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knott - everything you want


Erscheinungsjahr: 2008
Label: coast rock
Tracks: 11
Spielzeit: 43:00
Genre: alternative
Subgenre: alternative rock
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Bewertung: 5/10

rating

Es gibt Bands, die kommen nicht über den Status einer Provinzband hinaus. Sie tingeln über Stadtfeste, spielen vor mehr oder weniger interessiertem, meistens betrunkenem Publikum und enthusiastischen Jugendlichen, präsentieren ihre Stücke auf kleinen regionalen Festivals vor einer gesunden und treuen, aber erstaunlich langsam wachsenden Fangemeinde, landen mit etwas Glück bei einem winzigen regionalen Label und gewinnen bei überzeugenden Liveshows und instrumentaler Beherrschung ein paar Bandwettbewerbe der zweiten Liga. Nur eines bleibt ihnen vergönnt: Nationale Bekanntheit, Rezensionen in den großen Musikmagazinen, ein Vertrag mit einer Plattenfirma, die mehr als nur Verlegenheitspromo macht.

Ob Knott eine von diesen Bands sein wird, wird nicht dieses Debütalbum entscheiden. Momentan jedoch prangt dieses Prädikat "Provinzband" noch auf ihnen wie ein Stigma. Das Cover zeigt die Bandköpfe in wenig ansprechendem Design, das komplette, in unentschiedenem Stilmischmasch gestaltete Artwork schreit "Anfänger", die Kieler Band spielt auf norddeutschen Kleinstfestivals die zum Beispiel Scheunenfestival heißen und ist bei Coast Records untergekommen, die ihre Veröffentlichungsankündigung zu "everything you want" stolz mit dem nicht ganz korrekten Satz "Das Debut der unserer eigensinnigen PopRock-Combo" beginnen.

Das alles ist nicht fürchterlich schlecht und irgendwie auch charmant, aber dennoch spiegelt der momentane Status der Band auch ihre musikalische Qualität wieder. Knott spielen soliden Rock mit ordentlichen instrumentalen Fähigkeiten und manch netter Idee und sie haben eine Sängerin, die zumindest Charisma hat und sich stimmlich wandlungsfähig zeigt. Wer sich aber freiwillig mit Skunk Anansie vergleicht, der muss entweder verrückt sein, oder verdammt gut. Im Falle von Knott muss man leider zu ersterem tendieren. Oder der Band eine ausgesprochene Naivität zusprechen. Wie man "everything you want" auch dreht und wendet, fette Beats, Swing und orientalische Rhythmen, wie der Promotext uns glauben machen will, finden sich hier nur in homöopathischen Dosen. Und wenn diese stilistischen Ausflüge doch gewagt werden, dann wirken sie wie Fremdkörper. So ist "anywhere" ein netter Swing-Rocker, der aber im Kontext des Albums eher aufgesetzt klingt und sich nicht organisch einfügt. Ähnlich wirken die elektronischen Elemente wie beim Intro zu "the cage" eher wie ein Gimmick denn wie songdienliche Elemente. Im wesentlich gehen Knott aber auf Nummer Sicher und greifen auf standardisierte Rockschemata in drei- bis vierminütigen Songs zurück die von ihrer Laut/Leise und Soft/Hart-Dynamik leben. Oder eben auch nicht, denn "feelings explode" und "trying something new" wirken in all ihrer Vorhersehbarkeit und Naivität wie auf dem Reißbrett entstanden. Zum Glück hat der Kieler Vierer aber auch ein Steckenpferd. Gleich zu Beginn des Albums präsentieren Knott mit "goodbye" ihr bestes Stück: Leicht sphärischer, emotionaler wie harter Rock, nicht unähnlich rockigen The Gathering mit alternativpoppigem Anstrich. Schade, dass davon nicht mehr geboten wird. Der Rest pendelt zwischen modernem Rock mit manchmal pop-punkiger Seite und balladeskeren Teilen und kommt dabei leider nicht aus dem Durchschnittsquark heraus, worüber auch die gelungenen Klavierparts in "Books" oder der schöne, durchgehend ruhige hidden track "dream" (in dem Maria Reinhardt einen Ton lang tatsächlich an Skin von Skunk Anansie erinnert) nicht hinwegtäuschen können.

Ein großer Schritt für eine Provinzband, ein k(l)einer für die nationale Musikwelt. Erstmal auf das nächste Album warten.

Knott auf myspace
Knott
Coast Rock Records


Ähnlich:
Die Happy, Pink, Krezip, Skunk Anansie, K's Choice, Sarah Bettens, Exilia, The Gathering, Lambretta, No Bounds, weakerthans, flyleaf, eat no fish

05.08.2008
Tobias G.


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!