eheruncool - wonach wir suchen
Erscheinungsjahr: 2009 Label: tumbleweed / broken silence Tracks: 7 Spielzeit: 34:58 Genre: alternative Subgenre: alternative deutschpop
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Bewertung: 5.5/10
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Bei manchen Veröffentlichungen weiß man einfach nicht, was man davon halten soll.
"wonach wir suchen" ist so eine. Das fängt beim Bandnamen an, der sich immerhin ganz gut selbst beschreibt und ganz im Gegensatz zum schönen Artwork steht.
Das geht weiter beim Format der CD. Ist "wonach wir suchen" mit seinen sieben Songs und 35 Minuten Spielzeit nun eine zu groß geratene EP oder ein kleinwüchsiges Album? Die Musik macht es einem auch nicht einfacher. Dieses dumpfe, etwas nach Plastikkisten klingende Schlagzeug, kann das ernst gemeint sein? Diese ständig verstimmt klingenden Gitarren? Dann ist da aber noch dieser faszinierend klare und verspielt-melodische Bass. Und der Gesang, der einerseits selten den Ton hundertprozentig trifft und ihn auch kaum halten kann, aber andererseits angenehm eigenständig und emotional berührend ist.
Natürlich auch die Texte.
In "es gibt keine worte" und "lebenszeichen" mit markanten Sätzen über Gefühle und Melancholie wunderbar gelungen, ärgern eheruncool den Hörer mit "fünf stunden von Hamburg" (inklusive Erwähnung von Blumfeld im Refrain), dem ungelenken Selbstmitleid in "wonach wir suchen", dem holprigen Kitsch in "es braucht nicht viel" und vor allem mit dem Aufspringen auf einen abgefahrenen Zug mit "neue deutsche Popkultur", in der es sich eheruncool erstaunlich einfach machen, die etwas unbekümmerteren Vertreter der deutschen Popmusik abzukanzeln.
An vielen Stellen fängt "wonach wir suchen" ein.
Der Opener besticht neben seinem guten Text mit dieser Atmosphäre von jener heimatloser Melancholie, die nach Schmerz und Freiheit gleichzeitig klingt, genauso wie "lebenszeichen". Der Refrain von "es braucht nicht viel" ist gar zauberhaft schön.
An vielen Stellen stößt "wonach wir suchen" ab.
"neue deutsche popkultur" ist zu sehr gebremste Aggression. Der erste Teil von "fünf stunden von hamburg" ist auf CD gebrannte Langeweile. "zwischen nacht und tag" fast genauso unspektakulär.
Insgesamt jedenfalls klingt "wonach wir suchen" zu oft nach sehr gewollt, aber leider nicht gekonnt. Vieles will offensichtlich nach charmantem Lo-fi a lá Sonic Youth klingen, übrig bleibt aber, wie der Drumsound und viele Gitarrenparts zeigen einfach nur angeschrägter Quatsch, der besser im Proberaum geblieben wäre. Schade um die vielen guten Momente.
Ähnlich:
Blumfeld, Delbo, boxhamsters, fehlfarben, sonic youth, Klez.e, flowerpornoes, ostzonensuppenwürfelmachenkrebs, kajak, kante, erdmöbel, samba
31.01.2009
stativision (Tobias Goris)