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dengue fever - escape from dragon house


Erscheinungsjahr: 2005
Label: M80/the birdman group
Tracks: 11
Spielzeit: 49:19
Genre: world
Subgenre: exotic retro pop/rock
DengueFever_dragon.jpg
Bewertung: 8/10

rating

Was für eine Bandgeschichte: Vorwitziger Amerikaner (Ethan Holtzman) aus L.A. reist Ende der Neunziger nach Kambodscha, selbiger wird mit 60er Jahre Kambodscha-Rock, ein Freund gleichzeitig mit Dengue Fieber (namensgebend) infiziert, fliegt mit all der Musik im Gepäck zurück und gründet mit Bruder und Freunden Dengue Fever. Damit noch nicht genug: Äthiopischer Jazz findet Einzug in die Gehöre der Bandköpfe und somit in die Musik Dengue Fevers, danach fahndet die gesamte Band vor Ort nach einer repräsentativen und originalen kambodschanischen Stimme und findet sie in Chhom Nimol, die - aus einer Pop-Dynastie stammend - schon vor dem Königshaus gesungen hat. Nimol wird nach einem zu lange dauernden Aufenthalt in den Vereinigten Staaten gar verhaftet, bevor die Band richtig loslegen kann. Das alles hat wohlgemerkt keine fünf Jahre gedauert. Und "escape from dragon house" ist bereits das zweite vollständige Album nach dem selbstbetitelten Debüt - obwohl die Band de facto erst knappe vier Jahre zusammen ist. Soviel Fleiß und Kreativität soll belohnt werden. Schon bald werden Regisseure und Stars aus Hollywood auf die außergewöhnliche Band aufmerksam, was Dengue Fever ein paar musikalische Auftritte in Filmen verschafft. Zuletzt mit äthiopisch beeinflussten Jazzsounds im tollen Jim Jarmusch-Streifen "Broken Flowers".

Äthiopischer Jazz spielt auf "Escape from dragon house" aber eher eine untergeordnete Rolle. Die CD sonnt sich ganz in dem schon vorher gespielten Retrosound, einem Konglomerat aus Surfrock, Sunshinepop, Funk, Garage, Jazz und Rock'n'Roll. Stets vermengt mit fern- und nahöstlichen Melodien und über all dem thront aufmerksamkeitserregend die hohe und auffällige Stimme Nimols. Für alle, die die Stimme für nicht zu penetrant halten wird klar, warum sie in Kambodscha ein Popstar war. Sie hat ein untrügliches Gespür für Melodien, die so in der ganzen Welt verstanden werden, obwohl sie kambodschanische Exotik atmen und gleichermaßen auf Khmer und Englisch vorgetragen werden. Ähnliches ist man heutzutage vielleicht von indischen Bollywood-Soundtracks gewohnt.

Nicht ganz so auffallend sind auf den ersten Blick die ausgefeilten Arrangments und die instrumentale Hochklassigkeit der amerikanischen Bandmitglieder. Es wird nicht nur Wert auf eine möglichst groovige und lässige Untermalung der Vocals gelegt, sondern sämtliche Stücke wären auch ohne Gesang überzeugend. Die Farfisaorgel kittet jedes noch so winzige Loch im Rhythmusgerüst mit archaischem Charme, die Gitarren pumpen mit scharfen Akkorden und filigraner Melodie frisches Blut in die Adern der Songs. Diese wirken höchst organisch und transportieren den Retrosound so sehr lebendig in die moderne Zeit. Erquickender als das meiste, was heutzutage unter dem Etikett "Retro" firmiert. Auch, weil es abwechslungsreicher ist. Im Opener wird Psychedelic Pop und Funk mit Surfsounds vermischt, bei der Auskopplung "Sui Bong" wird auch mal ein wenig härter gerifft und es kommt gar eine witzige Spoken Word Performance Nimols zum Einsatz, während der Hit des Albums "Tip my Canoe" ein Kambodscha Retrorock-Cover mit wundervollem Duett zwischen Nimol und Zac Holtzman (der offensichtlich Khmer zumindest phonetisch ganz gut beherrscht) ist. Die Tröten in "Tap Water" erinnern gar an Calexico und dessen Refrain haut in eine wundervoll schmalzige, perfekt passende Pathoskerbe. Die raren stillen Momente, wie in "Sleepwalking through the mekon" sind meditativ und klingen wie eine Kreuzung aus fern- und nahöstlichen Gebetsliedern, die in eine psychedelische Ballade verwoben werden.

Nicht alle Songs sind derart heiße Hits wie "Tip my canoe", "Tap Water", der Titeltrack und "Made of steam", aber das Album macht einen höllischen Spaß. Auch ohne Fieber.

(Quelle der Biographie: www.allmusic.com)


Ähnlich:
Neung Phak, Sun City Girls, Bollywood Soundtracks, Nuggets

04.03.2006
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!