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klabautamann - der ort


Erscheinungsjahr: 2005
Label: heavy horses
Tracks: 8
Spielzeit: 47:29
Genre: metal
Subgenre: melodic black metal
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Bewertung: 7.5/10

rating

Mitten im kältesten Februar landet passenderweise die neue Klabautamann auf meinem Schreibtisch. Nachdem das letzte Album ganz dem Wald in seiner vollen Pracht gewidmet war, ist der neuen CD ein kälterer Anstrich verpasst worden. Nicht nur wegen der tiefen Außentemperaturen erweckt "Der Ort" diesen Eindruck: Schon der malträtierte Wald Ivan Shishkins auf dem Cover lässt einen erschauern. Und auch Songs wie "Winternacht" und "The River" lassen alles andere als wohlige Wärme in mir aufsteigen.
Beibehalten wurde jedoch insgesamt die musikalische Ausrichtung der Band: Aggressive Black Metal-Parts wechseln mit düster-melancholisch ruhigen Teilen ab, wobei Klabautamann immer Wert auf die Vielschichtigkeit der Stücke legen, was bereits im etwas zu hektisch geratenen Opener, der gleichzeitig Titeltrack ist, deutlich wird und sich auch mit steigender Spielzeit fortsetzt. Beim kompositorischen Highlight der CD, "Forlorn Sea" werden aber auch die Unterschiede zu "Our journey through the woods" deutlich: Neue Einflüsse fanden den Weg ins Klabautamannsche Spiel. Sowohl der klar singende Chor, als auch die breit angelegten Akustikpassagen lassen an 70er Jahre Progrock denken - und nicht zuletzt auch an Opeth, die mit ähnlichen Einflüsse bereits auf "Orchid" und "Morningrise" ihre melodischen Death Metal-Epen auflockerten. Die Qualität, mit der Klabautamann hier zu Werke gehen, ist indes beeindruckend. Zumindest "Forlorn Sea" lässt Münder offen stehen und keine Wünsche mehr übrig - hinter den besten Werken der offensichtlichen Einflüsse Opeth und Ulver steht der Song, wenn überhaupt, nur marginal zurück.
Und auch bei den nächsten sechs Songs wird klar: Programmatisch und härtetechnisch hat sich das Duo nicht gewandelt. Es sind die eingespielten Feinheiten, bei denen klar wird, dass sich Klabautamann mehr und mehr öffnen und auch genrefremde Einflüsse zulassen. Die seltenen ausgefallenen Parts, wie Akustikgitarren über Double Bass Getrommel im Titeltrack oder Djembe-Percussion in "Winternacht" werden mit Bedacht eingebaut. Die aus einem nun erweiterten Fundus entnommenen Stilmittel werden auch besser zusammengefügt, als noch auf "Our journey...". Und dass die Band nicht ausgewhimpt ist, beweist sie spätestens mit den beiden härtesten Tracks der CD: Das bei aller Raserei subtil melodische "The River" und die - sowohl textlich als auch musikalisch - Reminiszenz an alte Zeiten "Waldschrat", bei dem das Horn von Jack Slater einen überaus passenden Gastauftritt hat.
Mit "Red Urn" ist sogar ein durchgehend akustisches Stück vorhanden, das instrumental irgendwo zwischen frühen Genesis, späten Opeth und Porcupine Tree liegt. Lediglich der wasserklare Chorgesang könnte ein klein wenig variabler sein, hat aber auch so seinen Charme. Der schroffe Übergang zum folgenden "The wanderer" ist ebenfalls gelungen - der Song an sich leider weniger. Die vielen netten Ideen werden leider nicht adäquat unter einen Hut gebracht. Heraus kommt ein zerstückeltes Etwas, von dem man ahnt, dass es hätte wunderbar werden können. Wahlweise eilig zusammengeflickt, oder kaputt arrangiert...
Zu guter Letzt versuchen sich Klabautamann sogar an weiblichem Gastgesang: Auf "October" bemüht sich die unzweifelhaft begabte, mit einem relativ popkompatiblen Organ ausgestattete Isabel Jasse gegen die erstaunlich positiv klingenden harten instrumentalen Parts anzusingen. Was zumindest teilweise in die Hose geht. Miteinander musizieren sollte eigentlich anders klingen - zum Beispiel wie in der zweiten Hälfte des Songs, in der der weibliche Gesang schön mit den ruhiger instrumentierten Teilen harmoniert.
Ein warmer Abschluss einer kalten CD, die sowohl musikalisch, als auch textlich einen Schritt nach Vorne darstellt. Zwar beinhaltet das lyrische Oeuvre Klabautamanns noch immer in erster Linie Naturmystik mit all ihren Facetten, aber der teilweise doch recht plumpe Ausdruck der Vergangenheit ist - wohl auch wegen der neuen Schreiberlinge Christian Kolf und Julia Tomaschitz - bildhafter und düsterer Romantik gewichen. Besonders "Der Ort" und "The River" wissen in dieser Hinsicht zu gefallen und so lohnt sich auch das dicke Booklet, in dem alle Texte abgedruckt sind.

Heavy Horses Records
klabautamann


Ähnlich:
Ulver, Opeth, Nocte Obducta, Negura Bunget, Thy Serpent, Bergthron, Enslaved, Blazing Eternity, Borknagar, Diabolical Masquerade, Golden Dawn, Love lies bleeding, Mephistopheles, Primordial, Taake

03.04.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!