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dredg - el cielo


Erscheinungsjahr: 2002
Label: motor/universal
Tracks: 16
Spielzeit: 57:10
Genre: alternative
Subgenre: prog alternative rock
dredg.jpg
Bewertung: 9/10

rating

Dredg? Sind das nicht die, die auf ihren Bandfotos immer pennen? Jaja, die sind das. Komische Band. Tun so, als wenn sie aus Mexico wären, sind aber aus Kalifornien. Na ja, da gibt's auch Wüste. Tool? Nee, Nee. Da passen Dredg nicht ganz dazu. Klar, vielleicht erinnert der ein oder andere Rhythmus an Tool (cool?), aber sonst? Tool klingen mehr nach ´ner dunkeln Sci-Fi-Burg bei Gewitter. Dredg sind da irgendwie erdiger, wärmer, schöner, freundlicher. Vielleicht sogar intensiver (Jaha!) und emotionaler. Wie, geht nicht? "El Cielo" ist doch der Beweis. Außerdem: Was will ich hier mit Tool? Schließlich gibt es auch Leute, die werfen At The Drive-In, Incubus und die Deftones in den Raum, wenn es um Dredg geht. Schwachsinn, sag ich. Klar, die ein oder andere Nuance vielleicht. Aber sonst? Ich sag mal was: Seigmen. Ja. Seigmen. Diese dezenten Gitarrenharmonien haben nicht nur was von "From Dusk Till Dawn" sondern auch von Seigmen. Ich schwör.

"El Cielo" ist das erste Album, das die Europäer von Dredg geboten bekommen. Selber schuld. Schließlich gibt´s noch ein anderes Album. Ist aber schon gute vier Jahre alt. "Leitmotif" - komischer Titel, klar. Aber Dredg sind ja auch ´ne komische Band. Gehen z.b. mit 4lyn auf Tour. Kinderkacke (sorry, 4lyn - aber schaut euch mal eure Fans an) vs. esoterische Intellektuellen-Musik. Jaja, klar. War die Idee der Plattenfirma. Na gut. Ich hätte abgelehnt, so als Band. Das bringt doch sowieso nichts. Vielleicht kaufen sich ja ein paar 4lyn-Kiddies diese Scheibe. Aber wer von denen soll die bitte verstehen? Das ist schließlich verdammt schwer. Und ich hab immerhin schon ganz andere Platten geknackt. Aber das war gar nicht das Thema. "Leitmotif". Also: Ganz anders als "El Cielo", aber das sagte ich bereits. Das war so ein langer Song - war auch ein Konzeptalbum. Wie ´ne Jam-Session in der Wüste. Nein, ohne Kyuss. Die gabs doch da schon gar nicht mehr, also bitte. Schon eher mit den Queens Of The Stone Age. Aber auch nicht wirklich. Die Platte war jedenfalls voll von verschickten Solo, inspirierten Endlosschleifen und schönen Melodien. Teilweise sogar richtig hart. Aber selten. Meistens verspielt. Lange Rede, kurzer Sinn: Ein tolles Album.

Aber jetzt ist ja das neue Album da. Das zweite. Und das ist ja auch anders, wenn "Leitmotif" ja schon anders war. Klingt logisch, oder? Natürlich. "El Cielo" ist der Soundtrack zu etwas. Aber nicht zu einem ungedrehten Film. Das ist doch langweilig. Gibt´s inzwischen doch auf fast jeder "anspruchsvollen" CD. Da kann ich sogar wieder Seigmen ins Spiel bringen. Die haben das sogar offiziell auf ihr Backcover geschrieben. Und Ulver sogar auf´s Frontcover. Nee, also so sind Dredg dann doch nicht so ganz. Vielleicht fast, aber eben nicht ganz und das reicht. Trotzdem: Manche Sachen auf diesem neuerlichen Dredg-Album haben schon was von ´nem Film an sich. Vor allem diese Interludes. "Brushstrokes" heißen die jetzt. Früher "Movement". Also auf der ersten CD. Ihr erinnert euch? "Leitmotif" - genau. Die sind schon filmisch, doch. Und gut. Aber die normalen Songs sind natürlich noch viel besser. Ja, richtig: Normale Songs. Die gibt's nämlich auf "El Cielo". Ist halt doch songorientierter als der Vorgänger. Merkt man vor allem daran, dass Gavin Hayes nach Herzenslust singen kann. Das ging bei "Leitmotif" noch nicht so ganz. Da wirkte das ganze eher wie eine Instrumental-Vorstellung mit gelegentlichen Gesangspassagen. Die waren dann aber auch wirklich gut.

Das Album hat man auf der George Lucas-Ranch aufgenommen. Bei San Francisco. Trotzdem klingt die CD nicht kriegerisch-futuristisch wie Star Wars (das wären eher Tool), sondern abenteuerlich-locker wie Indiana Jones. Ganze drei Produzenten ließ man ran. Weil die Band CDs, die einen durchgänigen Sound haben, langweilig finden. Tja, eigentlich merkt man da bei "El Cielo" auch keinen großen Unterschied. Die Betonung liegt auf "keinen großen", denn vorhanden ist sehr wohl einer. Allerdings sollte man da schon am Tropf, bzw. unterem Kopfhörer hängen, um das rauszuhören. Sehr fein, aber gut. Übrigens: Ist gar kein Problem, diese CD mit Kopfhörern zu hören, weil die so gut wie nie langweilig wird. Eigentlich nie. Daran sind die vielen schönen Songs schuld. Die machen einem Gänsehaut und lassen einen fliegen. Und irgendwie doch so melancholisch-flockig-fröhlich, dass einem ganz kirre im Hirn wird. Also, wenn man die CD öfter gehört hat. Muss man ja heutzutage bei vielen. Ist vielleicht auch ganz gut so. Aber auf jeden Fall sind die Songs schon ganz toll. Aber herausheben möchte ich eigentlich keinen so recht. Ist doch klar, warum: "Leitmotif" war ein Konzept-Song im Albumformat und diese CD ist eigentlich auch nicht viel anders, aber man kann sie zerpflücken. Im Auto hören - ohne die Interludes. Dann sind´s ganz normale Songs, die Dredg da gemacht haben. Nur eben mit göttlichen Refrains und rührenden Traumanregungen jenseits jeglichem Kitsch. Jaja, Pathos gibt es hier natürlich schon zu genüge. Aber das stört mich herzlich wenig. Nicht in diesem Zusammenhang. Man sollte das auch auf keinen Fall mit Manowar´schem Pathos gleichsetzen. Schon klar, oder?

Das Beste an Dredg ist ja, dass man sowas eigentlich noch nicht wirklich gehört hat. Klar, es ist modern und passt verdammt gut in unsere Zeit. Von mir aus Nu Metal. Auch wenn´s doch irgendwie weh tut, wenn man daneben 4lyn hampeln sieht. Und diese ganzen schon angesprochenen Vergleiche. At The Drive-In, Deftones und so: Wer braucht das eigentlich? Dredg sind Dredg. Sicherlich, jemand, der sowohl die Deftones als auch At The Drive-In mag, wird wohl auch mit Dredg etwas angefangen können, aber trotzdem. Pah. Das ist wirklich was Eigenes. "El Cielo" heißt die Scheibe. Tiefgründig, anspruchsvoll - vollkommen? Lasst mich das Ding noch ein paar Mal anhören. Vielleicht kann ich die Frage in ein paar Jahren beantworten.

08.03.2005
kervorkian


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!