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connelly, chris - private education


Erscheinungsjahr: 2002
Label: invisible
Tracks: 8
Spielzeit: 47:13
Genre: alternative
Subgenre: singer/songwriter
connelly,chris.jpg
Bewertung: 7.5/10

rating

Nach dem überaus opulenten letztjährigen Werk "blonde exodus" reduziert Chris Connelly seine Songs auf dem diesjährigen Output (scheint in fortgeschrittenem Alter wieder ein kreatives Hoch zu haben, derart kurzfristig folgen die Alben aufeinander) bis auf die Knochen.
Der Titel schon lässt es vermuten: "Private Education" ist ein extrem persönliches Album geworden, Texte und Musik sind vollständig von ihm geschrieben und interpretiert, ebenfalls hat Connelly die Produktion der CD übernommen, unterstützt nur von Julian Beeston beim Engineering und Collin Jordan beim Mastering.
Sowohl im Artwork, als auch im Arrangement der 8 (wieder recht langen) Songs ist der neue Minimalismus spürbar - ersteres nur das Konterfei Connellys in Schwarzweiß zeigend, letztere nur mit Connelly an Gitarre und Mikrofon, gelegt über ein sparsam eingesetztes elektronische Rhythmus- und Geräuschgerüst. Lediglich Michelle Walters darf dem Album mit behutsamen Backing Vocals eine zusätzliche Facette verleihen.
So die Aufmerksamkeit vollständig auf die Songs lenkend fährt Chris Connelly erstaunlich gut - besser als so manch großer Songwriter. Immer wieder fällt im Zusammenhang der Name Bowies, dessen Ähnlichkeit sich besonders in der Stimme und dem Gesangsstil wieder findet (freilich der Bowie der frühen Siebziger), doch Connelly ist mehr als ein Artefakt für die ewig Gestrigen, sein eigener Stil ist jetzt und hier auf diesem Album unverkennbarer denn je.
Unprätentiös, ohne jeden Anflug von Pathos erzählt der Mann aus seinem Leben und lässt uns daran teilhaben, aus jeder Faser der Musik spricht eine ambivalente Persönlichkeit mit Höhen und Tiefen. Insbesondere die Stimme transportiert mehr Emotionen, in einer Vielfalt, zu der anderswo komplette Bands nicht in der Lage sind. Dass diese erarbeitet werden müssen, sollte nicht extra erwähnt werden - Chris Connellys Gesang war noch nie etwas für die kleine Pause zwischendurch, wovon schon Bands wie Revolting Cocks und Ministry profitierten, wenn auch in ganz anderem Kontext. Heute gibt er sich gereift wie nie zuvor und erstmals in der Lage, uns einen privaten Unterricht zukommen zu lassen.
Mit den Unterschieden hauptsächlich in den Stimmungen (das Grundgerüst der Songs ist auf Private Education dagegen das ewig selbe) ist die CD ein Werk für die ruhigen Stunden geworden, auf intensive Auseinandersetzung mit dem Rezipienten bauend.
Höhepunkte zu nennen fällt schwer, da das gesamte Album ein konstant hohes Level hält, aber schon nach dem ersten Hördurchgang sticht das eingängige, flotte "fortune strikes again" und das mit herausragendem Gitarrenspiel versehenem "No one is scared" hervor, wobei die anderen Songs aber nicht wirklich hinten an stehen, sondern erst nach mehrmaligen Durchläufen ihre individuellen Qualitäten offenbaren. Das Einzige, was das gute Werk ein wenig trübt sind die ständig im Hintergrund wirkenden elektronischen Drums, die zwar in erster Linie die Aufgabe haben, den Gesang und das Gitarrenspiel zu unterstützen um nicht selber Akzente zu setzen, jedoch ab und zu den Hörfluss stören.
Die Lektionen auf "Private Education" kommen glücklicherweise ohne erhobenen Zeigefinger aus und gestalten das Album auch auf lange Sicht interessant, ohne jeglichen überflüssigen Schnickschnack - ob einem die pompöse oder die minimalistische Seite von Connelly besser gefällt, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Immerhin hat er bewiesen, dass er in jedem Terrain zurecht kommt. Nur schade, dass das in Deutschland kaum jemanden zu kümmern scheint: Chris Connelly führt mit kümmerlicher Unterstützung des Labels hier zu Lande weiterhin ein Nischendasein.


Ähnlich:
David Bowie, Scott Walker, Nick Drake, David Sylvian, Eric Matthews, Frank Sinatra, Nick Cave, John Cale, Lou Reed

18.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!