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amphibic - film in my head


Erscheinungsjahr: 2004
Label: haldern pop recordings
Tracks: 13
Spielzeit: 46:57
Genre: Alternative
Subgenre: Alternative Pop
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Bewertung: 6/10

rating

Eine ganz normale Band. Amphibic wird wohl deshalb - weil es sonst nicht viel über die Band zu sagen gibt - gerne nachgesagt, dass es eine kosmopolitische Band sei. Nicht unbegründet, denn alle fünf Bandmitglieder stammen aus verschiedenen Ländern. Und doch schlägt sich das nicht merklich auf die Musik nieder. Bis auf die Tatsache, dass "film in my head", das Debüt des Quintetts, nach einer Schnittmenge aus britischer und belgischer (Folk-)Popmusik klingt, gibt es kein Element, dem man einen konkreten Ortsbezug zuordnen würde.
Sänger und Gitarrist Neal Hoffmann stellt, auf den ersten Blick erkennbar, den Kopf der Band dar. Nicht nur dass alle Texte aus seinen Fingern geflossen sind, auch seine Instrumente sind sehr prägnant. Und seine Stimme könnte eine Klangfarbe sein, an der sich die Geister scheiden. In erster Linie deshalb, weil sie sich relativ schneidend und bewusst in den Vordergrund drängelt und nahezu nie pausiert.
In den kurzen instrumentalen Abschnitten dominiert das zweite direkt ins Ohr gehende Instrument, das von der lieblichen Dame der Band (Celine Barry) gespielte Cello. Nie besonders spektakulär, was übrigens auf nahezu alles an Amphibic zutrifft, aber immer eine schöne Melodie aus dem Holz schüttelnd. Überhaupt ist Holz ein gutes Stichwort: In letzter Zeit wieder in Mode kommende digitale Klangerzeugung ist bei Amphibic verpönt, die gute alte akustische Gitarre spielt des öfteren eine große Rolle und statt Keyboard kommen gleich Klavier und Fender Rhodes zum Einsatz. Nicht, dass Amphibic deswegen hölzern klingen würden (obwohl mir dieses Adjektiv beim Hören von "a film in my head" manches Mal in den Sinn kam). Aber das Attribut "warm" trifft stets auf den Sound der fünf (momentanen) Engländer zu. Besonders deutlich wird das beim nur von Neal Hoffmann an der Akustikgitarre und Celine Barry am Cello vorgetragenen "can you take me home", zusammen mit dem ebenfalls getrageneren "rubies" der schönste Song des Albums.
Ansonsten gibt es nicht viele Songs, die auf Dauer überzeugen. Lediglich "days obsolete" und "every little counts", der treibendste Song des Albums, bleiben ebenfalls auch nach vielfachem Hören interessant, weil sie überzeugende Hooklines mit einem spannungsreichen Songaufbau verbinden. Der Rest kränkelt leider an zu vielen Wiederholungen und zu schnell sattmachenden Allerweltsmelodien. Überhaupt scheinen Amphibic die Songs länger ausdehnen zu wollen, als diese es eigentlich verdient hätten. Den Opener "Bleeding" könnte man gut um ein/zwei Refrains abkürzen, "eden", "forever...", "let's play rich" und das langsame "a change is as good as the rest" bestehen zu einem guten Teil aus unspektakulären Melodie- und Zeilenwiederholungen. Und das Ausdehnen eines Songs mittels abschließender Geräuschorgie, wie in dem ansonsten guten (aber auch zu viel wiederholenden) "dear caffeine", wird von der Band einfach nicht konsequent genug ausgeführt. Was sich also nach den ersten fünf Durchläufen als eine sehr schöne Indiepop-Veröffentlichung (übrigens auf dem jungen Haldern Pop Recordings, auf welchem Festival die Band auch entdeckt wurde) anhört, hat sich kurz danach zumindest zur Hälfte tot gespielt.
Mit den Texten verhält es sich ähnlich; bei den Refrain- und Zeilenwiederholungen selbstverständlich. Aber auch davon abgesehen trifft gute Lyrik mit nicht selten aus der christlichen Symbolik entliehener Bildsprache ("days obsolete" und "bleeding", viel weniger gelungen: "eden") auf triviale Betrachtungen zwischenmenschlicher Beziehungen und Alltagsbeobachtungen ("forever is such a long long time", "dear caffeine", "play no more"). Insgesamt bleibt also auch hier ein schaler Nachgeschmack übrig, der die positiven Eindrücke beim ersten Kennenlernen trübt.

Als Debüt einer so jungen Band dennoch ein guter Anfang: Potential die richtigen Melodien an der richtigen Stelle zu schreiben ist auf jeden Fall vorhanden. Wenn dann noch in Zukunft der Song zur richtigen Zeit gebremst wird, haben sich Amphibic endgültig an Land gerettet.


Ähnlich:
Arid, Embrace, Travis, Coldplay, Kings of Convenience, Live, Cake, Soundgarden, Chris Cornell, Matchbox 20, I Am Kloot, Kevin Devine, Sophia, dEUS, The Divine Comedy, Isolation Years, Starsailor, South, K's Choice, Radiohead, Blur

01.01.2002
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!