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caputo, keith - died laughing


Erscheinungsjahr: 2000
Label: 48:56
Tracks: 12
Spielzeit: 48:56
Genre: alternative
Subgenre: alternative pop
caputo,keith.jpg
Bewertung: 8/10

rating

Gescheitert oder Meisterwerk: Keith Caputo solo.

Bevor alle gleich zum Fazit scrollen, für die Ungeduldigen: Ich tendiere zu letzterem!
Jeder, der auch nur ein wenig mit melancholischem und schönem Alternative Pop, der von einer der wunderbarsten Stimmen dieser Zeit gekrönt wird anfangen kann, sollte sich diese Scheibe unbedingt zulegen.

All diejenigen, die sich nach der zweiten CD von Caputos ehemaligen Brötchengebern Life of Agony mit Grausen abgewandt haben, weil (nach emotionalem Hardcore/Metal auf den ersten beiden CDs) auf dem dritten Album auch sanfte alternative und poppige Klänge wiederzufinden waren, werden sich auch beim Solo-Keith mit Grausen abwenden.
Dem Hörer, der den Weg von Life of Agony interessiert verfolgt hat, wird aufgefallen sein, dass die Härte des Materials antiproportional zur Menge der von Keith geschriebenen Songs abnahm, woraus sich ableiten lässt, was auf "died laughing" enthalten ist.

Schon beim Artwork fällt die Dominanz und Regieführung des kleinen Amerikaners italienischer Abstammung auf und ganz nach der Farbensymbolik (blau und rot) des Artworks ist auch das Album angelegt. Da prallen entgegengesetzte Gefühlswelten aufeinander. Wut wird gegen Liebe ausgespielt, Hass gegen Zärtlichkeit und am Ende gewinnt doch der Sanftmut mit gelassenem federnden Material.
"New York City" glänzt mit lockerem Rhythmus und einem Gesang wie er hätte unbekümmerter und schöner nicht hätte sein können - dabei spricht Caputo von seiner Hassliebe zu New York ("crime can be so pretty"), bei der offenbar doch die Liebe überwiegt. Überraschenderweise evoziert der Song tatsächlich eine Fahrt im Cabrio durch's nächtliche New York. Auch mit Klangfarben kann Caputo bestens umgehen. Ähnlich gelagert sind "Razzberry Mockery" und "just be": Gelassen und schön. Wie für's entspannte Autofahren geschaffen. Ersteres besticht besonders durch seine hängenbleibende Mitsinghookline und die hübschen Akustikgitarrenriffs. In zum Glück nicht allzu platter Wortwahl lehrt uns der kleine Keith etwas oberlehrerhaft, seinen Weg durchzuziehen und auf die innere Stimme zu hören. Das textliche Abiturientenniveau wird leider im Verlauf des Albums schlimmer, insbesondere "Cobain (rainbow deadhead)", das leider auch in musikalischer Hinsicht einen Ausfall darstellt, ist fürchterlich geworden - a lá "Ihr habt meinen Star umgebracht". Danke Keith, aber haben wir nicht.

Ansonsten gibt es nicht viel zu mäkeln, "just be" ist ein weiteres Beispiel für sein unbekümmertes, naives, aber wunderschönes Songwriting und "home" ist mit seiner lockeren, melancholischen Stimmung prädestiniert für den nächsten Frühlings- und Sommerhit. Nicht selten wird Caputo zusätzlich von einem 18 Mann starken Orchester unterstützt, was manchmal wirkt, wie Butter auf der Torte, aber im Regelfall durch die ausgefeilten Melodien eher eine Bereicherung des Sounds ist.
In "Brandy Duval", dem mit sechs Minuten längsten Track, besingt Caputo mit fast zitternder Stimme seine vor längerem verstorbene, geliebte Mutter, die auch schon Thema der besten Life of Agony Songs war. Auch dieses Stück ist als gefühlvolle Ballade mit viel Klaviereinsatz gelungen und die Grenze zum Kitsch aus gutem Grund überschritten worden. Der darf das - vor allem, wenn es um seine Mutter geht.

Nur mit den rockigen Songs hat Caputo solo noch ein paar Probleme. "Honeycomb", das leicht chaotische "lollipop" und "upsy daisy" sind in den härteren Gefilde angesiedelt, und alle drei nicht besonders gelungen - scheint, als ob Gefühl und Härte solo nicht so passend unter einen Hut zu bringen sind, wie bei seiner ehemaligen Band.

Zusätzlich befindet sich mit "Selfish" das von der Bildqualität nicht ganz überzeugende Video der ersten Single auf der CD.

Trotz der vier schwächeren Tracks und der stellenweise unglücklichen Lyrik lohnt auch Keith Caputo solo - dank zahlreicher Songs für die Ewigkeit.


Ähnlich:
Life of Agony, Nick Drake, Chris Cornell, Jeff Buckley, Coldplay, Arid, Richard Ashcroft

27.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!