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cloroform - cracked wide open


Erscheinungsjahr: 2005
Label: waggle daggle/broken silence
Tracks: 12
Spielzeit: 47:23
Genre: alternative
Subgenre: progressive power groove pop
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Bewertung: 7.5/10

rating

Natürlich, aus Norwegen. Auf den ersten Blick scheint dort wahrhaft eine ganze Horde von hierzulande unentdeckten tollen Bands zu existieren. Schaut man jedoch näher hin, offenbart sich der Inzest der Szene: Es sind letztlich doch alte Bekannte, die lediglich mal wieder ein neues Betätigungsfeld gesucht haben. Wobei "neu" das falsche Adjektiv für Cloroform ist. Zwar ist "Cracked wide open" das erste in Deutschland veröffentlichte Album der Band, aber schon das sechste in der norwegischen Bandgeschichte. Und tatsächlich sind bei Cloroform zumindest für Kenner der norwegischen Popmusikszene alte Bekannte am Werk. Bassist Øyvind Storesund ist hauptberuflich bei Kaizers Orchestra der coole Typ rechts hinten mit Vollbart und Kaada hat sich mit elektronisch aufgepepptem Retrosound auf seiner Solo-CD einen Namen gemacht, bekannter ist er aber wohl wegen seiner Kollaboration mit Mike Patton auf "romances. Der dritte im Bunde, Børge Fjordheim dürfte nur wirklichen Insidern der nordischen Szene von seiner Arbeit mit Wunderkammer und Morten Abel bekannt sein.

Nach dem ersten Genuss von "Cracked wide open" schlackern einem erst mal die Ohren. Die Mischung ist wild, ungewöhnlich und für ein Trio extrem vielfältig. Besonders der variable Gesang Kaadas sorgt anfänglich für Verwirrung, wechselt dieser doch von kraftvollem Gröhlen sorglos hinüber in poppigen Schmeichelgesang und hohe Kopfstimme - und dazwischen geht auch noch einiges. Auf unerwartete Wechsel muss man sich aber nicht nur beim Gesang einstellen. Mitunter folgen auf tonnenschwere Rhythmen luftig-leichte Retropop-Passagen oder auf zurückgelehnten Barblues mächtig beschwingter Funk. Cloroform machen es einem nicht einfach, aber mitgehen muss man trotzdem. Die Kombination aus präzisem Schlagzeug, kräftig pochendem Kontrabass und Schweineorgel imitierenden Synthesizern ist rhythmisch so mitreißend, dass Stillhalten die meiste Zeit schwerfällt.

Schon der Opener "Public Pervert" ist ein Groovemonster vor dem Herrn und hat man sich erstmal an den an Prince erinnernden Gesang im Refrain gewöhnt, steht dem perversen Vergnügen (siehe Titel) nichts mehr im Wege.
Von noch größerem Format ist nur noch "Love you more", das die Beach Boys mit Garagenattitüde verknüpft und in die heutige Zeit katapultiert. Kommt zwar zur falschen Zeit, aber dürfte sich auch noch bis zur nächsten Baggersee-Saison halten. Und auf die Jahrebesten-Sampler muss das Ding sowieso. Übermächtig eben.
Da haben es die anderen Songs auf "cracked wide open" schwer und tatsächlich kommt keiner der neun folgenden Songs an diesen Übersong heran. Format haben sie dennoch. "Imaginary Girlfriend" glänzt mit Kaada'schem Popgesang und an King Crimson erinnernden Düster-Orgelpassagen, "You talk way too much" mit vielstimmigen Shouts, in "The entertainment Industry" gibt es ein originelles Kontrabass-Percussion(!)-Solo und mal wieder eine nette Prince-Kopie und die beschwingt-fröhlichen "Crush" und "come with me please" bieten die zweitbesten Arschwackelmöglichkeiten des Albums. Alles tolle Songs, die vom Durchtanzen höchstens durch ihre ganz eigene Sperrigkeit abhalten. Nur der an Metal erinnernde, aufdringliche Chorus in "Eat your face" hätte nicht sein müssen und am Ende wird man doch etwas müde von dieser wilden Mischung - eine längere Verschnaufpause wäre vielleicht nicht schlecht gewesen.

Aber auch so muss jeder, der an schrägem Skandinavienpop interessiert ist, Cloroform ein Ohr leihen. Es lohnt sich. Man sieht sich dann bestimmt bei Haldern Pop - wenn nicht nächstes, dann danach das Jahr. Das ist ja bekanntlich prädestiniert für sperrigen Pop, zu dem man gelenkige Tanzverrenkungen durchführen kann.

www.cloroform.de


Ähnlich:
Kaizers Orchestra, Kaada, Tom Waits, King Crimson, Firewater, Super Furry Animals, Messer Chups

04.12.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!