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cathedral - the garden of unearthly delights


Erscheinungsjahr: 2005
Label: nuclear blast
Tracks: 10
Spielzeit: 70:51
Genre: metal
Subgenre: groove doom metal
cathedral_garden.jpg
Bewertung: 7/10

rating

(Veröffentlichung 26.09.2005)



Die Cover von Dave Patchett sind für Cathedral genauso Tradition, wie die verwursteten Black Sabbath Riffs. Doch irgendwas stimmt nicht mehr mit dieser Verbindung, die - genauso wie Cathedral selbst - schon 15 Jahre alt ist. Wo früher die Ölgemälde Patchetts eine morbide, perverse Lebendigkeit ausstrahlten, wirken sie heute kalt. Nicht grabeskalt, sondern steril wie die Atmosphäre im Krankenhaus, wie computergeneriert. Verstärkt wird der Eindruck noch durch die weiße Hintergrundfarbe. Und das, wo Cathedral mit ihrem Titel mehr denn je auf Patchetts offensichtliches Vorbild Hieronymus Bosch anspielen. Der ließ seinerzeit im Tryptichon "Garten der Lüste" (The Garden of earthly delights) die körperlichen Begierden der Menschen das Paradies und die Hölle trennen. Bei Patchett verschwimmen diese klaren Trennlinien, bei ihm lustwandeln Adam als Skelett und Eva als Hexe im Apfel durch ihr ganz eigenes, bizarr-dämonisches Paradies.

Cathedral vertonen diesen Garten der unheimlichen Gelüste wie gehabt: Stark von Black Sabbath beeinflusster Metal, der immer wieder Anleihen aus dem Prog Rock zulässt und in eine diesmal recht dreckige Stoner Rock-Produktion verpackt ist. An letztere muss man sich erstmal gewöhnen, ist sie doch noch ein Stück erdiger, als man es von Cathedral ohnehin gewohnt ist. Besonders die Gitarrenriffs klingen verkrustet und krachen ordentlich.

"Dearth AD 2005", ein überflüssiges wie langweiliges Intro leitet über zum erfrischend gestalteten Heavy Rocker "Tree of Life & Death", der besonders durch die einfallsreiche Drumarbeit und die nett eingesetzten Gitarrenfeedbacks am Anfang auffällt. Der Groove lässt mitwippen, ist aber bei weitem nicht so mitreißend wie bei ihren Mittneunziger-Werken und unglücklicherweise sucht man auch eine Hookline vergeblich. Gegen Ende aber rettet ein psychedelischer Part und SloMo-Rock Melvins'scher Prägung den Song. Trotz des folgenden enervierenden Gitarrensolos.
Für die Songs im ersten Drittel bleibt dieser Quasi-Opener auch der einzige wirkliche Lichtblick. Zwar wären Cathedral nicht Cathedral, wenn sie sich aus dem Sumpf des Mittelmaßes nicht stets durch gelungene Riffs und bizarre Einfälle selbst herausziehen könnten. Weltklasse sind die Briten aber nicht mehr. Rafften sie auf dem letzten Album die treibenden Rockstücke so zusammen, dass sie gar nicht langweilig werden konnten, ufern hier Stücke wie das straighte "North Berwick Witch Trials" und "Oro the manslayer" (beides sowieso schon Kopien von Kopien) in langweiliger Redundanz aus. Immerhin baden beide in Spielfreude und solide zusammen gezimmerten Grooves und Riffs und letzterer kann mit einem lockeren, schnell dahingezockten Instrumentalpart in der Mitte glänzen.

Auch in den anderen Songs der ersten Hälfte sind es in erster Linie einzelne Teile und Ideen, die das Lied nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken lassen. "Upon Azrael's Wings", an sich ein typisch dreckiger Grooverocker, der schon fast an Entombed erinnert, verwandelt sich in der Mitte für 30 Sekunden in einen astreinen Punksong, bevor ein wabernder Psychedelic-Part die Regie übernimmt. Und "Corpsecycle" ist ein überraschend leichter, fast trivial poppiger Cathedral-Track mit manch netter Melodie für zwischendurch.

Die Überraschungen kommen danach. "Beneath a funeral sun" zeigt Cathedral in fast selbstironischer Manier, indem sie nach dem typischen Groove Metal und Psychoparts mit entfremdeten Frauengesang einen Refrain bieten, der in seiner fröhlichen Verrücktheit einem durchgeknallten Musical entspricht.

Und erst "The Garden", das offensichtliche Herz des Albums. Auf über 26 Minuten sind mehr als ein Dutzend verschiedener Sätze vorhanden und lässt den 70s Progrockgeist von Cathedral fast so gut aufleben, wie zuletzt auf der "Statik Majik"-EP. Freilich nicht so frei von der Seele wie damals und auch nicht mehr so einfallsreich und genial. Aber es zeigt doch, dass sich Cathedral wieder mehr trauen. Obwohl: Progrock ist ja wieder hoffähig geworden. Zumindest muss man keine 20-minütigen Stücke mehr auf EPs verstecken. "The Garden" lässt typischen Cathedralschen Groove Metal mit lieblichem Folk und psychedelischer Düstermusik abwechseln und besonders gesanglich werden hier alle Register gezogen. Lieblicher Frauengesang muss auf eine gurgelnd-dämonische Männerstimme antworten, dazwischen sattbekanntes Dorrian-Gebrülle, aber auch flüsterndes Stimmengewirr und vocoderverzerrtes Leiden. Ob für die Vertonung der Paradiesparts (mit weiblicher Stimme) unbedingt penetrant an Blackmore's Night erinnernder Mittelalter-Akustikpop eingesetzt werden musste, bleibt streitbar - aber davon abgesehen ist diese knappe halbe Stunde Wanderung durch den bizarr-finsteren, aber auch unaufhörlich lockenden Garten der unweltlichen Gelüste eine Freude. Und das Stück rettet nicht nur diese CD, sondern wahrscheinlich auch Cathedral bis auf weiteres.

Da kann man gar nicht mehr richtig böse sein auf den Pseudo Hidden Track "Proga-Europa", dem trotz Auftauchen in der Tracklist fünf Minuten Stille vorhergeht (die von der Spielzeit abgezogen werden können). Was dann kommt ist 70s Rock, bei dem ich schwören könnte, dass ich das so schon tausendmal gehört habe.


Ähnlich:
Black Sabbath, Karma to Burn, Penance, Electric Wizard, Spiritual Beggars, Trouble, The Obsessed, Solarized, Pentagram, Orange Goblin

12.09.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!