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anubiz - momentum


Erscheinungsjahr: 2010
Label: nicrothal
Tracks: 11
Spielzeit: 47:23
Genre: metal
Subgenre: gothic metal (deutsch)
anubiz.jpg
Bewertung: 5/10

rating

Herrje, was für ein schreckliches Cover. Schlimmer als nackte Fantasyfrauen, die weinend in bläulich schimmernde Spiegel schauen, sind wohl nur noch mit Photoshop weichgezeichnete Fotografien von Kindern mit großen Augen und sehnsuchtsvoll ausgestreckter Hand. Anubiz trauen sich das. Warum auch immer. Aber die Band aus dem Rheinisch-Bergischen traut sich auch sonst so einiges. Anno 2010 noch auf die ewig gleiche Gothic Metal-Nummer aus männlichem Düstergesang und weiblichen Engelszungen zu setzen nämlich. Und das dann auch noch mit neuer deutscher Härte a lá Rammstein zu verbinden. Dazu gibt es Textzeilen wie "Der Feuermann geht um, gib acht wenn du ihn siehst" oder "Wenn Fehrnsucht - sich an mich schmiegt, mich warmes licht umgiebt" (inklusive Rechtschreibfehler, von denen es noch einige weitere im Booklet zu finden sind). Ein hübscher Sack voll Peinlichkeiten.
Ganz so schlimm ist die Musik bei näherer Betrachtung dann aber doch nicht. Immerhin habe ich Anubiz noch von einem Liveauftritt vor fast einem Jahrzehnt noch in positiver Erinnerung. Und noch heute zeigen sie ab und an, dass sie Händchen dafür besitzen, Metal mit melodischen und symphonischen Elementen aus dem Keyboard zu verquicken, wie in der zweiten Hälfte des an Nightwish erinnernden "Es darf nicht brennen" und im groovigen "Ohne Sinn". Davon abgesehen ist der ordentliche Gothic Death Metal der alten Tage leider einer humorfreien (beziehungsweise unfreiwillig komischen), abwechslungsarmen Version des modernen Gothic Metals geworden. Anubiz setzen dabei auf "Momentum" auf die allgemein verwendeten, hervorstechende Merkmale: Harte Riffs, eckige Rhythmen, Orchester- und Klaviersounds aus dem Keyboard und natürlich dem Wechsel von Jörg Erkelenz' tiefem Geraune, das hier und da an Till Lindemann erinnert und dem teils etwas aufdringlichen Sopranpopgesang Katrin Blocks. Ein paar elektronische Spielereien, die allerdings kaum songdienlich sind, werden auch noch eingestreut, so bei "ohne sinn" und "der feuermann" und auch Mittelalterrock lässt sich ausmachen ("semper fi").

Bei dem in fast jedem Song verwendeten männlichen Gesang wäre weniger mehr gewesen - die Eingangsstrophe bei "das unentdeckte Land" versucht auf erschreckende Art und Weise melodisch und gleichzeitig düster zu sein, ist aber beschämend schlecht, der Chorus bei "semper fi" geht einem schon nach dem ersten Mal auf die Eier und auch die letzte Strophe von "Fernsucht" zeigt auf, dass Erkelenz, hier verschnupft-verfremdet, besser wieder wie in alten Tagen unverständlich rumgrunzen würde. Auch auf solch abgelutschte Riffs wie in "Das Verlangen" hätte die Band besser verzichtet. Positiv überrascht wird man hingegen von den proggy Dan Swanö Keyboardsounds in "Sehnsucht" und einigen anderen kleinen (Keyboard)Details.
Am besten dann der Abschlusssong "An deinem letzten Tag", wo man das Gothicrockpathos gelungen in die abwechselnd ruhigen und harten, langsamen und treibenderen Passagen einstreut. Das folgende, neoklassische, bombastische Outro namens "Requiem" ist dann aber gänzlich stil- und sinnlos und würde eher zu einem Mittneunziger-PC-Spiel passen. Musikalisch am schlimmsten ist aber wohl die Tatsache, dass man trotz der Bemühung um Abwechslung nach der Hälfte der CD dazu geneigt ist, abzuschalten - in erster Linie wohl, weil die weiblichen Gesangslinien und auch der Wechsel mit dem männlichen Part, sich allzusehr ähneln, womit man den Songs trotz aller Unterschiede in Härte, Keyboardsounds und den männlichen Gesangsstilen weitgehend ihres eigenen Charakters beraubt.

Die paar gelungenen Songs und Elemente lassen ein paar der Peinlichkeiten und Schwachpunkte auf "Momentum" vergessen - dennoch ist die CD nur für ganz harte Fans des Männlich/Weiblich-Gesangs oder für alle, die schon immer auf eine Kreuzung aus Theatre of Tragedy, Rammstein und Nightwish gehofft haben.


Ähnlich:
Antichrisis, The sins of thy beloved, Theatre of tragedy, Angizia, Lacrimas Profundere, Orphanage, Tristania, sirrah, sacriversum, the sins of thy beloved, Within Temptation, Admirabilis, Nightwish, Rammstein

29.11.2010
TG


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!