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antimatter - saviour


Erscheinungsjahr: 2002
Label: prophecy
Tracks: 10
Spielzeit: 47:56
Genre: alternative
Subgenre: ambient/dark wave rock
antimatter.jpg
Bewertung: 5/10

rating

Hinter Antimatter steckt der ehemalige Anathema- Bassist und Songwriter Duncan Patterson, dessen Einflüsse man auch schon bei oberflächlichem Betrachten des Artworks spürt. Engelsgestalt auf dem Cover und wie ehedem die Alternative 4 (das letzte Anathema Album unter seiner Beteiligung) ganz in weiß gehalten. Zusammen mit Gitarrist und Sänger Mick Moss und diversen Gastmusikern hat er das Debutalbum in Deutschland unter den Fittichen von Prophecy Productions, dem in letzter Zeit etwas bröckelndem Garant für gehobenere Düstermusik herausgebracht.

Auch in den Texten spiegelt sich die Beteiligung von Duncan Patterson deutlich wieder: Titel wie "Angelic" oder "Saviour" sprechen eine deutliche Sprache - Ängste, Verrat, Tod und letztlich das Licht am Ende des Tunnels sind die Themen, aus dem trauernde Herzen geschmiedet werden.
Aber danach trennen sich die Wege Antimatters von den alten Kollegen des Briten. Musikalisch erinnern nur noch ein paar Gitarren- und Basslinien, sowie die teilweise noch vorhandenen Pink Floyd Reminiszenzen (beispielsweise Uhrengeticke in der ausgedehnten Sampleorgie "Going nowhere") an Anathema - und nicht zuletzt der spärlich eingesetzte männliche Gesang von Mick Moss, der in seinem warmen, aber etwas rauen Timbre nicht nur einmal an Vinnie Cavanagh erinnert.

Ansonsten geht man die Instrumentierung und den Aufbau der Songs ganz anders an. Da bis jetzt kein Drummer gefunden wurde, nahm Patterson das Bedienen des Drumcomputers selbst in die Hand, auch ansonsten strotzt das Album nur vor synthetisch erzeugten Klängen. Dräuende Keyboardflächen schichten sich übereinander, mehr oder weniger geschickt platzierte Samples sollen für die nötige Atmosphäre sorgen. Oftmals stehen damit ganze Passagen Dark Wave, oder auch der Neoklassik nahe.
Und in dieser Künstlichkeit der Klänge liegt der Hauptschwachpunkt des Albums. Der Einsatz von Synthesizern wird so übertrieben, dass viele der Songs damit zugekleistert werden und besonders das Programming der Drums ist alles andere als gelungen, was schon im rockigen, Michelle Richfield (Dominion) featurenden Opener "Saviour" auffällt. Man konnte sich wohl nicht entscheiden, ob man dem Computer jetzt möglichst authentische Klänge, oder gar gänzlich elektronisch klingende Beats abringen sollte und so ist das Ergebnis irgendwo in der Mitte bei einem ungünstigem Kompromiss hängen geblieben. Trocken pochen die Schläge der Maschine vor sich hin und kämpfen gegen die Gitarrenriffs und Basslinien an. Besser ist das an Trip Hop erinnernde "holocaust" und (aber nicht ganz so gelungen) "psalms", in dem die düstere Atmosphäre nicht durch das hier ordentlich eingesetzte Programming zerstört wird.
Der erwähnte Gesang Michelles ist zwar solide und bietet ordentliche Gesangsmelodien, bleibt aber während des ganzen Albums unspektakulär und vermag es nicht, Akzente zu setzen. Da überzeugt die später auf dem Album hinzu stoßende Hayley Windsor schon mehr - nicht, dass sie technisch perfekt wäre, aber mit ihrem unschuldigen und unberührten Organ mimt sie zumindest die geforderte engelsgleiche Gestalt in Songs wie "angelic" doch erstaunlich gut. Auch wenn sie im offiziell abschließenden "going nowhere" weniger zu überzeugen weiß.

Den schönen Gesang von Mick Moss hingegen vernimmt man auf "saviour" viel zu selten, dabei übernimmt er im Toptitel "over your shoulder" zusammen mit Frau Richfield den führenden Part eines der besten Duette, die ich in letzter Zeit gehört habe - doch auch hier stören die elektronischen Beats den Fluß des Songs. Auch der Ausklang ist wenig gelungen, die extremen Halleffekte, die auch später auf dem Album zu inflationär eingesetzt werden, sind enervierend. Besonders deutlich merkt man das, wenn man im Gegensatz zu der Originalversion die Liveversion von "Over your shoulder" hört, die der deutschen Digipak-Version als Bonustrack angeflanscht wurde. Nur mit zwei sich umschmeichelnden Gitarren und dem als Gastsänger auftretenden Danny Cavanagh (der, im Gegensatz zu seinem Bruder bei Anathema, hier wie auf 33 rpm abgespielt klingt) wissen Antimatter zu überzeugen, weil der Song weder von Synthesizereffekten, noch vom Drumcomputer ausgebremst wird.
Auch der zweite Song, bei dem Micks Stimme zum Einsatz kommt, überzeugt als einer der wenigen: "the last laugh" ist ein schöner, schnörkelloser melancholischer Rocksong geworden, bei dem die Drums einigermaßen unaufdringlich programmiert wurden.
Ansonsten ist die Ausbeute an guten Songs mager. Das genannte "Angelic" überzeugt durch seine minimalistische, unprätentiöse Instrumentierung und die stimmliche Leistung Windsors, die auch auf dem folgenden "flowers" für einen gelungenen ersten Teil sorgt - doch hier verbauen sich Antimatter ebenfalls den Song, indem sie unnötigerweise mit bombastisch düsteren Keyboards im zweiten Teil einen (zwar nötigen) Gegenpol aufbauen. Hätte besser gelöst werden können. Gänzlich unnötig sind aber solche pathetisch finsteren Tracks (der Songaufbau ist - ohne Strophe und Refrain - eher unkonventionell) wie das Industrial beeinflusste "God is coming", oder das zu lang geratene "going nowhere", die das Album im Ganzen deutlich nach unten ziehen.
Die richtigen Ansätze sind also vorhanden, Antimatter verhaspeln sich jedoch mit unnötig viel Synthetik-Bombast und -kitsch auf dem Weg zu einem gelungenen Album.
Anathema-Fans und solche, die ein Album in prophecy-Tradition erwarten, lege ich dieses Album nur sehr bedingt ans Herz. Reinhören ist demnach Pflicht, ansonsten könnte es eine böse Überraschung mit dem meiner Meinung nach sehr durchwachsenen Album geben.


Ähnlich:
Pink Floyd, Anathema, Portishead, Dead can Dance, Goethes Erben, Liv Kristine, L'ame Immortelle

15.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!