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great lakes myth society - same


Erscheinungsjahr: 2005
Label: stop, pop, and roll
Tracks: 15
Spielzeit: 50:46
Genre: alternative
Subgenre: indie folk
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Bewertung: 7.5/10

rating

Schön, dass sich immer mehr Bands in den USA auf ihre Wurzeln besinnen. Feinsinniger Folk, der noch Geschichten zu erzählen hat, trifft dabei auf 70s Rock, Independent Pop und Singer/Songwriter. So auch bei Great Lakes Myth Society, die schon im Bandnamen und Albumtitel die Verbundenheit mit folkloristischer Geschichte in die Welt hinaus tragen.

Musikalisch gibt es dementsprechend viel Geigengefidel, Banjos und Mandolinen, antik anmutende Harmonien, treibende Folkpassagen, aber auch hippieske Chorgesänge, ausgefeilte Soundeffekte und indiepoppiges Gitarrenspiel. Trotz aller Ähnlichkeiten zu den in letzter Zeit wie Pilze aus dem Boden geschossenen Bands in dieser Tradition wie Arcade Fire und Animal Collective, sind Great Lakes Myth Society eigenständig genug, um kaum an gängige Referenzen zu erinnern. Am ehesten kommen einem die letzten Werke von Sufjan Stevens in den Sinn. Nicht nur wegen dem Bezug zu Michigan und dessen Riesenseen. Auch wegen dem Wechsel von stillen, introvertierten Akustikpassagen mit Orchester- und Chorunterstützten Bombastparts. Bei letzteren hätten sich Great Lakes Myth Society, genau wie Sufjan Stevens, aber lieber ein klein wenig zurückgenommen; auch hier werden unangenehme Gedanken an jesusartige und räucherstäbchenduftumwehte Hippies geweckt, die besser verborgen geblieben wären. Auch wenig erbaulich sind die allzu volkstümlichen Passagen wie in "Big Jim Hawkins". Ganz so aufdringlich wird es aber dann doch nur selten und so kann man sich auf Vorzüge der Myth Society konzentrieren, die in der Hervorhebung kurzer, aber ganz besonders stimmungsvoller Momente (oft feinfühlig mit der Violine kreiert) liegen, aus denen die Spannung schnell wieder herausgenommen wird, um das Ruhige in der Musik zu betonen. Auch die Stücke sind dementsprechend platziert: Die dramatischen wechseln mit den stilleren ab. Und das funktioniert prächtig, die Spannungskurve wird so auf einem konstant hohen Level gehalten, das Album stülpt einem die Atmosphärekugel sanft aber unerbittlich über den Kopf. Gleich von Anfang an, mit dem Beginn von "the salt trucks". Zurückhaltend, aber unendlich charmant. Was auch die etwas zu 60s-Sunshinepopartigen Chöre im zweiten Teil des Songs nicht kaputt machen können. "Across the bridge" ist dagegen fast schon aufbrausend und mitreißend. Uplifting, wie der Angelsachse so schön sagt. Oder einfach nur schön. "Across the bridge we take our kind".
Gleiches Format ist auch im weiteren Verlauf nicht selten anzutreffen. Bei dem zauberhaften Gesang von "Marquette County 1959" schmelzen Herzen dahin und wenn in "Isabella County 1992" die Dramatik aus dem stillen Folk erwächst, leuchtet der Mond ein wenig heller. Sogar kurz vor Schluss hauen uns Great Lakes Myth Society mit "Cottonmouth" einen Hit um die Ohren, dessen Refrain sich problemlos mit den besten Songs des Jahres messen kann.
Bei diesen Momenten spürt man die wohl angestrebte Atmosphäre von großartiger Weite (des Wassers und der Felder) am Besten und es wird klar, wofür GLMS Musik machen. Um das Herz zu öffnen.


So ist dem Quasi-Newcomer (die Band war vorher unter dem sperrigen Namen the Original Brothers and Sisters of Love unterwegs) ein Wurf gelungen, der sich zum Beispiel kaum hinter dem großen "Illinois" von Sufjan Stevens verstecken braucht. Und das Cover ist zweifellos eines der schönsten in diesem Jahr.


Ähnlich:
the Original Brothers and Sisters of Love, Sufjan Stevens, Animal Collective, The Danielson Famile, Elliott Smith, Great Lake Swimmers, Rufus Wainwright, Songs:Ohia, The Mountain Goats, The Magnetic Fields, Bonnie 'Prince' Billy, Smog, Stars, Badly Drawn Boy, The Polyphonic Spree, Iron & Wine, M. Ward, The Divine Comedy, Super Furry Animals

21.12.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!