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die graetenkinder - serviervorschlag


Erscheinungsjahr: 2004
Label: Tumbleweed Records
Tracks: 12
Spielzeit: 35:01
Genre: Alternative
Subgenre: Punkpop
diegraetenkinder.jpg
Bewertung: 5.5/10

rating

Aufstehn, Kinder! Die Grätenkinder sind da! Und sie haben einen Serviervorschlag mitgebracht. Mit Spielzeugbagger serviern sie Erdnussflips und viele kleine bunte Smarties. Holt also eure Rasseln aus den Laufställchen und tanzt Ringelreihe mit den netten Mädchen und Jungs der Grätenkinder. Der Serviervorschlag mundet dabei ganz köstlich. Vorauspreschende Schrammelgitarren, auf den ersten Hör nachvollziehbare Rhythmusarrangements, eine herzallerliebst Töne ausspuckende Orgel (aka Keyboard) und ein Sänger, der zwar schief aber mit Spaß an der Sache lustige T-Shirt-Sprüche singt, die auf wunderbare Weise zusammenhängen. Dazu eine Garnitur von vielen kleinen bunten Gimmicks wie Flügelhorn, Posaune und sogar nem Prollchor. Das alles unterliegt keiner besonderen Ordnung, ja, ist oft ganz wild durcheinander kombiniert; dafür ist der Teller aber schön bunt - und wenn mal was daneben geht: Ist ja alles halb so schlimm.
Doch schon nachdem die Hälfte des Serviervorschlags weggemampft worden ist, gibts Unruhe unter den Kindern. Zuviel auf einmal? Vielleicht etwas mehr Abwechslung gefällig? Verursacht die große Portion Orgel Bauchschmerzen? Eins haben die überaus sympathischen Harxbüttler nicht bedacht: Besonders hyperaktive Kinder brauchen Vollbeschäftigung. Da reicht es nicht, ewig das Gleiche auf dem Teller zu servieren.
Die Grätenkinder als Kindergeburtstagsveranstalter? Es reicht wohl nur zur Vorspeise.

Etwas konkreter? Also gut. Die Grätenkinder - von Sportfreunde Stiller, alten Tocotronic und Grafzahl beeinflusst - schnappten sich, dilettantisch aber voller Spielfreude wie sie waren, eine Handvoll Instrumente und spielten, vermutlich in wenigen Tagen, den Serviervorschlag ein. Dazu gibt's Texte, die mit einer Art intelligenten Naivität Alltagsphänomene aufgreifen, die nicht selten durch die Hintertür auch Gesellschaftskritik erkennen lassen. Und das so charmant, dass man ihnen zuerst kaum wiederstehen kann. "Winnipeg" etwa, als Weakerthans-Huldigung, oder die Gedanken über den Mangel an Verständnis in dieser Welt in "karlchen", "treppen/häuser" und "und wem.". Und erst so Sätze wie "ich möchte meine schuhe lieber geschenkt bekommen. sie müssten nicht mal schön sein". Titel wie "kein would im if-satz". Aber irgendwann dröhnt einem dann doch der Kopf von so vielen aneinandergereihten Alltagsbeobachtungen und scheinbar klugen Aphorismen. Das ist jedoch das kleinere Problem von "serviervorschlag".
Womit wir wieder beim Kindergeburtstag wären. Nicht nur Kinder brauchen bei aller Liebe und Zuwendung auch Abwechslung. Bis nach dem sechsten Lied ist der Serviervorschlag problemlos durchhörbar und macht sogar den Spaß, der mutmaßlich auch beim Einspielen dabei war. Doch darüber hinaus macht sich nach der ganzen Orgelei und Schrammelei zuerst Langeweile und irgendwann Kopfschmerzen breit. Da haben die Grätenkinder vor lauter Spaß an der Freud vergessen, das nächste Menü aufzutischen. Und wäre es nur per Spielzeugbagger gewesen - geholfen hätte es.
Erdnussflips zusammen mit Smarties geht eben nicht lange gut. Aber vielleicht beim nächsten Geburtstag, wenn alle Beteiligten ein Jahr älter geworden sind...

www.graetenkinder.de


Ähnlich:
Grafzahl, Sportfreunde Stiller, Erdbeertörtchen, Luke, Tocotronic, Kettcar, The Dackel 5, Virginia Jetzt!, Rantanplan, Samba, The Wohlstandskinder, Die Ärzte, Killerkouche

01.01.2002
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!