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backyard babies - making enemies is good


Erscheinungsjahr: 2001
Label: supersonic/bmg
Tracks: 13
Spielzeit: 42:17
Genre: punk
Subgenre: glam punkrock
backyardbabies.jpg
Bewertung: 6/10

rating

Laut hören.
Muss man unbedingt dazusagen, denn ohne den nötigen Schalldruck dahinter ist diese CD mehr oder weniger überflüssig. Das liegt nicht an der Produktion, die eine der fettesten überhaupt ist, die ich in den letzten Jahren zu Hören bekam, nein, da hat der schwedische Landsmann Tomas Skoksberg, der früher mal Death Metal Produzent Nr.1 war, erstklassige Arbeit geleistet. Dafür bekam er, der auch die Keyboards auf dem Album betätigt, auch ein hübsches Foto und fette Linernotes spendiert.
Es liegt viel mehr daran, dass Punk ´n` Roll in den seltensten Fällen auch leise funktioniert. Ein Beispiel für einen dieser seltenen Fälle war das Vorgängeralbum "Total 13", das eines meiner ewigen Highlights bleibt. Egal auf welcher Lautstärke, das Teil hat jeden Arsch weggerockt.

Jetzt und auf dem neuen Album "Making Enemies is good" hat man sich nach langen Querelen mit der Plattenfirma - immerhin sind über 3 Jahre seit dem Zweitling ins Land gestrichen - entschieden, dass das Tempo zu drosseln sei, nicht immer, wie die Vorabsingle "Brand New Hate" beweist, aber es regiert doch überwiegend schnelleres Midtempo, sogar zwei (Halb-)Balladen haben sich zwischen die Rocker geschlichen, ein Novum bei den Backstreet, ääääh, Backyard Babies.

"Colours" heisst die erste Überraschung, melancholisch ist sie geworden, klingt irgendwie nach ausgebrannten Rockern nach drei Monaten Tour, die Heimweh haben. Nicht das Gelbe vom Ei, nicht das, wofür die BB berühmt geworden sind, zwar hatten sie auf ihrem Debut ähnliches, aber das ist einfach nicht der Stoff, aus dem die Konzerte sind. Dafür, dass sie das Genre eigentlich gar nicht beherrschen, ist der Song aber nett geworden. Die Keyboardklänge und Akustikgitarren heben ihn etwas aus dem Mittelmaß und fast ist man der Band für diese Verschnaufpause nach drei Krachern dankbar.
Besagte Kracher lauten (in dieser Reihenfolge) "I love to roll", "Payback" und "Brand New Hate", wobei ersteres eher eine kurze, 2-minütige rockende Einführung ins Bandkonzept ist. Sex, Drugs and Rock´n`roll ist das textliche Motto und weibliche Backing Vocals sind die zweite Neuheit bei den Babies, die aber nicht konventionell eingesetzt werden, sondern für zusätzlichen Drive sorgen. Wie heisst es hier schon so schön? Love it! Hate it! Und ich tendiere zu ersterem, denn mit "Payback" folgt ein astreiner Hit, den ich mir als Singleauskopplung wünsche! Etwas Swingfeeling kommt auf, definitiv der tanzbarste Song des Albums, aber auch der mit dem eingängigsten Chorus, auch live DER Hit überhaupt. Da bleibt mir nur übrig, den vier Schweden zu danken. Bei denen man übrigens merkt, dass nicht mehr nur Poserkönig Dregen im Rampenlicht steht, sondern auch Sänger Nicke und besonders Drummer Peder kommen dank der Superproduktion mehr auf die Bühne, ferner haben besonders die beiden an ihren Instrumentalen Fähigkeiten gearbeitet, Nicke hat mehr Klangfarben denn je in seiner Stimme und der Peder Carlsson setzt seine Fähigkeiten nicht mehr nur Dampframmenmässig ein, sondern spielt sehr songdienlich und versiert, da kann man schon an manchen Stellen ein kleines Solo wagen.

"Brand New Hate" ist zwar nicht der Bringer, wie man vom Song, der die Titelzeile des Albums enthält erwarten könnte, ist aber allemal ok und für die Tanzfläche allemal ein Filler. Stark vocallastig ist er, was einfach ungewohnt ist, und es braucht ein paar Anläufe, bis er sich festgesetzt hat, aber so hat man letztlich länger was davon.

Die zweite Ballade ist geschickt gegen Ende des Albums eingesetzt, so hat der Hörer die Ruhepole gut verteilt und braucht sich keine Sorgen um seine Kondition zu machen. Auch "Painkiller" ist ok geworden und erinnert ein wenig an Guns´n`roses, kommt aber nicht an deren Klasse heran und letztendlich ist der Songs nicht mein Ding, obwohl die Klaviermelodien Klasse sind.

Der Rest der Tracks ist Backyard Babies pur, allerdings leider in stark abgebremster Variante. "The Clash" kommt, entgegen meiner Annahme aufgrund des Titels, sehr gemäßigt rüber und "My Demonic Side" erinnert eher an langsamere Suicidal Tendencies Stücke mit prägnanterer Melodie - aber nach mehrmaligem Hören viel zu langweilig. Da stimmt einen "Star War" noch eher fröhlich, weil es mehr nach den alten Backyard Babies klingt. Viel Power mit der richtigen Melodie an der richtigen Stelle, zum Pogen und Posen gut.

Ansonsten wenig Überraschungen. Zwischen Rock ("The Clash") und Punk (Heaven 2.9") wird eigentlich alles abgedeckt, was so halbwegs zu Glam, Posen, Sex, Drogen, Alkohol und so weiter passt.

Objektiv muss man sagen: Die Band hat sich ordentlich weiterentwickelt, die Instrumente werden gut beherrscht, das Songwriting hat sich gefestig, mehr Abwechslung wurde ins Spiel gebracht, und die Produktion ist besser denn je.
Trotzdem. Der Rotz des zweiten Albums ist weitgehend verloren, kommt nur im ersten Viertel des Albums zum Tragen, danach nur noch vereinzelt, wie bei "Star Wars", "Too tough to make some friends" und dem Abschluss "Bigger with a trigger". Zu viel Langeweile auf zu wenig Raum. Schade.

Die limitierte Erstauflage kommt als schönes Digipak und bietet den Bonustrack "P.O.P.", der das Punk-Ende der Stange markiert, und ein wenig wie auf Hochglanz polierte Sex Pistols klingt. Ein würdiger Abschluss, aber kein wirklich großer Song.

"Making enemies is good" braucht mehr Anläufe und mehr Lautstärke zum Zünden, geht aber auch schneller wieder raus als der Vorgänger, was schade ist. Die alten Backyard Babies sind tot und können auch nicht ersetzt werden, weil auch Turbonegro mit ihren neuen Alben nicht an alte Formen heranreichen. Trotzdem gibt es einige unvergleichliche Glampunkrocksongs auf diesem Album, die es wert sind, dass dazu abgerockt wird.


Ähnlich:
Turbonegro, Guns'n'Roses, The living End, AFI, Kiss, Hellacopters, Hardcore Superstar, The Nomads, Rolling Stones

17.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!