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machine head - through the ashes of empires


Erscheinungsjahr: 2003
Label: roadrunner records
Tracks: 10
Spielzeit: 53:38
Genre: metal
Subgenre: neo thrash metal
machinehead.jpg
Bewertung: 8.5/10

rating

They that sow in tears... shall reap in joy.

"Through The Ashes Of Empires" ist, man kann es drehen und wenden wie man will, die größte Überraschung, die der Metal im Jahre 2003 zu bieten hatte. Ohne Witz. Denn wer hätte schon damit gerechnet, dass die Neo-Thrasher Machine Head zu neuen Höhenflügen ansetzen? Kein Mensch. Machine Head waren schon längst abgestempelt: Nette Band, nette Alben. Fertig. Kann man kaufen ohne enttäuscht zu werden. Aber der echte Bringer war seit dem Debüt anno 1994 nicht mehr dabei.
Das sagenumwobene Debüt: "Burn My Eyes". Ein Götteralbum. Und der Fluch für Machine Head. Weil jeder in Machine Head anschließend nur "Burn My Eyes" sah. Folge: Keiner der Nachfolger wurde von den Fans wirklich vollständig akzeptiert. Irgendwas gab es immer zu meckern. "The More Things Change..." weil die Songs an sich nicht ausgereift genug waren (trotz dreijähriger Wartezeit). "The Burning Red", weil Robb Flynn auf einmal rappte und das Album einen latenten Nu Metal-Einschlag aufwies. "Supercharger", weil sich das Album zwischen alle Stühle setzte. Bei Machine Head galt, und da waren sich wohl fast alle einig: Früher war alles besser.
Doch in meinen Augen lag das nicht unbedingt an der Qualität der "Burn My Eyes"-Nachfolger, sondern eher an dem Umfeld und dem ganzen Drumherum, welches das legendäre Album umgibt. Ich finde eigentlich kein Machine Head-Album wirklich schlecht. Aber es stimmt schon: "Burn My Eyes" ist das Maß aller Dinge. Wie schon angedeutet, nicht unbedingt nur musikalisch, denn damals umgab Machine Head etwas besonderes. 1994 waren Machine Head die coolste (hell yeah!) Band der Welt. Bereit den Planeten zu unterwerfen. Vier langhaarige Jungs, tätowiert bis unters Kinn, gezeichnet vom Leben - richtige Männer eben. Verdammt harte Burschen. Und das meine ich jetzt nicht ironisch. Höchstens ein bisschen. Sie läuteten die legendäre "Biopanturahead"-Phase Mitte der Neunziger ein, die dann vom Nu Metal abgelöst wurde. Straßenköter, die verdammt harte Mucke machen. Klingt doof, war´s aber damals nicht. Kurz: Machine Head waren obercool. Umgeben von einer Aura der Zerstörung und Brachialität.
Doch dann kam der Rausschmiss von Drumtier Chris Kontos. Die Fab Four waren gesprengt und die Magie verpufft. Deshalb konnten die Jungs machen, was sie wollten: "Burn My Eyes" war das Album.
Bis jetzt.
"Through The Ashes Of Empires" kam aus dem Nichts und fegt wie ein Wirbelsturm über die Welt hinweg. Ein Berg von einem Album. Ein Koloss. Ein Manifest. Bla Bla.
Die Magie ist wieder da. Wahrscheinlich hat sie Phil Demmel, der neue Gitarrist, zurückgebracht. Denn er ist eigentlich der alte Gitarrist. Er spielte damals mit Sänger/Gitarrist Robert Flynn schon bei Vio-Lence (R.I.P.) - und schon damals harmonisierten die beiden prächtig. Jetzt ist es nicht anders. Doch nicht nur an ihm lag es, auch an der Entwicklung, die Robert als Mensch durchgemacht hat. Keine Drogen mehr, die schlimmen Kindheitserlebnisse (Adoption, Missbrauch) lyrisch verarbeitet und vor allem: Nach der doch arg gebeutelten Karriere von Machine Head nichts mehr zu verlieren.
So klingt "Through The Ashes Of Empires": Nichts mehr zu verlieren. Deshalb ist der Opener "Imperium" auch ein komplexes Metalmonster, welches sich über sieben Minuten erstreckt, und kein Dreiminütiger Single-Hit, wie z.B. "Crashing Around You" vom letzen Album. Machine Head sind wieder mit die coolste Band der Welt. Aber nicht so wie damals. Der alte Spirit ist endgültig weg. Doch Machine Head haben einen neuen, besseren entfacht, der wie der Arsch auf den Eimer auf das Jahr 2003 passt. Dieses Album hat alles: Gnadenlose Thrash-Attacken, sägende Nu Metal-Grooves, eingängige Melodien, schöne Harmonien, vertrackte Aufbauten und banale Strukturen. Einfach alles. "Through The Ashes Of Empires" bringt mindestens genauso viele Innovationen, wie "Burn My Eyes" damals. Damit wir uns allerdings nicht falsch verstehen: Dieses Album klingt nur deshalb nach dem Debüt, weil beide Alben von Machine Head sind. Und nicht, weil die Band versucht hat, das Debüt nachzuahmen. Im Gegenteil.
Überraschend ist vor allem die Tatsache, dass sich Machine Head so viel Zeit nehmen. 10 Songs in 54 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. Nicht nur "Imperium" (übrigens auch die erste Single - Fuck The Commerce!) weist Überlange auf, auch "In The Presence Of My Enemies" und "Descend The Shades Of Night" benötigen sieben bis acht Minuten, um wieder im Audio-Dschungel zu entschwinden. Robert sagt, dass die Band im Studio nur Rush rauf und runter gehört hätte. Und zwar die alten, richtig progressiven Sachen. Das hört man. Nicht, dass Machine Head jetzt plötzlich nach Rush klingen würden, nein, aber Machine Head nutzen die Überlange der Songs dermaßen raffiniert, dass die alten Meister doch irgendwie um´s Eck grinsen sieht. Will sagen: Was die Band in Sachen Arrangement dazugelernt hat, ist beachtlich.
Zwei Beispiele: Ein Kompaktes und ein Ausuferndes. "All Falls Down" ist nach Rezept eigentlich der perfekte Song im Rahmen vier bis fünf Minuten. Coole Strophe, ein unglaublicher (!) Moshpart, eine phänomenale Bridge und ein Refrain, der so klar wie ein Eisberg aus dem Riffmassaker herausragt. Ganz großes Kino und eines der Albumhighlights. Demnächst auch in ihrer Disco. Vielleicht wird sich dann endlich der Spruch erfüllen, den Robb Flynn anno 1997 mal auf Lager hatte: "Die Leute werden sich auf der Tanzfläche umbringen, wenn sie unsere neuen Songs hören". Sechs Jahre später würde ihm das zwar sicherlich nicht mehr über die Lippen kommen, aber es stimmt mehr denn je. "Descend The Shades Of Night" ist das beste Beispiel für die neue MH-Reife und eindeutig der spektakulärste Song, den die Band je geschrieben hat. Noch überraschender als "The Burning Red" damals. Robert zeigt, dass er nicht nur einer der gewaltigsten Brüller ist (Ich liebe seinen angerauchten Sound), sondern auch ein grandioser Sänger, der glockenhell trällern kann. Ein Song, der einen durch schlaflose Nächte verfolgt. Was für ein Refrain, was für Aufbau - in den letzten Minuten kommt es gar knüppeldick: Sphärisch, verträumt und so unendlich schwebend klingen vielleicht viele Bands, aber ganz sicherlich konnte man so was nicht von Machine Head erwarten. Unglaublich. Vergesst "Deafening Silence" oder bereits angesprochenes "The Burning Red" - DAS ist der neue Meilenstein, was die MH-Slow Songs angeht. Ich bekomme immer noch jedes Mal eine Gänsehaut und das obwohl ich den Song schon totgehört haben müsste.
Doch letztlich ist jeder Song auf "Through The Ashes Of Empires" eine Perle. Man muss nur ein wenig Geduld haben. Dann allerdings blasen dir die neue Machine Head den Schädel weg. Let Freedom Ring With A Shotgun Blast.
So muss Metal im 21. Jahrhundert klingen. Hart, melodisch, dunkel, anspruchsvoll, zeitlos und gut. Machine Head sind zurück und ich bin sicherlich nicht der Einzige, der sich darüber ein Loch in Bauch freut...

08.03.2005
hlmr


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  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!