. .

down - nola


Erscheinungsjahr: 1995
Label: eastwest
Tracks: 13
Spielzeit: 56:38
Genre: metal
Subgenre: doomcore
down.jpg
Bewertung: 9.5/10

rating

New Orleans ist eine faszinierende Stadt. In der Stadt, die lange Zeit in französischen Besitz war (man mag es am Namen fast schon erraten) läuft alles ein wenig anders.
Beerdigungen verkommen zu einem fröhlichen Festakt, anstatt in tiefster Trauer zu versinken. Die Beziehung zum Tod ist ganz änderst als in den restlichen USA. Welche Stadt hat schon einen Friedhof der "Odd Fellows Rest" (frei übersetzt: "Ruhestätte der komischen Typen") heißt ? Dennoch wird New Orleans von einer stetigen
Melancholie umgeben, sprich: Die Stimmung ist einzigartig. Nebenbei ist New Orleans die Geburtsstätte jeglicher moderner Musik. Ja, richtig gehört. Es waren die schwarzen Sklaven, die damals ihre Trauerlieder in Bluessongs verpackten, aus denen sich später der Jazz und eigentlich alle anderen Musikstile entwickeln sollten. So ist natürlich selbstverständlich, dass die meisten Band, die aus New Orleans stammen ein wenig anders klingen, als in normalen Großstädten. Zumindest die Metal-Bands. Als Beispiele könnte man Crowbar, die mit ihrem Doom die Leute verzücken bzw. plattwälzen, Eyehategod, die mit völlig kranken und dreckigen Sludge-Core aufwarten oder gerade Down, mit denen ich mich näher beschäftigen werde, anführen, ferner gibt es z.b. noch Floodgate oder Soilent Green. Alle diese Bands haben eines gemeinsam: Diese süße New Orleans-typische Melancholie und ein einzigartiges Gespür für Melodien.

Eines Tages beschlossen 5 New Orleans Urgesteine, die nebenher alle noch in anderen Bands tätig waren, eine Band zu gründen und der Welt zu zeigen, was eine ordentliche Dosis New Orleans ist. Bei diesen 5 dynamischen, jungen Leute handelte es sich um zuerst einmal um Kirk Windstein, hauptberuflich Gitarrist und Sänger von Crowbar. Er übernahm eine der beiden Gitarren. Pepper Keenan, dürfte einigen von Corrosion Of Conformity, kurz C.O.C., bekannt sein, schnallte sich die zweite um. Sexy T., der im bürgerlichen Leben Todd Strange heißt, übernahm den Bass. Auch er war war hauptberuflich bei Crowbar eingestellt (er verließ die Band vor wenigen Monaten). Das Schlagzeug wurde Jimmy Bower, dem Gitarristen (!!) von Eyehategod, zugeteilt, der allerdings auch lange Zeit bei Crowbar hinter den Kesseln saß, die Band aber zeitgleich mit Sexy T. verließ. Den Gesang übernahm Philipp Anselmo, der mit Pantera Weltruhm erlangte.

Irgendwann nahmen die 5 dann aus Spass in ihrer Freizeit den Longplayer "Nola" auf.
Bis es zur Veröffentlichung kam, dauert es aber jedoch noch einen kleinen Moment, da sich die Major-Firmen förmlich um Down rissen. Das Rennen machte schließlich EastWest, die "Nola" dann endlich am 15.9.1995 in die Regale stellten konnten.

Kurz per Hi-Hat eingezählt und schon knallen uns Down eine ihrer typischen, wunderschönen Melodien vor den Latz. Jimmy Bower sorgt durch stetigen Crash-Einsatz für die typische Stoner-Rock Intensität. Phil Anselmo zeigt sofort, dass er, wie er schon bei Pantera-Songs wie "Cemetary Gates" oder "This Love" beweisen konnte, auch richtig genial singen kann, anstatt nur blöd in der Gegend rumzukreischen und brüllen, wie er es ja eigentlich von Pantera gewohnt ist. "Temptation´s Wings" schroddet so richtig schon nach vorne, versprüht sofort New Orleans-Flair, groovt wie Sau und findet in einem 2-Stimmigen Gänsehaut-Gitarren Solo seinen Höhepunkt. Genial. Schlichtweg genial. Schon an diesem Song entscheidet sich, ob man jetzt mit der Musik von Down etwas anfangen kann oder halt eben doch nicht (solls ja auch geben).
Das folgende "Lifer" knallt erstmal drei Schichten relaxter und intensiver aus den Boxen.
In der Mitte bringt uns ein Break dann einen mörderisch groovenden Brecher, der in einen "Lifer"-Geschrei-Part ausartet um dann wieder zur relaxten Art zurückzukehren. "Pillars Of Eternity" verbindet alle Trademarks super miteinander, muss aber nicht zu den ganz großen Highlights gezählt werden. Song Nr. 4 "Rehab" jedoch ganz gewaltig und gleich doppelt: Gleich zu Beginn bringt uns einen zweistimmige Melodie den Ohrgasmus, während uns Phil den interessanten Text mit seinem glasklaren Gesang näherbringt. Im Verlauf des Stückes pendeln Down immer zwischen den relaxten Melodien und tonnenschweren Doom-Grooves hinundher. Im Mittelteil artet der ganze Tross in eine schwere Grooveattacke, inkl. hammerrotzigen Solo, aus, den man gehört haben sollte. "Rehab" ist auf jeden Fall ein weiterer Klassiker auf dem Weg zum Olymp. Mit "Hail The Leaf" haben Down die ultimative Kiffer-Parade am Start (Das man in New Orleans gerne das ein oder andere Pflänzchen raucht dürfte bekannt sein). Zwischen all den doomigen Groovepassagen hört man irgendwann kräftigst eine Bong rotieren, bis die Band mit einem Break und einem typischen Anselmo-Schrei komplett im Doom landet. Die nächsten Stationen "Underneath Everything", "Eyes Of The South" (arschcooler Southern-Rock) übergehen wir schnell um zu der bemerkenswerten Ballade "Jail" zu kommen. Mit einigen Percussionsinstrumenten und einem super evil eingesetzen Banjo bauen Down eine unglaublich intensive Kifferballade um den Hörer herum auf, bis die Gänsehaut von selber kommt. Irgendwie der Nachfolger des seeligen "Planet Caravan" von Black Sabbath. Ohne Verschnaufpause wirds dann mit "Losing All" ungewohnt hart, aber natürlich wie immer angenehm melodisch. Der Überhammer kommt jedoch in Form des nächsten Songs: "Stone The Crow". Die Single bläst mit ihrem Akustik-Intro, der gefühlvollen Strophe und dem ultra-heavy-doom-schiebenden Refrain alles innerhalb der Reichweite weg. Down haben sich mit diesem Song ganz klar ihr Denkmal gesetzt.
Die Perfektion von allem, für das "Nola" (übrigens die Abkürzung von "New Orleans" und "Louisiana" (Der Bundesstaat) steht. Unwürdige, werft euer Napster an und zieht euch diese Göttergabe solange es geht ! Wir machen einen weiteren Sprung über die Songs "Pray For The Locust" und "Swan Song". Dadurch kommen wir direkt zu Song 13, dem Rausschmeißer. Betitelt: "Bury Me In Smoke", Dauer: 7:03 Minuten. Kiffer-Hymne, Part II. Langsam meuchelt sich der Song im Schnecken-Tempo durch die Botanik und macht alles platt. Im Refrain tauchen wieder diese morbid-schönen Melodien auf. "Don´t Regret The Rules I Broke, When I Die Bury Me In Smoke", eigentlich die Definition des Albums und auch so ein arschcooler Spruch. Sobald das Album nach knapp 57 Minuten Spielzeit ins Ziel einläuft, werdet ihr sofort mit zittrigen Fingern und feuchten Augen die Repeat-Taste betätigen, so viel ist sicher.

Obwohl das gute Stück nun schon 6 Jahre auf dem Buckel hat, hat das Ding überhaupt nichts von seinem Reiz verloren und gilt als absoluter Klassiker. Down haben zwar schon seit Jahren einen Nachfolger angekündigt, doch ob dieser jemals das Licht der Welt erblicken wird, ist fraglich. Eigentlich will gar nicht so recht daran glauben. Einerseits schade, aber andererseits auch gut so, denn somit werden Down endgültig zur Legende verkommen und als solche hoffentlich nie in Vergessenheit geraten.
Für mich neben "Dopesick" von Eyehategod und "Sewn Mouth Secrets" on Soilent Green das beste Album, dass New Orleans je hervorgebracht hat.

08.03.2005
kervorkian


:: Comments ::


Comment
Name:

Comment:

Security question, please solve:

NLY         3MT      
S K    P      9   E3G
BH3   Q79   ID8      
W P    C      R   JF2
QQ7         KFR      



Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!