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babyshambles - down in albion


Erscheinungsjahr: 2005
Label: rough trade
Tracks: 16
Spielzeit: 63:56
Genre: alternative
Subgenre: indiepop
babysham.jpg
Bewertung: 7.5/10

rating

Man hat, wie man hörte, vor kurzer Zeit einen Test gemacht, in dem deutsche Flüsse auf ihren Kokaingehalt hin untersucht wurden. Die Spree war noch erstaunlich gemäßigt belastet. Die Themse muss voll davon sein. Geht man von den Medienberichten über Pete Doherty, jetzt Babyshambles, früher bei den Libertines, aus. Man sieht förmlich die Kokainberge über seinem Kopf. Die geröteten Schleimhäute auf den Fotos. Unter seinen Hut passt so einiges.

Zu unserem Glück wohl auch noch genug Ideen für Musik. Die klingt, wie man sie sich eben vorstellt. Etwas fiebrig, wie die Libertines, aber anders. Deutlich zerrissener, löchriger, pulvriger, skizzenhafter. Und wahrhaftiger. Die Libertines hatten ein Hochglanzbooklet. Bei den Babyshambles ist alles notdürftig zusammengepinnt. "down in albion".

Bei den Babyshambles fehlt ein Editor.
Wie sonst ist es zu erklären, dass es 16 Songs auf "Down in albion" schafften, die auch noch deutlich länger sind (allein fünf Songs bewegen sich um die fünf Minuten) als der Libertines-Song an sich?

Das ist gut und schlecht zugleich. Gewissermaßen der Director's Cut. Vom letzten Libertines-Album (von dem es bei genauem Hinhören wirklich einige Zitate gibt). Das Tolle: An fast jedem Song (sagen wir 12 oder 13, womit die CD Libertines-Niveau erreicht hätte) gibt es etwas unwiderstehliches. Die Gitarren- und Bassmelodie wie aus einem Detektivfilm im Opener "La belle et la bete". Das locker Hymnische in "Fuck forever". Das Entspannende in "A'rebours". Und so weiter. Und in jedem Song gibt es etwas, das vordergründig der Schere zum Opfer gefallen wäre. Bei den Libertines. Zerfahrene Strophenanhängsel. Stille vor oder in den Songs. Zu lange Refrains. Teilweise vielleicht zu Recht, oft aber bestimmt auch zu Unrecht. Diese Teile gehören zu den Babyshambles, sie gehören zu Pete Doherty, sie gehören zu seinem (ob nun gebrochen, unmoralisch oder nicht) Leben. Genauso wie Directors Cuts vermögen sie es einen Blick hinter die wahren Intentionen des Urhebers zu werfen. So danken wir auch Mick Jones, der Pete Doherty offenbar viele Freiheiten ließ und das Ding doch sehr, vielleicht sogar unerwartet, anhörbar gestaltete.

Klar, die Hitdichte ist nicht so hoch wie bei den Libertines. Das wäre sie selbst gekürzt und auf Hochglanz poliert nicht. Dazu fehlt eben die andere Hälfte. Dafür ist "Down in albion" aber noch lebensnaher. Noch freier heraus und, falls möglich, noch frischer. Man muss dieses Ding nicht lieben. Aber gehört haben sollte man es. Und wem Libertines manchmal zu punkig/schnell sind: Hier ist die Alternative. Vielleicht angepisster, aber nicht so zurücktretend. Was aber der schwachsinnige Ragga (oder der Versuch daran) "pentonville" soll, weiß wahrscheinlich nicht mal Doherty selbst. Ein geniales Gehirn hat ab und an eben auch mal Aussetzer.

Nachzuhören genau hier. Beides.


Ähnlich:
The Libertines, The Jam, The Kinks, The Who, Art Brut, The Dead 60s, The Clash

21.12.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!