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animal collective - feels


Erscheinungsjahr: 2005
Label: fat cat/pias
Tracks: 9
Spielzeit: 51:51
Genre: alternative
Subgenre: indie (freak) folk
feels.jpg
Bewertung: 8/10

rating

Selten passt eine Schublade wirklich gut auf die darin enthaltene Musik. Aber ab und an ist es doch so. Wie zum Beispiel beim Freak Folk. Durchgedrehte Freaks spielen Folkmusik. Oder versuchen es zumindest. Was daraus kommt vereint, wie so oft wenn Freaks etwas anpacken, Gegensätze. Krach und Melodie, Antikes und Modernes, Schönes und Hässliches. So auch Animal Collective aus New York. Wobei, die Hoch-Zeit des Freak Folks ist auch bei denen schon wieder vorbei, ihr neues Album "feels" ist deutlich nachvollziehbarer und ruhiger als ihre alten, knalligen Werke. Aber besonders in der ersten Hälfte merkt man ihr Bestreben, dem guten amerikanischen Indie Folk den Teufel auszutreiben. Wuchtige Pauken treffen auf zischende Cymbals, die wuselnden Gesänge lagern sich vielfach und mitunter in Tierstimmen übereinander, viele Akustikgitarren vereinen sich untrennbar zu einem dichten Gestrüpp und ab und an fangen sie auch noch an zu schreien. Irgendwo in diesem Dikicht sind aber tatsächlich Melodien zu finden. Schöne und wunderbare. Je lauter, desto mehr.

Informationen über die Band oder das Album sind aus dem Artwork nicht zu entnehmen, ein Booklet fehlt, man begreift vielleicht noch, dass die Namen "Avey, Deakin, Doctess, Eyvind, Panda, Geologist" auf der Innenseite des Digipaks die momentane Besetzung darstellen. Und man erfährt, dass die CD in Seattle aufgenommen wurde. Warum da, bleibt ein Geheimnis. Wollte man auf den eingegrabenen Gebeinen der Grungeszene tanzen? Oder einen Bezug zu dieser Musik aufbauen? Wahrscheinlich nicht.
Interessant, dass das Album mit den Gästen Eyvind Kang und einer Sängerin von Mum aufgenommen wurde. Das gibt dem collective im Namen eine wahrhaftige Dimension abseits des Auftretens mit Tiermasken. Herauszuhören indes sind diese Gäste kaum. Alles ist so dicht verwoben auf "feels", dass es schon Zeit braucht, all die Sounds zu entschlüsseln und wieder zu einem sinnvollen Ganzen zurückzuverfolgen. Was Spaß macht. Aber fast unmöglich, da noch Gastmusiker herauszuhören.

Der Höhepunkt der Freakiness wird hier mit dem zweiten Track erreicht. Ob es vor dem Aufnehmen von "Grass" selbiges zum Essen oder Rauchen gab, ist mir leider nicht bekannt, aber es hört sich eindeutig so an. Plus Koks wahrscheinlich. So ein überdrehtes und gleichzeitig schwankendes Lied kann eine Band sich im Normalzustand kaum ausdenken. Glockenhelles Klingeln trifft auf dicke Pauken und der Gesang durchlebt alle Höhen und Tiefen, der Refrain (falls das so etwas sein soll) mündet in eine Art wildes, schrilles Bellen. Mitreißend - beim Hören flippt man selbst aus. Ähnlich ist auch Track vier, "The purple bottle" (was schon der Titel andeutet), aber danach wird es ruhiger und besinnlicher. Ob Animal Collective damit angekommen sind, wo sie hinwollten? Die zweite Hälfte der CD klingt jedenfalls so geschlossen, homogen und mit sich selbst zufrieden, dass man fast darauf schließen möchte. Wenn nicht "Turn into something" ganz zum Schluss doch noch mal Kirmeskarussel fahren würde.

Eine schöne Erfahrung, "feels" zu hören. Und zu erleben. Man wächst mit der Scheibe. Oder umgekehrt.


Ähnlich:
Broken Social Scene, CocoRosie, Devendra Banhart, Vashti Bunyan, Sufjan Stevens, The Magic Numbers, The Fiery Furnaces, Wolf Parade, The Flaming Lips, The Mercury Rev, Fog

14.01.2006
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!