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endearment - we are the factory


Erscheinungsjahr: 2004
Label: meerwert
Tracks: 10
Spielzeit: 38:58
Genre: Alternative
Subgenre: indierock
endearment.jpg
Bewertung: 5.5/10

rating

Endearment also. Kosename. Merkwürdiger Name für eine gar nicht so merkwürdige Band aus Bielefeld. Noch vor dem Auspacken erscheinen vor dem geistigen Auge Sozialwissenschaftsstudenten, die in ihrer Freizeit Indierock spielen. Nicht weit von diesem Bild entfernt halten sich Endearment dann auch tatsächlich auf. Ihre CD heißt "we are the factory", ihre musikalischen Wurzeln liegen im frühen 90er Indierock der USA (sub pop dient hier als entfernte Referenz), aber auch im Emocore der letzten Jahre. Die Songtitel tragen vergeistigte Namen wie "algebra", "immanuel kant is dead", "committing cultural suicide" und so fort. Und der Sänger kann nicht singen. Dieser Punkt ist leider eminent bei allen Endearment-Songs, außer natürlich beim abschließenden Instrumentaltrack "le vin rouge". Nun ist es ja so, dass auch der 90er Indierock der Ami-Bands nicht gerade mit ohrenschmeichelndem Gesang ausgestattet war, aber da war mehr Charme oder zumindest ausgefallene Gesangslinien im Spiel. Insofern macht Felix' Gesang auf "we are the factory" einiges zunichte. Davon abgesehen besitzen Endearment nämlich doch einige Eigenschaften, mit denen sie punkten können: Die Songstrukturen sind ausgefeilt (manchmal zu sehr - auf Spontaneität wartet man jedenfalls über weite Strecken vergeblich), die Instrumentierung gelungen, sogar ein paar Melodien dringen, obwohl scheinbar nicht darauf angelegt, ins Unterbewusstsein. So spuken einem Teile von "kant is dead" noch nach einer Weile im Kopf herum und auch der Titeltrack entpuppt sich als veritabler Ohrwurm. Zwischendurch schrammeln sich Endearment dabei immer mal wieder an den Rande der Belanglosigkeit - aber selten darüber hinaus.

Die Texte zur Musik offenbaren zwar einiges an interessantem Gedankengut (besonders schön: "committing cultural suicide" und "a piece of peace"), nicht selten werden aber - bei aller Liebe für die Themen - unangenehme Erinnerungen an abgeschmackte Sowi-Schulstunden wach, wie bei "algebra" und "immanuel kant is dead". Und die in aller Kürze naturgemäß zu oberflächliche Betrachtung zur Isreal-Lage "israel" ist ebenfalls nicht auf der lyrischen Habenseite des Albums zu verbuchen.

So verbleibt nach der Rezeption von "we are the factory" ein unentschlossener Eindruck auf des Hörers Gesicht zurück. Anders als der klar gegliederte Bau auf dem Cover bleibt das Werk zwiespältig.
Zu Weihnachten wünsche ich mir etwas Gesangsunterricht für den lieben Felix oder gleich einen neuen Sänger für Endearment. Dann dürfen sie auch weiter ungestraft Marx-Zitate in ihren Texten unterbringen und Immanuel Kant für tot erklären.

www.endearment.de


Ähnlich:
marr, lockjaw, fugazi, quicksand, hüsker dü, the replacements, sonic youth

13.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!