. .

disbelief - 66sick


Erscheinungsjahr: 2005
Label: nuclear blast
Tracks: 12
Spielzeit: 49:25
Genre: metal
Subgenre: deathcore
66sick.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Das Lachen kann ich mir kaum verkneifen. "66sick", Promofotos in Latexmülltüten, Posen mit Staubmasken, Blutspritzer im Artwork integriert und einer der fünf hat eine Frisur wie Würmer. Mensch, Disbelief: Das muss ja Selbstironie sein. Nach dem Hören kann man sich da nicht mehr so sicher sein. Die Riffs walzen, das Schlagzeug bollert und Herr Jäger würgt sich vorm Mikro Galle und Milz aus dem Körper. Das alles ist ja nichts neues und ist bei alten Disbelief-CDs auch kaum komisch aufgefallen - aber neuerdings ist der melodisch-einfallsreiche Gegenpol stärker als je zuvor. Und schindet mächtig Eindruck, so dass die Dampfwalzen-Songs fast wie Kinderkram erscheinen. Jedenfalls hat man bei den härteren Tracks wie "Sick", "Floating on High" und "For God" immer den Eindruck, das Quintett würde gezwungen agieren - zumal die gleiche Chose bei alten Slipknot überzeugender rüberkam. Da ist mir die stärker atmosphärische Seite der Band (jetzt noch cremiger) schon lieber. Die klingt schon im Intro mit ausgeklügelten Gitarrenriffs und -melodien an und findet später mit "Continue from this point", trotz misslungenem Sprechgesangs eine glamoröse Fortsetzung: Eine kleine Glanzleistung in mehrschichtigem, melodiösem Metal.
Aber es kommt noch besser: "Lost in Time" ist einer dieser raren Songs, die dich mit ihrer Härte nicht nur ins Gesicht schlagen, sondern dich danach aufheben und durch die Gegend schweben lassen. Erhebend und erhaben. Und - bei aller Härte - schön.

Mit "Try" wird der Brutalitätsgrad dann mal wieder nach oben geschraubt, diesmal aber ohne Tadel. Im Hintergrund sorgt die unverzerrte Gitarre für das gewisse Etwas und die zweite Klangdimension, der eingeschobene melodisch-doomige Part kommt gar nicht so eingeschoben rüber und der klare Gesang gibt dem Song die nötige Identität. Auch, wenn er zu affektiert klingt. Fragt sich nur, warum Disbelief sich die guten Stücke für später aufsparen. Wollen sie Weicheier abschrecken? Nicht für voll genommen werden? Slipknot- und Slayer-Fans anlocken? Ich wusste es nicht genau. Nur soviel: Man wird auf "66sick" belohnt, wenn man sich durch das schlimme Artwork, den aufgesetzten Stil und die ersten Songs wühlt. Nicht zuletzt mit "Edges", das neben "Continue..." und dem abschließenden "To atone for all" melodiöseste Stück der CD, ohne aber die doomige Atmosphäre und die crunchy Gitarren, die im Chorus zu wahren Höchstleistungen auflaufen, zu vernachlässigen. Nur Herr Jäger wirkt mal wieder ein wenig, als hätte er Verstopfung, wenn er seine klare Stimme ertönen lässt. Das kann passieren, wenn man die falschen Vorbilder hat. Und nicht deren Format. Ansonsten stimmt hier aber alles - und die Qualität wird im genannten, getragen schweren "To atone for all" auch noch gehalten. Danke für dieses Ende, disbelief, auch wenn die SciFi-Soundcollage "Mental Signpost" (hat noch nichtmal Soundtrackklasse) nicht unbedingt hätte sein müssen.

Definitiv ein Schritt in die richtige Richtung von disbelief, auch wenn "66sick" als eine Art Übergangsplatte zu feingliedrigerer Härte etwas unhomogen und partiell zu aufgesetzt erscheint. Die fünf bis sechs wirklich feinen Songs machen diese Schwäche mehr als wett. Und, um ehrlich zu sein: Ich werde beim Gedanken an die nächste disbelief schon ganz aufgeregt. Nicht nur um die nächste lustige Kleiderwahl zu begutachten.


Ähnlich:
Obituary, Morgoth, Cult of Luna, Isis, Morgion, Crowbar, Neurosis, Hatesphere, Ektomorf, Slipknot

04.06.2005
stativision (Tobias Goris)


:: Comments ::


Comment
Name:

Comment:

Security question, please solve:

E1I         X2P      
6      1    8     SL6
18D   2HW   S62      
  B    A    F H   ANC
BPC         WP3      



Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!