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decemberists, the - picaresque


Erscheinungsjahr: 2005
Label: kill rockstars/rough trade
Tracks: 11
Spielzeit: 53:07
Genre: alternative
Subgenre: indie folk
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Bewertung: 7/10

rating

Das ist ausgesprochen altmodisch. Ein Drama in 11 Stücken und mit passend bebildertem Booklet. Man fühlt sich erinnert an Lars von Trier und seine letzten beiden Film/Bühnenstücke über Amerika.

Die Decemberists kommen aus Amerika, das von Trier nur aus zweiter Hand kennt. Und spielen Musik, wie sie wohl nur von dort stammen kann: Indiefolkpop, wie man ihn zuletzt vor allem aus Kanada hörte, der aber seine Wurzeln unzweifelhaft in den Vereinigten Staaten hat.

Der galoppierende Opener "the infanta" führt, passend zum Text (in dem auf Elefanten eingeritten wird) galoppierend und an die Weakerthans erinnernd (die Stimme!) den bunten Reigen an und mit dem folgenden "we both go down together" haben die Decemberists bereits jetzt ihr eigenes Denkmal aufgestellt. Während der Opener leicht enervierend wirken kann, ist "we both go down together" gleichzeitig Aufruhr und Balsam für die Seele. Herzzerreißend und zu Tränen rührend, aber so schön, dass ein zartes Dahinschmelzen die unwillkürliche Folge ist. Einen leichten irischen Touch verbreitet der Gesang, während die gezupfte und gestreichelte Violine schönste Melodien zum Vorschein bringt. Zwar Theater und nicht unbedingt gänzlich authentisch, aber so perfekt arrangiert lässt man sich das gefallen. Und so perfekt arrangiert ist kein zweites Stück auf "Picaresque". Das direkt anschließende "Eli, the barrow boy" versucht es ein wenig ruhiger und gitarrenbetonter, aber auch nicht ganz so wirkungsvoll, weil es eben nicht so mitnimmt. Schön bleibt es dennoch.

Beschwingter geht es aber bei den Decemberists auch: "The Sporting Life" hat einen toll tanzbaren Uptempo-Rhythmus, über dem - wiederum an die nicht so rockigen Weakerthans erinnernd - die Akustikgitarren, die Ukulele und der helle, optimistische Gesang den Ton angeben. Danach fängt das Album aber an, zu sehr dahin zu dümpeln. "The Bagman's Gambit", "From my own true love" und das 70s-folkpoppige "16 military wives" sind zwar wirklich nett, aber reißen weder mit, noch rühren sie an. Das tut erst wieder "The Engine Driver", das aber schon nach wenigen Hördurchgängen durch den nervtötenden Leiergesang während des Refrains "if you don't love me, let me go" (der auch noch zu oft wiederholt wird) mehr stört, als bezirzt. Schade, wo doch die Strophen so wundervoll ausgearbeitet sind und mit fantastischen Melodien und guter Instrumentierung glänzen können.

Bergauf geht es mit dem mächtigen, dramatischen "The Mariner's Revenge Song", bei dem man sich anfangs auf dem falschen Album wähnt, wird hier doch eine seekranke, aufwühlende Polka gespielt, die auch noch fast neun Minuten dauert. Aber nach einer Weile ist gerade der Song auf "Picaresque" heimisch geworden und wenn auch nicht das Herzstück, dann doch der (fast) finale Klimax der CD. Auch textlich, werden hier doch in christlicher Symbolik die Protagonisten des Albums von einem Wal verschluckt.

Nach diesem ergreifenden Stück, gilt es, die Spannung mit dem abschließenden "Of Angels and Angles" langsam wieder auf den Boden zurückzuführen (was von der Dramaturgie stark an Alan Parsons' "Tales of mystery..." erinnert). Hier erledigt mit einem nur von Gitarre und Gesang getragenen Folksong. Gewollt alles andere als spektakulär. Aber nett. Wie so vieles auf der CD. Gut geeignet für die kalte Jahreszeit jedenfalls ist auch "Picaresque" geworden, besonders dank dem wärmenden Sound, aber auch wegen den zwei glänzenden Höhepunkten der CD.


Ähnlich:
Weakerthans, Arcade Fire, Bright Eyes, Belle & Sebastian, The Walkabouts, The Good Life, I Am Kloot, Neutral Milk Hotel, An Angle, Of Montreal, Wolf Parade

04.12.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!