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kyuss - welcome to sky valley


Erscheinungsjahr: 1994
Label: elektra
Tracks: 10
Spielzeit: 51:58
Genre: alternative
Subgenre: desert rock
kyuss.jpg
Bewertung: 9.5/10

rating

Du betrachtest das Cover. Warme erdige Farben bekleiden das Stückchen Land, die Sonne geht hier in der Wüste unter und lässt den Abendhimmel rot erscheinen, die Erde schwarz, ein Schild ist erkennbar: "Welcome to SKY VALLEY", daneben scheinen stillgelegte Bahntreisen zu liegen. Alleine dieses Götterbild lässt schon auf Großes schließen. Schließlich überzeugten Kyuss schon vollends mit dem Vorgängeralbum "blues for the red sun".

Du öffnest die CD. Auf der linken Seite streckt sich ein Windrad in den blauen Wüstenhimmel. Lädt ein, das Booklet herauszuziehen.
Das Windrad, mit einem Fischaugenobjektiv fotografiert, steht einsam in der Wüste und gibt die Einsamkeit und Weite der Landschaft preis.
Auf der anderen Seite, die Bandmitglieder, auf einer Düne sitzend. Durchscheinend: Aufgeplatzte Erde allüberall, ziert auch das Motiv der CD.
Es wird sichtbar, dass die CD in drei Teile gegliedert ist, die jeweils 3 bzw. 4 Songs enthalten, insgesamt 10 Lieder an der Zahl.
Unten steht die Anleitung: "Listen without Distraction" - ernst nehmen.

Und die Namen der 4 Wüstengötter: John (Vocals), Brant (Drums), Josh(Guitars), Scott Reeder (Bass, neu eingestiegen).
Aber jetzt rein mit der CD in den Player, Anlage laut, Licht aus, "listen without Distraction!"
Die ersten Töne von "Gardenia" schlagen einem wie Flammen aus den Boxen entgegen, absolut heiß. Die Gitarren tiefer, die Drums breiter, der Bass schwuppert!
Alle Höhen sind vom Wüstenwind weggetragen, der Bass regiert das Land, die Wände erzittern.
John Garcia stimmt mit seinem heißblütigen, etwas jauligen Gesang ein und gibt absurde Zeilen zum Besten. Er selber sagt, dass man seine Lyrics nicht allzu ernst nehmen solle, deswegen seien sie nicht abgedruckt...
Die Band versteht es meisterhaft, ein und denselben Rhythmus eine ganze Zeit lang zu spielen und endlose Jamsessions und Spielereien darüber zu veranstalten. Die Gitarrenarbeit Josh Hommes ist schlicht genial. Auf das, was hier alles in 7 Minuten passiert, warte ich auf anderen sogenannte "Desertrock" oder "Stonerrock" CDs das ganze Album lang vergebens. Hier regiert der Geist der Wüste und das macht er verdammt gut! Es wird mit kraftvollen Klangfarben gemalt, Rot und Erdige Farben überwiegen auf diesem Album und besonders in "gardenia". Mehrere geschickte Tempowechsel lassen in dem überlangen Song keine Langeweile aufkommen, am Ende wird man nach dem etwas langsameren Mittelteil noch einmal richtig mitgerissen. "Get back a-get back a-rolling ...motherfucker".
Der zweite Song des ersten Teiles ist ein Instrumental namens Asteroid, durch die Gitarren ziemlich spacy am Anfang, daraufhin jedoch wieder mitreißend und hart, was sich mit einer Feedback-Orgie jedoch legt, daraufhin aber wieder spacy wird. Und noch einmal dasselbe Spiel. Erinnert an "Hawkwind", nur härter.

Kyuss haben sich selbst einmal als heavy Version von Pink Floyd bezeichnet, nur ohne jegliches Britentum, woraufhin man sich natürlich alles mögliche vorstellen kann - ich würde sie als Erben von Black Sabbath bezeichnen, mit einer großen Prise Hawkwind und durch die zahlreichen ruhigen Mittelparts trippiger, das alles versehen mit einer großen Portion Gefühl und Wüstensand. (Hatte ich vergessen zu erwähnen, das Kyuss aus der Wüste Amerikas stammen?)
Nur mal erwähnt, falls einer die Band nicht kennen sollte...

Der letzte Track des ersten Parts ist schon der erste sichere Übertreffer. Schon alleine der Name ist ein Hit: "Supa Scoopa and Mighty Scoop". So buchstabiert man Kult. Ebenso wie die Gitarrenlicks am Anfang und der Gesang Garcias - göttlich - ehe es dann mit rollenden Riffs so losgeht, dass es eine wahre Wonne ist. Anhören! Vor allem der Schluss ist dann interessant…

Der erste Teil ist abgeschlossen, der Aufbruch in die Reise der Wüstenländer geschafft, als nächstes schlägt einem die Hitze entgegen, "100°", der nächste Song ist ein kurzer schneller bluesiger Rocksong und man kann hier tatsächlich die Hitze spüren.
Danach kommt die Abkühlung im Schatten eines in der Wüste landenden Raumschiffes: Auftritt "Space Cadet", der zu mehr als säuseln nicht fähig ist, untermalt von leisen Gitarren. Eine wunderschöne Ballade zum zwischenzeitigen Entspannen.
Mit dem Space Cadet also auf zum "Demon Cleaner" - Garcia scheint ein Faible für Fantasy und Science Fiction zu haben. Dieser Song war wohl der massentauglichste und wurde infolgedessen auch ausgekoppelt, eine entrückte Atmosphäre wird durch den leicht sphärischen Gesang Johns erzielt und durch die Tribal-Drums wird der Song erstaunlich tanzkompatibel und trancig.

Mit den Ausflügen zu fantastischen Gebilden ist mit dem Ende des zweiten Parts aber noch nicht Schluss, der Dritte Teil beginnt mit einer "Odyssey". Einer der mitreißendsten Tracks des Albums, trotz, oder besonders durch die leisen Zwischenparts, die die feurigen harten Passagen unterbrechen, in denen zur Musik passend immer von einem brennenden Feuer und vom "Valley of the beast" gesungen wird.
Verfolgt wird dieses von "Conan Troutman", der Rambo-Anhängern sicher ein Begriff sein wird. Ein ziemlich simpel gestrickter, fast punkiger kurzer Song.
Das bluesige "N.O." ist der letzte Track vor dem Grande Finale, vor dem alles zermalmenden "whitewater" (hat - angeblich - nichts mit Politik zu tun, nichts mit der genauso betitelten Affäre des damaligen Präsidenten). Ein fast 8-minütiger Monstertrack, der alles beinhaltet, was Kyuss ausmacht: Einen relaxten Anfangspart, mitreißende feuerbewehrte Gitarrenwälle, die in Verbindung mit dem groovenden Rhythmusgerüst zum wilden Moshen einladen, den herausgepressten leidenden Gesang von Garcia und last but not least wilde Jamsessions gegen Ende, die bezeichnenderweise länger sind, als der eigentliche Song.

Ja und da bleibt noch das Helge Schneider-mässige, eindeutig zweideutige, anzügliche "lick doo", ein hidden track, der nicht wirklich schwer zu finden ist...

Aber was macht die Faszination dieser Band im Allgemeinen und dieser CD im Besonderen eigentlich aus?
Ist es die unendliche Variabilität, in allen Belangen?
Ist es diese seltsame entrückte Atmosphäre? Ist es dieser unnachahmliche Sound, der von Ignoranten als "müllig" abgetan wird?
Ist es dieses Mysterium, das die Band umgibt, ganz besonders diese CD?
Oder ist es ganz einfach deswegen, weil Kyuss eine der wenigen Bands waren, die noch Gefühl in ihre Musik legten?
Ich kann keine konkrete Antwort auf diese Fragen geben, es wird wohl eine Mischung aus all dem sein.
Fakt ist, dass Kyuss eine der faszinierendsten Bands dieses Planeten waren und mit ihren CDs auch immer bleiben werden!

Eine Schweigeminute für diese Band. Hoffentlich wird es keine peinlichen Revivals geben!

27.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!