. .

fetish 69 - geek


Erscheinungsjahr: 1999
Label: doxa
Tracks: 13
Spielzeit: 50:10
Genre: beats/elektro
Subgenre: psycho elektronica
fetish69.jpg
Bewertung: 8/10

rating

Der Schock kam im Kölner Underground.
Meine herzallerliebste kranke Fetish 69-Crew, kurz vor Veröffentlichung ihres neuen Albums "Geek".

Bis zu diesem Tag hatte ich die Band zwar als für Überraschungen gut befunden, dachte aber, dass sie zumindest in ihrem relativ weiten, selbstgestrickten Korsett aus psychedelischen Noise-Parts, pluckernden maschinellen Industrial-Samples/Beats und wütenden abgehackten Hardcore-Songstrukturen sowie Metalriffs bleiben würden.
Eben genauso, wie es auf ihren vorhergehenden Alben "Antibody" und "Purge" geschehen ist.
Immer mit nett kranken, apokalyptischen Fotos aufwartend, bereiteten sie den geneigten Hörer frontal auf den uns selbst zuzuschreibenden Weltuntergang vor.

Doch was waren das für Klänge, die mir aus den Boxentürmen neben der zierlichen Bühne entgegenschallten?
Nix mehr mit massiven Wall of Sounds.
Keine Tinituserzeugenden Feedbacks mehr.
Keine Drums, die dich begruben.
Kaum mehr drogenvernebelte Zwischenparts.

Die Band hatte sich komplett umgekrempelt, mit Metal oder artverwandter Musik war da nichts mehr, ganz auf organisch erzeugte elektronische (häh?) Musik wurde gesetzt.
Auf jeden Fall war ich verwirrt (wohl nicht als einziger), fand das gehörte aber gut. Also CD gekauft, zuhause in aller Ruhe angehört.

Das Cover war nicht mehr so leicht zu identifizieren wie vorher, der leidende Mensch in der verwahrlosten, verdreckten Wohnung hat kein Gesicht mehr, nichts mehr, womit man sich konkret identifizieren könnte. Nur eines ist deutlich: es ist ein Mensch kurz vor dem Ausbruch.

Die Musik ist ähnlich gehalten, minimalistisch, angsteinflößend. Chefterrorist der österreichischen Band, Christian Fetish, dirigiert diese moderne Kammermusik des Grauens verhalten, erst als Freunde der Band Schlund bei "log on the fire" im Studio vorbeischauen gibt es härteren Breakbeat und vor meinem geistigen Auge spielt sich ein düsteres Science-Fiction-Scenario ab.
Nach dem paranoiden "keep the world locked out" das ein wenig an die gradlinigeren düsteren "Aphex Twin"-Stücke erinnert eine Erholung, weil es durch den Breakbeat ein bisschen tanzbar gehalten und nicht ganz so geisteskrank wie das Stück davor ist.

Ganz verhalten geht es weiter, mit düsteren verzerrten Basslicks beginnend, holt dich das "survival diary" ein. Ein Lebenszeichen des Covermodells? Von der technologischen krankheitsversuechten und kalten Welt verlassen und eingeschüchert, schwach, versucht es zu überleben und den Hass nicht nach außen zu entladen. Ende offen... "with every page fought my own weakness"
Durch die minimalistische akustische Untermalung des heiseren leisen Gesangs, der wie eine hassunterdrückende Variante Marilyn Mansons klingt, wird eine unheimliche Spannung erzeugt, die ihresgleichen sucht.

Mit diesen Zutaten geht es weiter und die geringe Varianz zeugt von einer trockenen ausgesaugten Welt, die Individuen unter der Last der Plagen begräbt und alleine lässt.

Während früher der Hass auf den CDs von Fetish 69 ausbrach, ist das hier das Heranschwellen des Ausbruches des Psychopathen. Schon alleine weil man das auf "geek" förmlich spüren kann wie bei kaum einem anderen Album ist die hohe Punktzahl rechtfertigt.

Absoluter Anspieltipp: Das jazzige, mit schönem Klavierpart unterlegte "Back Downhill". In Sachen düsterer Neuzeitatmosphäre kaum zu übertreffen. Visionen werden mit Halluzinationen und Realität eines geistigen Erdbebens kombiniert, eine einfache und mit klaren Metaphern durchsetzte Sprache Fetishs, an Eindringlichkeit aber ohne Referenz.

Wer auch nur irgendetwas mit düsterer, minimalelektronischer Musik mit ungewöhnlichen Vocals anfangen kann, kann hier bedenkenlos zugreifen.


Ähnlich:
Scorn, Spectre, Lab Report, Schlund, Slowly we bleed, Yound Gods, Techno Animal, Godflesh, Tribes of Neurot, Neurosis, Throbbing Gristle, Einstürzende Neubauten, Marilyn Manson

27.03.2005
stativision (Tobias Goris)


:: Comments ::


Comment
Name:

Comment:

Security question, please solve:

PTH         I        
U T    8    9 I   YW9
BTW   H96   O9A      
  2    C      B   G42
242           A      



Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!