. .

ephel duath - pain necessary to know


Erscheinungsjahr: 2005
Label: earache
Tracks: 9
Spielzeit: 38:17
Genre: avantgarde
Subgenre: apocalyptic freecore
ephel.jpg
Bewertung: 9/10

rating

"You cannot claim to know a medusa if you have never experienced its painful touch. You don’t know what’s best for you if you have never experienced pain. Pain is necessary to know."

So beschreiben Ephel Duath ihr Coverartwork. Und ihre Musik. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. "Pain is necessary to know" muss man hören, muss man fühlen.

War die Band beim Debüt "Phormula" noch stark im Black Metal verwurzelt, der aber auch dort schon aufgebrochen wurde und von der Ideenlosigkeit der sonstigen Szene weit entfernt war, brachen beim folgenden "The Painter's Palette" alle Dämme. Schmerzvolle, komplexe Riffs über Knüppelbeats und dazu Schreigesang waren eine Seite der Medaille, die andere Seite war mit Jazz und Elektronika und ruhigen, fast besinnlichen Parts beladen. Stetig wurde Spannung aufgebaut, bis diese in einem alles zusammen stürzenden Chaoscoreteil zusammenbrach und erneut aufgebaut werden musste.

"We'll enter this room, where noise walks solemnly".

In 2005 haben Ephel Duath endlich zu sich selbst gefunden. Die Arme der Medusa zeigen die vielfältigen, bizarren Wege, voller Schmerz, voller Selbstfindung. Die knappen 40 Minuten auf "pain necessary to know" bringen sämtliche Synapsen zum Vibrieren. Steht ganz am Anfang der CD noch eine unschuldige Hammond Orgel, mit der auch Helge Schneider gerne hantiert, fallen daraufhin aus heiterem Himmel düstere Gitarrenakkorde und brachiale und gleichzeitig zurücknehmende Rhythmen hinunter. Die sich komplex ineinander verzahnen, stoppen, wieder losbrechen und sich dann zusammen mit härteren Gitarren und dem Schreigesang zu einem zackigen Gebirge auftürmen, das den Horizont versperrt. Feinste Details scheinen trotz des plötzlichen, oft nur Sekundenbruchteile dauernden Einsatzes so logisch, als gehören sie genau dahin und selbst wenn plötzlich ein fast fröhlicher Jazzpart daherdudelt ist das zwar absurd, aber durch sich selbst überzeugend. "Disharmony has a brilliant face". Noch so ein Ephel Duath Satz, der ihre Musik perfekt beschreibt.

Dem Metal haben sie wohl endgültig adieu gesagt. Kaum ein Riff hört sich mehr fett und akzentuiert an, sie schrammeln eher, als dass sie braten. Was der Musik gut tut, so bekommt "pain necessary to know" das etwas diffuse Klangbild, was die Strenge von manch exaktem, ruhigem Zwischenpart etwas aufhebt. Zusätzlich wird diese durch viele jazzig-loungige Spielarten aufgehoben, die aber nie zum Zurücklehnen einladen, sondern immer fordernd sind, immer darum bestrebt, den Hörer wach und aufmerksam zu halten. Und Ephel Duath schaffen das wie sonst höchstens Projekte um John Zorn oder Mike Patton, die übrigens wohl dieselbe Zielgruppe haben.

"Analysis seems to be the better answer"

Die Unterteilung in neun Songs hätte nicht unbedingt sein müssen. "Pain necessary to know" wirkt sowieso vielmehr wie ein riesiger, düsterer, aber interessant glänzender Brocken, der nur auf den ersten Blick abstößt. Man freut sich geradezu, die zahlreichen Nischen zu erkunden, die versteckten Vorsprünge und wenn es wehtut, lacht man nicht irre, sondern wissend.
"wish of tranquility stinks like an absurd lie"
Man wird süchtig nach der CD. So muss sich ein Masochist fühlen, auf der Suche nach Schmerz. Ephel Duath hat Gott sei dank so viele Wiederhaken, dass diese sich nicht schnell abnutzen. Sie treffen das Rückenmark, das Innerste, sie treffen das Herz wie das Gehirn und den Bauch, jede Spielerei auf dem Album ist wie ein Geschenk und selbst der wohl einzige etwas schwächere Punkt Ephel Duaths, der oftmals verzerrte, manipulierte Schreigesang, hat in seinem (zumindest nach den ersten drei Songs) seltenen Auftreten etwas notwendiges.

Zum Zentrum dieser Medusa wird man vielleicht nie vordringen. Wichtiger ist, dass sie einen berührt. Und wissen lässt.

"when you still confuse the smile to offer, it's hard to feel the perfect vibration"


Ähnlich:
Naked City, John Zorn, Candiria, Painkiller, The Locust, Melt Banana, Dillinger Escape Plan, The Daughters, Beecher, Mr. Bungle, The Mass, Meshuggah, Botch, Breach, Converge, Mars Volta, Boredoms, Ruins, Between the buried and me, Dog Fashion Disco, Yakuza

14.01.2006
stativision (Tobias Goris)


:: Comments ::


Comment
Name:

Comment:

Security question, please solve:

GCE         P7T      
6      5      Q   RW3
AHH   BDD   D6O      
T C    S    G     5YY
FCI         TNU      



Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!