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cemetary - phantasma


Erscheinungsjahr: 2005
Label: black mark
Tracks: 9
Spielzeit: 42:20
Genre: metal
Subgenre: matrix metal
cemetary-phantasma.jpg
Bewertung: 6.5/10

rating

Fünf Jahre sind eine lange Zeit, mit fünf Jahren kann man eine Menge anstellen. Der kleine Schwede Matthias Lodmalm bereiste in dieser Zeit die Welt, sah China und die Vereinigten Staaten und produzierte dort schon neues Material, um die frischen Eindrücke direkt auf Tonträger zu bannen. Doch "Phantasma" ist weit davon entfernt, Weltmusik zu sein und auch eine Rückbesinnung auf alte Cemetary-Gothicmetal-Tage ist nicht zu erwarten. Wer auf ein "Black Vanity" Teil II gehofft hat, dem wird mit dem neuen Album nicht geholfen.
Vielmehr stellt "Phantasma" eine Anknüpfung an Sundown-Zeiten dar, selbstverständlich aufgefrischt mit dem Spirit der etwas untergegangenen Cemetary 1213-Phase. Wie dort, wird auch hier gepeitscht, dass sich die Knochen biegen und die Höhen nach draußen getrieben, dass es eine wahre Freude ist. Dennoch ist Sundowns "Glimmer" präsenter als jede andere akustische Landmarke Lodmalms. Es gibt Industrial Metal Mansonscher Prägung, mit ordentlich verzerrten Gitarren, pluckernden und stolpernden Beats und Gesang zwischen Gepresse, Pathos und Gekeife. Das alles aber interessanter präsentiert als noch auf "Glimmer". Zwar gibt es keine Übersongs, wie dort "Halo" und "lifetime", doch in der Gesamtheit gibt es kaum mehr durchschnittliches, vom langweilig elektronischen "Downcold" und dem viel zu sehr in die Länge gezogenen Stampfer "2nd last to nowhere" abgesehen.

Eigentlich war die Entwicklung für jeden interessierten Lodmalm-Fan abzusehen. Auf seiner Interphase-Seite im World Wide Web gab es zwischendurch immer mal wieder Soundschnipsel zu hören, die von seiner offenkundigen Zuneigung zu elektronischer Musik berichteten. Überraschender sind da andere Sachen: Dass der neue Output über weite Strecken doch überraschend metallisch (nicht im klassischen Sinne), beziehungsweise hart geworden ist. Dass die neue CD unter dem Namen Cemetary veröffentlicht wurde (wohl um die Verkaufszahlen zu steigern). Und dass auf dem alten Label Black Mark veröffentlicht wurde, über das auch Lodmalm in vergangenen Zeiten nicht wenige schlechte Worte verlor.

"Phantasma" vereint Gegensätzlichkeiten: Es ist zutiefst offensiv und gleichzeitig introvertiert. Schon die gewöhnungsbedürftige Produktion! Es knarzt und scheppert an allen Enden, was aber wie die Faust aufs Auge passt, weil es so klingt, als würde die Maschine kurz vor dem Zusammenbruch stehen. Gleichzeitig aber agressiv höhenbetont, als würde der Roboter kurz vor dem Kurzschluss noch einmal Amok laufen. Und dann die Songs: "Far from God" und besonders "Plasma Phantasma" sind treibende, fast schon rasende Industrial Metal-Hämmer mit mehr Hass und Wut als Verstand, was aber gerade das mitreißende und anziehende dieser besten Songs des Albums ausmacht. Unbedingt laut hören.
Zwischen den schleppenden, zischenden und stampfenden "Basic Black" (das die Spannung leider nur über drei von fast sechs Minuten halten kann) und "Coma Burn" (ultracool, fies und mit gelungenen Samples) folgt mit "Down Cold" die nachdenklichere elektronischere Seite, die aber hier mit einer hypnotisierenden Monotonie auf Dauer sehr ermüdend wirkt. Besser wird das in der zweiten Hälfte der CD mit "Wavecell" erledigt, das sich so anhört, wie der Titel klingt: Verträumt, melancholisch, aber mit einer Schicht von Elektroden überzogen, die ein Ausbrechen in organischere Gefilde kaum möglich machen. Wenn Maschinen träumen...

In "Drowning out the world" wird noch kurz bewiesen, dass Lodmalm in der Zwischenzeit ein besserer Sänger geworden ist, der Song dazu ist leider zu Refrain-fixiert, womit die alte Cemetary/Sundown-Schwäche auch hier wieder auftaucht. Als Abschluss gibt es noch ein kleines, mit Sprachsamples versetztes Wave/Industrial-Instrumental, dass aber keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Acht Jahre nach dem (in Bezug auf Black Mark zumindest) offiziellen Abschiedsalbum "Last Confessions" gibt sich Lodmalm mit "Phantasma" also erstaunlich zickig und unnahbar. Er hat nach dem nicht besonders starken letzten Sundown-Album und der entscheidungsschwachen Cemetary 1213-CD aber zumindest scheinbar wieder an Selbstbewusstsein gewonnen. Damit kommt er zu keinem Zeitpunkt an alte Klassiker heran, hat aber immer noch ein paar Asse im Ärmel, die hier "Plasma Phantasma" und "Wavecell" heißen. Für Sundown-Liebhaber die geeignete Droge, sich an kalt-metallischen, aber stets sehnsuchtsvollen Klängen zu berauschen.


Ähnlich:
Sundown, Marilyn Manson, Nine Inch Nails

16.05.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!