Doch zum Glück gibt es ja auch solche Amis wie Al Jourgensen, der durch den Katastrophen-Präsident sogar noch ein paar Dollar mehr dazuverdienen kann. Sofern "Houses Of The Molé" im Zuge des neuen Michael Moore-Films ein paar Einheiten mehr verkauft.

"World" spielt mit Achtziger-Pop, mündet dann aber in einen Refrain, der so typisch-geil Ministry ist, dass einem schon wieder eine Gänsehaut über den Rücken saut. Sehr schön. Auch unumstritten eines der Highlights des Albums. Man merkt schon: Neun Songs sind nicht viel, da ist eigentlich jeder ein Highlight. Erwähnenswert ist allerdings noch der obligatorische lange Track, der diesmal "Worm" heißt und eine Überraschung mit sich bringt: Al hat seine Mundharmonika mal wieder ausgepackt. Ultra-Sick!

Die CD beherbergt noch zwei Hidden-Tracks: Zum einen "Psalm 23", die "No W."-Version von dem "Rock Against Bush"-Sampler, die im Vergleich zur Albumversion nicht ganz so kolossal geworden ist. Ohne den guten, alten Orff klingts eben nur halb so gut. Und zum anderen "Walrus", ein kleines Sample-Konglomerat, dass man sich eigentlich auch hätte sparen können. Aber so kann man die Trackanzahl eben geschickt auf 69 puschen. Psalm 69.

Machen wir uns nichts vor: "Houses Of The Molé" ist ein grandioses Album, welches ich Ministry, bzw. Al Jourgensen nach "Animositisomina" nie und nimmer zugetraut hätte, doch der Charme, der "Psalm 69" so besonders machte, ist nicht mehr da - obwohl sich die Songs allesamt auf selbiger Scheibe ziemlich gut gemacht hätten. Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach: Wer findet, dass Ministry seit 1992 keine gute Scheibe mehr veröffentlicht haben, der wird von "Houses Of The Molé" mehr als begeistert sein. Wer die Band nur wegen "Filth Pig" und "Dark Side Of The Spoon" mag, dem wird die Scheibe zu "normal" sein, schließlich blitzen hier die avantgardistischen Ansätze von früher zu keiner Sekunde auf (was ich persönlich auch ein wenig schade finde).

Egal, wie man letztlich zur musikalischen Seite der Platte steht: Sie ist ein verdammt wichtiges politisches Statement. Also geht hin und kaufet euch diesen Prachtstinker - und spielt viel, viel Luftgitarre zu "No W.".

10.03.2005
hlmr


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!