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lightning bolt - hypermagic mountain


Erscheinungsjahr: 2005
Label: load
Tracks: 12
Spielzeit: 56:49
Genre: metal
Subgenre: hyperactivecore
lighbolt.jpg
Bewertung: 8/10

rating

Zack, erwischt. Schon der erste Ton ein Blitz ins Gehirn. Lightning Bolt machen keine Gefangenen. Sie nehmen die Essenz des Rocks, des Hardcores, schmeißen alles überflüssige weg, übrig bleibt Bass und Schlagzeug. Die allerdings mit höchster Präzision und extrem komplex bedient werden. Dazu gehören auch Heerscharen von Effektgerätbatterien vor dem ungewöhnlich bespannten und gestimmten Bass. Und auch die (seltenen) Gesänge werden mittels Entfremdungen unkenntlich gemacht.

Eigentlich sind Lightning Bolt ja eine Live Band. Die die Rohheit und Lautstärke und das Publikum des Liveauftritts brauchen, um ihre volle Intensität zu entfalten. Dennoch haben sie bisher einige Versuche unternommen, das Konzerterlebnis auf Konserve zu brennen. Nach eigenen Worten haben sie es erst mit "hypermagic mountain" (zweispurig direkt auf DAT aufgenommen) geschafft. In der Tat klingt die CD in erster Linie roh und direkt. Hochenergetisch sowieso.

Zieht man mal die Energie, Direkt- und Rohheit ab, dann bleibt aber im Gegensatz zu vielen ihrer entfernt verwandten Core-Kollegen immer noch etwas übrig: Hübsch verschachtelte Schlagzeugmuster die merklich vom Jazz beeinflusst sind, verzwirbelte Gitarrenlinien, deren vertrackte Bauweise man erst nach und nach entknotet und sogar ein paar, freilich sehr gut versteckte und nicht wirklich mitsummkompatible, Melodien. Überhaupt spielt sich fast alles bei Lightning Bolt auf zwei Ebenen ab. Das fängt schon beim Artwork an, dessen überdrehte Buntheit für ein ästhetisches Anspringen des Betrachters sorgt und durch diese Formen- und Farbenvielfalt überfordert, aufwühlt, mitnimmt und Emotionen auslöst. Beschäftigt man sich näher damit, entdeckt man aber Bezüge, Informationen, Botschaften. Genau wie im Innern des Booklets die Auskünfte über das Album erst entdeckt werden müssen.

"2 Morro Morro Land", der Opener, ist einer der schneller zündenden Tracks der CD. Wofür ein paar eingängigere Bassriffs sorgen - weniger der Extrem-Shuffle Beat des Schlagzeugs. In der Mitte des Tracks gibt es auch mal bellenden Gesang wie aus der Tiefe eines Tunnels. Nur kurz und wie ein zusätzliches Instrument. Das folgende "Captain Caveman" beginnt gar mit einem moshkompatiblen, auf die Knochen reduzierten Metalgroove, bevor ein überaus rasantes Feuerwerk aus Blitzriffattacken und mörderischem Schlagzeuggewitter folgt - aber wieder gibt es ein paar infizierende Bassriffs, die den Song immer wieder dann zusammentackern, wenn er droht, zu explodieren.

Der am meisten vom Gesang dominierte Track, "Birdy" ist instrumental gesehen für Lightning Bolt Verhältnisse eher schwach (fast schon zu redundant aber mit ein paar tollen Feedbacks in der Mitte), aber der verzerrte Singsang gibt dem Track doch noch die Daseinsberechtigung. So operieren Lightning Bolt gar nicht selten: Bevor ein Track zu sehr in eine Richtung kippt, geben sie ihm das nötige Etwas, um nicht vollends abzusaufen. Und so geht es auch dem Album. Kaum denkt man nach drei Tracks Hochgeschwindigkeit, jetzt dürfte mal etwas langsameres kommen, erscheint das anfangs erstaunlich löchrige "Riffwraiths" in etwas gemäßigterem Tempo. Übrigens bollern sie dort dann doch zu sehr auf einem ähnlichen (nicht gerade genialen) Rhythmus rum.
Auch "Megaghost" bietet zu Beginn eine willkommene alienhafte Verschnaufpause, wandelt sich aber dann zu einem der beachtlichsten Massakern der CD. Höllisch schnell mit genialen Einschüben und Breaks versehen. Höhepunkt.

"Magic Mountain" erinnert an eine Kreuzung aus Autorennen und Motörhead-Bass, bevor gegen Ende Orthrelm-artige Gitarrensounds (die später nochmal beim Intro zu "Bizarro Zarro Land" hervorstechen) aus dem Bass für Verwirrung sorgen. Vielleicht ist der erste Part etwas zu lang, der Song ist trotzdem genial.
Auf "Dead Cowboy" (der Track mit den meisten versteckten Melodien und dem besten Aufbau) klingt der Bass dann so, als würde er eine Western-Melodie mit Hochgeschwindigkeit auf die nächste Palme jagen. So kleine Anspielungen und Spielereien halten "Hypermagic Mountain" am Leben, auch wenn (was zweimal vorkommt) ein Song schonmal acht oder neun Minuten dauert.

Völlig aus der Reihe der quietschbunten, aber aggressiven Miniatursymphonien fällt nur "Infinity Farm" mit seinen fast schon comic-psychedelischen Geräuschteppichen in zwei Minuten. Wäre etwas früher als drei Minuten vor Schluss vielleicht besser platziert gewesen.

Bis auf ein paar Inseln der Langeweile (man kann schließlich nicht über eine dreiviertel Stunde am Stück ausflippen) ist "Hypermagic Mountain" ein grandioses Album geworden, das alles hat, was man sich von einer derartigen CD erwartet. Siehe Adjektive und beschreibende Substantive oben. Eine veritable Entschuldigung, um mit Kopfhörer (für die Feinheiten) auszurasten.

Enden tut das Ganze wie mit dem Messer abgehackt. Ähnlich der letzten Orthrelm-CD hallt das Geräusch noch eine ganze Weile im Kopf nach. Lightning Bolt wissen also doch, wann aufzuhören ist.


Ähnlich:
Orthrelm, the flying luttenbachers, Hella, bitch magnet, death from above 1979, dillinger escape plan, black dice, the mass

04.03.2006
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!